Wir sind nicht unsere Arbeit

 

„Und was machst du so?“ Ich hasse diese Frage. Nicht, weil ich mich für meinen Job schäme, sondern weil diese Frage so viel über unsere Gesellschaft aussagt: Wir definieren uns selbst und andere über unsere Arbeit. Aber was sagt ein Beruf über einen Menschen aus? Ziemlich wenig, finde ich.

Vor ein paar Wochen saß ich in einem Raum voller mir größtenteils unbekannter Menschen. Wir hatten ziemlich viel Spaß an diesem Abend. Niemand hat gefragt, was ich beruflich mache. Und ich habe auch niemanden danach gefragt. Ich wollte es auch gar nicht wissen. Denn sobald wir den Beruf unseres Gegenüber kennen, entstehen Bilder in unserem Kopf. Wir möchten fremde Menschen einschätzen können. Berufsbilder helfen uns dabei. Glauben wir zumindest. So sind doch alle Krankenschwestern hilfsbereit und freundlich, Manager durchsetzungsfähig und Professoren total intelligent, oder? Und auf der anderen Seite: Sind Putzfrauen dumm, Türsteher aggressiv, Arbeitslose faul?

Die Angst vor der Schublade

Wenn ich nach meinem Job gefragt werde, antworte ich meistens schlicht und einfach „Freie Journalistin“. Manchmal reicht das, manchmal wird noch gefragt, was ich so schreibe. Dann füge ich hinzu, dass ich für Zeitschriften schreibe, Firmenchroniken und elektronische Bücher und hoffe, dass das meinem Gegenüber genügt. Eigentlich sollte ich als Selbstständige ständig über meinen Beruf reden, wegen dem Netzwerken und dem ganzen Vitamin B und so, aber es geht mir irgendwie gegen den Strich. Denn ich habe es schon oft erlebt, dass bei meinem Gegenüber plötzlich die Klischeemaschine ansprang: „Du bist Journalistin? Dann muss ich ja jetzt aufpassen, was ich sage, sonst lese ich das morgen in der Zeitung. Haha.“ Der Mensch hält mich also für eine nach dreckigen Geheimnissen geifernde Klatschtante. Interessant. Wenn ich erzähle, dass ich Bücher schreibe, bekommen die Menschen ganz große Augen und halten mich für die nächste Joanne K. Rowling. Auch wenn ich hinterher schiebe, dass ich vorwiegend Ratgeber schreibe und keinen Verlag habe. Ich möchte keinem dieser beiden Klischees entsprechen. Und deshalb rede ich auch nur dann gerne über meinen Beruf, wenn mein Gegenüber den Eindruck macht, dass er mich danach nicht in irgendeine Schublade steckt sondern wirklich Interesse hat. Das kommt zum Glück öfter vor, als ich manchmal glaube.

Ich denke diese Angst vor der Schublade haben viele Menschen. Deshalb nennen sich Putzfrauen heute auch Reinigungsfachkräfte, Arbeitslose sind „arbeitssuchend“, Hausfrauen bezeichnen sich als „Stay at Home Moms“ oder Familienmanagerinnen oder man gibt einfach den Beruf an, den man irgendwann mal gelernt hat.

Manchmal, wenn ich diese Frage höre, würde ich gerne lügen. Würden die Menschen anders auf mich reagieren, wenn sie glaubten, dass ich Neurochirurgin wäre? Oder Hostess? Oder Account Managerin (was auch immer das ist)?

Ich bin nicht mein Beruf. Aber manchmal fällt es sogar mir selber leichter, mich darüber zu definieren als zu hinterfragen, wer ich denn wirklich bin oder sein möchte. Es ist nicht leicht, anders zu denken, als man es über Jahre hinweg gelernt hat. Eine Frage werde ich mir in Zukunft allerdings verkneifen: „Und was machst du so?“

Auf die Idee zu diesem Beitrag hat mich dieser Text gebracht.

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11 Kommentare

  1. Der amerikanische Autor Robert Fulghum hat dieses Problem elegant geloest, als er ein Formular ausfuellen musste und er bei der Rubrik Beruf „Prinz“ hingeschrieben hat, weil ihn seine Frau oft „mein Prinz“ nannte.

  2. Hallo Pia,
    mein Lebenslauf ist ja mittlerweile etwas durcheinander (Ausbildung zur BTA, Studium, zweite Ausbildung zur Fachinformatikern). Zugegen, das klingt als würde es nicht zusammenpassen, aber es ist MEIN Lebenslauf und deshalb passt das zusammen. 🙂
    Ich finde es spannend zu erfahren, was andere beruflich so machen und gemacht hat. Dadurch lernt man selber interessante Berufe kennen. Trotzdem muss man sich selber ermahnen andere deshalb nicht abzustempeln.
    Mir gefällt Dein Beitrag und ich hoffe, dass er ein bisschen dazu beiträgt die Welt toleranter zu machen.
    Liebe Grüße,
    Julia

  3. Rob64

    “Und was machst du so?” ist halt so die 0 – 8 15 Smalltalk Frage für Leute denen echt nichts besseres einfällt. Ich muss dann immer sehr schmunzeln.

  4. barbara

    Hallo Pia,

    ein schöner Blogeintrag. Ich hab mich vor einiger Zeit mal gefragt, warum man auf die Frage „Was machst du so?“ immer antwortet, welchen Beruf man ausübt. DIe Frage lautet ja nicht „Was machst du beruflich?“. Mittlerweile antworte ich auf diese Frage anders. Ich erzähle von mir, von meinen Hobbys etc. Wenn mich jemand fragt, was ich so mache, antworte ich, dass ich gern Sport machen, viel lese etc. Die Leute sind zwar erstmal erstaunt, weil sie eine solche Antwort nicht erwarten, aber dann kommen die interessantesten Gespräche zu Stande. Ich kann nur empfehlen, das mal auszuprobieren.

    Viele Spaß damit 🙂

  5. Hallo Pia!

    Mir geht es da ähnlich wie Barbara. Es liegt in unserer Hand, was wir antworten und wenn ich dann über Hobbys rede und was ich gerne mache, dann geht das Gespräch in eine ganz andere Richtung.

    Über meinen Beruf mag ich gar nicht mehr reden.

    lg
    Maria

  6. Ich bin nicht meine Arbeit, aber meine Arbeit macht einen sehr großen Teil meines Lebens aus. Ebenso wie bei den meisten anderen Leuten mit denen ich spreche. Ich finde, dass sich auch sehr viele spannende Unterhaltungen über die Arbeit ergeben können und finde es interessant in andere Berufe einen Einblick zu erhalten. Die Voraussetzung ist aber doch, auf welcher Ebene die Gespräche ablaufen: Auf der Klischee-Ebene (In Bezug auf Journalistin: Muss ich jetzt aufpassen, was ich sage?) oder ist der oder diejenige wirklich daran interessiert, etwas zu erfahren.
    Oft ist dies ein Einstieg, woraus sich andere Gesprächsthemen ergeben. Wobei für mich auch relevant ist, wo ich die Person kennen lerne: Ist mein Beruf überhaupt von Interesse? Gibt es nicht andere Anknüpfungspunkte über die gesprochen werden können?

    Ich verstehe deine Kritik aber auch stark als Kritik gegen das Schubladen-Denken. Diese Klischee- und Vorurteilsbildung die stört mich auch, aber bei Leuten bei denen das extrem auftaucht, mit denen unterhalte ich mich dann auch eher nicht.

    • PiaMester

      Hallo Nanne,

      Na klar, Fragen nach dem Beruf sind immer ein praktischer Gesprächseinstieg und meistens versteckt sich dahinter keine böse Absicht. Ich selber finde es auch interessant mit jemandem zu sprechen, von dessen Beruf ich überhaupt nichts weiß. Wenn man irgendwie im Laufe eines Gesprächs auf den Beruf zu sprechen kommt, finde ich das auch weniger schlimm. Weil man sich dann schon ein Bild gemacht hat vom anderen. Nur wenn diese als allererstes kommt, nachdem man sich vorgestellt hat, werde ich misstrauisch.

      LG
      Pia

  7. Ich glaube, dass das als Erstes gefragt wird, dass habe ich ganz lange nicht erlebt. Allerdings würde ich mich auch nicht davon ausnehmen, dass ich das vielleicht sogar selbst mal mache. Finde es nämlich nicht immer einfach Small Talk mit Leuten zu halten, die man gar nicht kennt.
    lg nanne

  8. Stefanie

    Ich versuche immer bei Gesprächen die Frage nach dem Beruf erstmal zu umgehen.
    Ich bin „nur“ Reinigungskraft, was ich selber nicht als schlimm empfinde, manche Menschen allerdings anscheinend schon. 😉
    Es ist wirklich schon vorgekommen, dass ich relativ am Anfang nach meinem Beruf gefragt wurde & daraufhin wurde das Gespräch zügig beendet, einmal drehte sich sogar jemand auf dem Fuße um. Wenn ich diese Frage umschiffe & man erst später darauf zu sprechen kommt, passiert das nicht (und zwar wirklich noch nie!). Dann konnten sich die Leute vorher einen Eindruck von mir verschaffen.
    Die meisten denken, 26, früh Kinder, maximal Hauptschulabschluss.
    Fakt ist, 26, keine Kinder, Realschulabschluss.
    Traut einem aber, dem Schubladendenken sei dank, keiner zu.

    Ps: Der Beitrag ist schon älter, dazu musste ich mich aber einfach äußern, da ich immer wieder damit konfrontiert bin.

    • Pia

      Hallo Stefanie,

      Das ist ja echt unverschämt! Ich finde es erschütternd, wie fest solche Vorstellungen in den Köpfen verankert sind.
      Danke für deinen Kommentar!

      LG
      Pia

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