Zeigt, was ihr nicht könnt!

In meinem Zumba-Kurs gibt es diese Frau: Sie ist schätzungsweise um die 40, klein und rund, steht immer in der ersten Reihe und hat Null Rhythmus-Gefühl. Sie verpasst jeden Takt und kann sich keinen einzigen Schritt merken. Und trotzdem – oder gerade deshalb? – hat sie immer Spaß bei der Sache. Sie lächelt, während sie ihre eigenen Tanzschritte improvisiert, und es scheint ihr vollkommen egal zu sein, dass alle Frauen hinter ihr sie sehen können.

Ich finde diese Frau toll.

Es ist ihr egal, was die anderen von ihr denken. Egal, ob sie so aussieht und sich so verhält, wie ihre Umwelt es von ihr verlangt. Ob sie auch in anderen Bereichen ihres Lebens so denkt und handelt, weiß ich nicht. Aber ich finde es sagt sehr viel über einen Charakter aus, wie jemand tanzt.

Was ich nicht kann: Auf Fotos die Augen offen halten.

Was ich nicht kann: Auf Fotos die Augen offen halten.

Menschen, die anders sind als alle anderen und sich etwas trauen, fallen uns oft nur auf, wenn sie gut sind. Das heißt, wenn sie eine Sache beherrschen, die man ihnen nicht zutraut. Wie beispielsweise Paul Potts, der nicht gerade attraktive Opernsänger, der durch eine Castingshow berühmt wurde. Oder Emma Haslam, eine geniale übergewichtige Pole Dancerin (guckt euch mal ihren Youtube-Channel an). Stephen Hawking ist nicht nur wegen seiner Leistungen so weltberühmt, sondern weil er diese trotz seiner Ganzkörperlähmung erbracht hat.

Wenn man anders ist, als andere, also nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, egal in welcher Hinsicht, braucht man Mut, um sich zu zeigen. Um zu zeigen, was man kann. Noch viel mehr Mut braucht man aber, um zu zeigen, was man nicht kann. Man soll gefälligst nicht sagen, dass man etwas noch lernt, also es noch nicht beherrscht. Daher kommt wohl auch der berühmte Rat an alle Anfänger „Fake it, till you make it“. Gruselig!

Ich mag Menschen, die ehrlich zu sich selbst und zu mir sind. Die sich nicht überschätzen oder vor anderen in einem besseren Licht dastehen wollen. Die zugeben, wenn sie etwas noch nicht können oder niemals können werden. Etwas nicht perfekt zu können, muss schließlich nicht heißen, dass man keinen Spaß daran haben und diesen auch zeigen darf.

Wen interessiert es, was die anderen von euch denken, solange ihr tut, was euch glücklich macht?

Irgendwie schreit dieses Thema geradezu nach einer Blogparade. Was könnt ihr nicht und tut es trotzdem gerne? Was wolltet ihr schon immer können, schafft es aber einfach nicht? Wenn ihr keinen Blog habt, erzählt es mir doch in den Kommentaren.

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4 Kommentare

  1. Hallo Pia!

    Ich kanns ja nicht sein in Deinem Zumba-Kurs, aber Deine Beschreibung könnte ganz gut auf mich auch passen. Ich tanze auch inmitten von lauter so perfekten Frauen mit perfekten Frauenkörpern herum und verpasse den Einsatz und kann die Schritte nicht und hüpfen kann ich auch nicht mehr, weil mein Knie das nicht aushält.

    Aber soll ich deshalb zu Hause bleiben? Zumba macht mir Spaß und ich mag mich gerne zur Musik bewegen.

    Was mir zu dem Thema aufgefallen ist. Je jünger ich war, desto wichtiger war mir die Meinung der anderen und desto weniger habe ich mir zugetraut. Je älter ich wurde, desto leichter wurde es zu mir zu stehen, wie ich bin und vor allem auch zu meinen kleinen oder auch größeren Macken zu stehen.

    Ich muss keine Stöckelschuhe anziehen zum Kleid, nur weil es besser aussieht als flache Schuhe. Ich gehe nunmal besser mit flachen Schuhen.

    Für mich ist es ein Privileg, das mit dem Alter gekommen ist, meine Schrullen und Macken auszuleben und dazu zu stehen, dass ich nicht perfekt bin. So ist das Leben viel schöner für mich.

    lg
    Maria

    • PiaMester

      Hallo Maria,

      Dass es mit dem Alter leichter wird, sich zu akzeptieren, stimmt. Beim Zumba stehen die jüngsten Teilnehmerinnen immer ganz hinten und sind immer ganz peinlich gerührt, wenn man mal wieder mit dem Hintern wackeln soll.

      LG
      Pia

  2. Ich bin’s auch nicht, liebe Pia. Taktgefühl: Was ist das denn? Ich kann auch keine Instrumente bei einem Musikstück raushören. Und ich erschrecke mich bei kleinsten Geräuschen, die ich dann total laut wahrnehme und nicht zuordnen kann. Dabei ist es nur die Kohlensäure in meinem Wasserglas.

    Ich hab eine schlechte Grobmotorik und werfe gerne Dinge in Serie um oder rutsche bei einem Date vom Stuhl. Und bleibe ständig mit meinen Ärmeln an Türklinken hängen, die mir im Weg sind. Die Nudelpakete kommen mir im Laden entgegen. Die Obstkisten draußen krieg ich auch nicht mehr richtig aufgetürmt und brauche Hilfe. Natürlich verletzte ich mich dann beim Reingehen weil mir mit der Tür ein winziger Reißnagel entgegen kommt.

  3. Woran ich gleich denken musste: Ich kann nicht singen! Gefühl so überhaupt gar nicht, vor allem traue ich mich aber einfach nicht und habe ein lausiges Textgedächtnis. Problem an der Sache: Ich werde Erzieherin und arbeite aktuell auch schon in der Praxis, wo Singen natürlich an der Tagesordnung ist. Neulich habe ich zum ersten Mal den Mittagsschlaf mit den U3-Kindern absolviert (überraschend erfolgreich), nur leider hatte ich kein Lied parat, das ich vorher mit ihnen singen konnte. Also habe ich nun beschlossen, mir ein oder zwei Liederbücher anzuschaffen und meinem Unwillen den Kampf anzusagen, weil es eigentlich nichts Schöneres gibt, als den Kindern dabei zuzusehen, wie sie sich darüber freuen, wenn gesungen wird. 🙂

    Ansonsten habe ich (vor allem in der Schule) unglaublich viel Spaß am Malen und Gestalten gehabt, obwohl meine fertigen Werke immer etwas bemüht wirkten. Aber stolz war ich trotzdem!

    Einen schönen Sonntag noch,
    Mirka