Warum du dir Limits setzen solltest

 

Wir wollen doch alle ein Leben ohne Limits, oder? Und machen es uns damit ziemlich schwer. Denn Limits sind gut. Sofern du sie richtig zu nutzen weißt.

Nicht, dass du mich falsch verstehst: Ich mag Grenzenlosigkeit. Das Schengener Abkommen finden ich super und bei gläsernen Decken könnte ich kotzen. Ich bewundere Leute, die ihr Limit strapazieren, ihre Grenzen austesten. Doch Grenzen bzw. Limits werden manchmal zu schnell verteufelt. Im Kleinen machen sie oft Sinn.

Zum Beispiel, wenn du damit beginnst, deinen Besitz zu verkleinern. Es gibt Menschen, die reduzieren ihr Hab und Gut auf 100 Teile. Warum ausgerechnet 100, frage ich mich oft? Ist das ein Erfahrungswert? Gibt es eine Preis, wenn man es auf genau 100 Teile schafft? Nein, diese Menschen haben sich einfach selber ein Limit gesetzt, und das versuchen sie zu erreichen. Genauso ist es beim Project 333 (an dem ich auch gerade teilnehme): 33 Kleidungsstücke sind eine beliebige Zahl. Es können genauso gut 30 oder 40 sein. Wenig bedeutet hier für jeden Menschen etwas anderes.

Limits kannst du nicht nur in Zahlen, sondern auch in Platz ausdrücken. Manche Menschen besitzen nur so viel, wie in einen Rucksack passt. Der Rucksack ist das Limit. Oder so viel, wie sie bei einem Umzug mit einem normalen Auto transportieren können.

Wir nutzen unbewusst bereits viele Limits. Diäten beruhen auf Kalorien-Limits. Budgets auf Geld-Limits. Speicherkarten, etwa für Kameras, auf Daten-Limits. Prepaid-Verträge auf Guthaben-Limits. Arbeitsverträge auf Stunden-Limits.

Limits geben dir Orientierung und ein Ziel.

Auf unserem Weg zum Minimalismus fragen wir uns oft, was denn jetzt eigentlich genug ist. Sind fünf Paar Schuhe, drei Räume, vier Kochtöpfe genug? Entscheide doch einfach seler, was genug ist. Aus dem Bauch heraus. Du willst nur 20 Bücher besitzen, damit hast du ein Ziel vor Augen, auf das du hinarbeiten kannst.

Limits helfen dir dabei herauszufinden, was das Wesentliche ist.

In meiner Zeit bei der Lokalzeitung war es an normal, Texte (eigene und fremde) zu kürzen (das habe ich hier schon einmal beschrieben). Für jeden Text war nur ein bestimmte Platz vorgesehen. Entweder kannte man diesen schon vorher, schrieb also „auf Zeile“, oder man formulierte seinen Text vor und musste ihn dann meistens anpassen. Grenzenlosigkeit, also eine nicht vorgegebene Zeilenzahl, führte bei vielen Autoren dazu, dass sie lange, langweilige Texte produzierten. Durch das Kürzen waren sie gezwungen, alles Überflüssige zu streichen. Wenn du selber schreibst, setz dir ein Limit, das unter deiner normalen Wortzahl liegt, und streiche radikal. Die meisten Texte werden dadurch besser.

Limits schützen vor einer zu großen Auswahl.

Entscheidungsfreiheit macht nicht nur unzufrieden, deine Entscheidungsfähigkeit ermüdet auch sehr schnell. Je mehr kleine, unnötige Entscheidungen du am Tag treffen musst, desto schlechter stellst du dich bei den wichtigen an (Rolf Dobelli erklärt das sehr anschaulich in seinem Buch „Die Kunst des klugen Handelns“). Deshalb tragen einflussreiche Menschen wie Mark Zuckerberg, Steve Jobs oder Barack Obama (angeblich) immer dasselbe Outfit: Sie wollen sich ihre Entscheidungsfähigkeit für die wichtigen Dinge aufheben. Du kannst dir diesen Effekt durch selbstgesetzte Limits zunutze machen. Je weniger Gegenstände du zur Verfügung hast, desto seltener musst du zwischen diesen wählen. Erschaffe dir für wiederkehrende Aufgaben feste Termine, lege beispielsweise den Wocheneinkauf auf Montag und wasche nur Mittwochs Wäsche. Kaufe dir nur schwarze Socken (so wie Philipp). Iss immer die gleichen Lebensmittel, so wie Leo Babauta. Etabliere Gewohnheiten, damit schaltest du quasi auf Autopilot.

Limits erhöhen die Produktivität.

Aufgaben bzw. Arbeit dehnt sich immer in dem Maße aus, wie Zeit dafür zur Verfügung steht. Das habe ich schon oft erlebt. Wenn ich etwas in einer Stunde schaffen musste, dann habe ich das auch hinbekommen. Wenn ich hingegen den ganzen Tag für die Erledigung Zeit hatte, habe ich auch den ganzen Tag gebraucht. Deshalb: Setz dir öfter Zeit-Limits. Dazu gehören enge, selbstgelegte Deadlines für große Projekte ebenso wie kurze Zeitspannen für kleine Aufgaben. Schaffst du es, innerhalb von fünf Minuten die Spülmaschine auszuräumen? Mein Rekord liegt übrigens bei 3 Minuten. Stell dir den Küchenwecker auf 20 Minuten und versuche, in dieser Zeit so viel Hausarbeit wie möglich zu erledigen. Immer mehr Menschen schwören auf die Pomodoro-Technik, bei der du 25 Minuten voll durchpowerst und dann fünf Minuten Pause machst.

Limits regen deine Kreativität an.

Innerhalb eines festen Rahmens fällt es leichter, sich auszuleben. Eine Begrenzung, egal welcher Art, zwingt dich dazu, kreative Lösungsmöglichkeiten zu finden. Beispielsweise ist es gar nicht so leicht, ein Haiku, also ein Gedicht mit höchsten 17 Silben, zu schreiben. Die starre Form zwingt dich dazu, dich auf da Wesentliche zu konzentrieren, verschiedene Synonyme zu testen, Sätze ungewohnt umzustellen, Details auf ungewöhnliche Arten zu beschreiben. Du kannst dir in jedem kreativen Bereich deine eigenen Limits setzen: Schreibe beispielsweise einen Text, der nur aus einsilbigen Wörtern besteht. Male ein Bild nur mit einem schwarzen Stift. Stricke etwas aus einem einzigen Wollknäuel. Dekoriere deine Wohnung nur mit Naturmaterialien. Fotografiere nur rote Objekte.

Jetzt möchte ich deine Meinung wissen: Wo setzt du dir bewusst Grenzen? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

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19 Kommentare

  1. Dat Marlen

    Ich kaufe mir tatsächlich nur schwarze Socken aber ansonsten hat mich der Text sehr inspiriert und ich werde in der nächsten Zeit einige Dinge davon ausprobieren.

    • PiaMester

      Hallo Marlen,

      Das freut mich sehr, dass dir der Text gefallen hat.

      LG
      Pia

    • Ich gehe sogar noch ein Stück weiter.
      Schwarzen Socken, T-Shirts, Jeans und Pullover. Vereinfacht das Kombinieren erheblich 😉

      Gruß
      Andreas

      • PiaMester

        Hallo Andreas,

        Das glaub ich 🙂

        LG
        Pia

  2. Hallo Pia,

    ich setze mir bei vielen Dingen einen Rahmen: Zeitlich, inhaltlich, gestalterisch – nur räumlich nicht. 🙂

    Vor allem bei kreativen Aufgaben hilft mir solch ein Rahmen, etwas zum Abschluss zu bringen, ohne mich in unendlichen Weiten zu verlieren. Deshalb mache ich mir direkt zu Beginn Gedanken darüber, damit ich eine klare Richtung habe und nicht ziellos umherirre.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • PiaMester

      Hallo Philipp,

      Stimmt, ein Ziel ist auch irgendwie eine Grenze.
      Räumliche Grenzen wäre für einen Reisejunkie wie dich wohl die größte Strafe, was? 😉

      LG
      Pia

      • Räumliche Grenzen sind bereits eine Strafe. Als Europäer ist man da doch recht verwöhnt, so sehr ist man sie nicht mehr gewohnt. Im Nahen Osten gehören sie zum Alltag dazu.

        Lieber Gruß,
        Philipp

  3. … ist nicht #twitter, mit den 140 Zeichen, auch so ein Limit-Ding? Ich liebe Twitter. Obwohl ich an meinem ersten Tweet wirklich lange gebastelt, dass er (hinein)gepasst. 🙂
    @mons7, mit lieben Grüßen.

    • PiaMester

      Hallo Monika,

      Jaaaa! Kennst du die Tiny Tales von Florian Meimberg? Die find ich einfach genial.

      LG
      Pia

  4. Limits setzen um Freiräume zu schaffen.
    Das mit dem limitierten Platz spricht mich am meisten an, vielleicht auch, weil wir in einer sehr kleinen Wohnung leben und darum schon reduzieren. Die Reduzierung auf eine bestimmte Stückzahl hingegen empfinde ich für mich als zu abstrakt, ich wüsste nicht, wie ich eine Zahl festlegen sollte. Danke für den Beitrag!

    • PiaMester

      Hallo Sunray,

      Ich finde, viele kleine Wohnungen sind besonders durchdacht und gemütlich eingerichtet. Vielleicht genau deshalb, weil sie so klein sind.

      LG
      Pia

  5. Linda

    Hallo Pia,
    da ich berufstätig bin setze ich mir ein Limit beim Putzen. Jede Woche ein Zimmer putzen und dann denke ich darüber nicht mehr nach. Staubgesaugt wird natürlich öfter :). Ich habe einen Essensplan ausgearbeitet für 3 Monate. Den arbeite ich immer wieder durch. Eingekauft wird auch einmal die Woche, aber ich lasse auch Platz für neue Rezepte. Das wird dann dazwischen geschoben. Ich habe mir auch beim Kaufen von Weihnachtsdeko ein Limit gesetzt. Nämlich gar nichts zu kaufen. Übrigens kaufe ich für meinen Mann auch nur schwarze Socken. Bei Oberbekleidung liebe ich Abwechslung, aber Socken kaufen ich mir auch immer identische, wegen Austausch. Hosen nur Jeans, eine schwarze und drei blaue, ist langweilig, aber passt zu allem.

    • PiaMester

      Hallo Linda,

      Das klingt wirklich gut durchdacht. Das Schöne bei lauter identischen schwarzen Socken, fällt mir gerade auf: Man muss beim Waschen nicht ewig nach dem einen Gegenstück suchen.

      LG
      Pia

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