Konzentration, wo bist du?!

Eigentlich dachte ich immer, ich könnte mich gut konzentrieren. Stimmt aber nicht. Woran liegt das? Und wie zum Teufel bekomme ich das wieder hin?

Wer einmal Flow erlebt hat, der wünscht sich dieses Gefühl immer wieder. Flow ist ein Zustand entspannter Konzentration: Alles flutscht sozusagen. Ich erinnere mich noch gut an einige Flow-Erlebnisse. Etwa an Klausuren in der Schule, bei denen ich stundenlang Seite um Seite geschrieben habe. Oder beim Joggen, wenn ich über diesen schmerzhaften Punkt hinaus war meine Beine von selber liefen (leider war dieser Zustand so selten, dass ich das Joggen bald schon wieder aufgegeben habe). Als ich den Buchsatz für mein letztes Buch gestaltet habe, war ich auch im Flow. Acht Stunden am Stück und danach ging es mir prima. In meiner Zeitungs-Zeit habe ich besonders gerne in der Layout-Redaktion gearbeitet, weil es mir irgendwann so leicht von der Hand ging.

Ich liebe Flow! Verdammt, warum ist er nur so selten?!

Weil ich verlernt habe, mich zu konzentrieren. Daran bin ich nur zum Teil selbst schuld. Ich könnte mich mehr am Riemen reißen, aber es gibt so viele Ablenkungen und mein Gehirn ist ein endorphinsüchtiges Ungetüm.

Ich habe in den letzten Wochen ein bisschen Selbstbeobachtung betrieben und Dinge festgestellt, die mir Sorgen bereiten:

 

  • Ich gucke oft lieber Trailer und Musikvideos als ganze Filme.
  • Ich schaue ständig aufs Handy. Sogar dann, wenn ich keinen Internetempfang habe.
  • Es gibt nur wenige Momente am Tag, an denen ich keinen Input bekomme (damit meine ich alles, von Gesprächen über Bücher oder Radiohören und natürlich Internet und Smartphone).
  • Wenn ich eine Mail oder eine Nachricht auf Facebook bekomme oder einer meiner Lieblingsblogs einen neuen Post hat, bin ich aufgeregt. Sogar dann, wenn die Nachricht oder der Text schlecht sind.
  • Ich lese mehrere Bücher gleichzeitig.

 

Ist das FOMO, also die Angst, etwas zu verpassen? Oder bin ich einfach ein Sklave meines Gehirns, das durch Neuigkeiten ständig einen Kick bekommt?

Moment, eben die Whatsapp lesen…

Wo war ich? Ach ja, FOMO und der Kick. Was auch immer der Grund dahinter ist, für meine Konzentrationsfähigkeit ist dieses Verhalten Gift. Flow erlebt man angeblich erst nach 15 Minuten ununterbrochener Beschäftigung mit einer Sache. Jede Unterbrechung sorgt dafür, dass man sich erst wieder in das Thema eindenken muss. Nun greifen wir Studien zufolge alle 18 Minuten zum Smartphone und lenken uns damit ab (danke, Michael, für den Linktipp zu diesem Interview). Und ich bin mir ziemlich sicher, dass in diesen 18 Minuten noch viele andere Dinge unsere Aufmerksamkeit fordern und sie auch bekommen.

Ohne Flow arbeiten wir weniger produktiv und die Arbeit macht uns weniger glücklich. Stattdessen sind wir immer auf dem neuesten Stand. Was für ein schlechter Tausch!

Ich habe jetzt „uns“ und nicht „ich“ geschrieben, weil das glaube ich sehr viele Menschen betrifft. Das ist eben eine Nebenwirkung einer beschleunigten, ständig vernetzten Umwelt. Nicht, dass ich es nicht genieße, ständig meine Neugier befriedigen zu können. Ich würde mich zwar als Digital Native bezeichnen, aber ich kann mich noch an Zeiten in meiner Kindheit erinnern, in der ich im 20-bändigen Brockhaus meiner Mutter nachgeschlagen habe, wenn ich etwas wissen wollte, oder jemanden persönlich gefragt habe statt zu googlen. Bücher gab es in der Bücherei oder mal zum Geburtstag oder geliehen von Freunden, aber nicht innerhalb von Sekunden zum Herunterladen. Wir hatten schon viele Fernsehprogramme, aber wenn die Auswahl scheiße war, dann guckten wir eben etwas schlechtes oder nichts, aber schalteten nicht rüber zu Netflix.

 

Früher war es einfacher, sich zu konzentrieren

Dieses „Früher war alles besser“ ist nicht mein Ding. Früher war nicht alles besser. Ich will nicht wieder in den 80ern leben. Früher war es nur einfacher, sich zu konzentrieren. Das haben ich heute – und ich denke viele andere Menschen auch – irgendwie verlernt.

Nur wie schaffe ich es nun, das rückgängig zu machen? Ich würde gerne auf Knopfdruck in eine Sache hineinfallen können, ohne ständig Angst zu haben, dass etwas Interessanteres meine Aufmerksamkeit in Beschlag nimmt.

Ein paar sehr gute Ideen kommen von Leo Babauta. In seinem kostenlosen Buch Focus empfiehlt er, erstmal alle Quellen von Ablenkung zu beseitigen. Handy aus und außer Reichweite, Türklingel aus, Telefon ausstöpseln, Internet ausschalten. Das habe ich versucht und gemerkt, dass es wirklich leichter ist, einer Versuchung zu widerstehen, je schwieriger sie zu bekommen ist.

Was ich auch noch ziemlich sinnvoll finde, aber es noch nicht umgesetzt bekomme: Die eigenen Aktivitäten strikt unterteilen in kreieren, konsumieren und kommunizieren. Zeiten festlegen, in denen man sich auf einen dieser Bereiche beschränkt, und damit Singletasking wieder lernen. In meinem Fall also keine Emails checken oder Youtube-Videos gucken, wenn gerade Schreiben angesagt ist. Andersherum nichts schreiben, wenn ich eigentlich Emails beantworten sollte.

 

Höhö, ich merke gerade, dass ich das Buch überhaupt nicht zu ende gelesen habe…

Außerdem habe ich beim Schreiben dieses Textes fünf Mal aufs Handy geguckt.

Ich bin ein hoffnungsloser Fall…

 

Wie schaffst du es, dich zu konzentrieren? Was lenkt dich am meisten ab? 

 

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20 Kommentare

  1. Hallo Pia,

    Ich habe die meiste Konzentration bei den Sachen, die ich mit Leidenschaft und Spaß mache. Das heißt bei mir, dass ich mich nicht unnötige stresse. Ich erledige das worauf ich in dem Moment Lust habe. Merkwürdigerweise bin ich dadurch produktiver und motivierter und lasse mich nicht ablenken. Obwohl es dabei auch hilfreich ist das Handy auf stumm und einen Wecker zu stellen. Wenn ich andauernd auf die Uhr gucken muss wieviel Zeit ich noch habe, lenkt das zusätzlich ab und man könnte bei der Gelegenheit noch E-Mails oder oder checken. 😉

    Viele Grüße
    Maren

    • Pia

      Hallo Maren,

      Danke für die Ergänzung, das habe ich zwar auch gedacht aber vergessen, es im Text zu erwähnen. Wenn ich Dinge tue, die mir Spaß machen, komme ich auch eher in den Flow. Was wäre das für ein schönes Leben, in dem man nur Dinge macht, die einem Spaß machen?

      LG
      Pia

  2. Gabi

    Liebe Pia,

    wieder einmal hast Du den Finger ind die richtige Wunde gelegt. Auch meine Konzentrationsfähigkeit gleicht zunehmend einem Trümmerhaufen, ich lese wie Du stets mehrere Bücher gleichzeitig, surfe definitiv zu viel im Internet und bin ständig auf der Suche nach dem Informations- und Neuigkeiten-Kick für mein Gehirn. Ich merke auch, dass sich meine Arbeitsweise als Wissenschaftlerin durch die vielen Möglichkeiten der schönen neuen Medienwelt zum Nachteil verändert hat: weniger konzentriert, zu viele Themen gleichzeitig in der „Pipeline“, immer oberflächlicher werdend usw.
    Die Mediendiät schaffe ich bislang sowenig wie die Essensdiät und ich bin gespannt, welche Vorschläge kommen, die für mich praktikabel sind.

    Liebe Grüße
    Gabi

    • Pia

      Hallo Gabi,

      Dieser Diät-Vergleich passt ziemlich gut. Irgendwo habe ich jetzt etwas gelesen, das mich nachdenklich gemacht hat. Die wichtigen Dinge im Leben sind zwar einfach, aber nicht leicht. Abnehmen ist einfach: Man muss einfach weniger Energie zu sich nehmen, als man verbrennt. Nur ist es nicht leicht, das umzusetzen. So ist es wohl auch bei der Mediennutzung: Man muss die Kisten einfach ausgeschaltet lassen. Nur hapert es wieder an der Umsetzung. Ich glaube mittlerweile, es gibt für viele Dinge keine Abkürzungen: Man muss sie einfach tun.

      LG
      Pia

  3. Tamara

    Liebe Pia,
    ich finde es echt klasse, dass du so ehrlich schreibst und damit so authentisch herüberkommst. Normalerweise gehöre ich zu den stillen Lesern, aber irgendwann musste das mal gesagt werden 🙂
    Der Arbeitsflow ist auch ein wichtiges Element, auf dem die Montessori-Pädagogik aufbaut.

    Viele Grüße
    Tamara

    • Pia

      Hallo Tamara,

      Schön, dass du dich hier zu Wort meldest. Ich freue mich immer über neue Kommentatoren 🙂

      LG
      Pia

  4. Hallo Pia!

    Ich kenne das auch und ich denke schon, dass es ganz viel mit dem Internet, social media und Co zusammen hängt.

    Wenn ich einen Tag offline bin dann bin ich viel besser konzentriert.

    lg
    Maria

    • Pia

      Hallo Maria,

      Ja, die Vermutung habe ich auch. Schöne neue Technik…

      LG
      Pia

  5. Hallo Pia,
    Dein Artikel bringt mich echt zum Grübeln. Ich beobachte ähnliche Dinge an mir. Ich überfliege zum Beispiel oft Texte antstatt sie richtig zu lesen. Meiner Meinung nach hängt das auch mit dem Überangebot an Informationen zusammen. Früher hat man sich ein Buch gekauft, wenn man etwas über ein bestimmets Thema wissen wollte. Jetzt sind viele Infos schnell übers Internet erreichbar. Manchmal finde ich soviel interessante Texte zu einem Thema, dass ich mich kaum entscheiden kann, was ich zuerst lese. Ist das dann auch FOMO?
    Flow erlebe ich, wenn ich kreativ sein kann und genug Zeit und Muße habe. Oder wenn ich in der Natur bin. Da habe ich keine Ablenkung, mein Uralt-Handy ist zu wenig reizvoll.
    Viele Grüße
    Bettina

    • Pia

      Hallo Bettina,

      So genau habe ich mich mit FOMO noch nicht beschäftigt. Ich denke das Neue bringt dem Gehirn immer einen Kick. Ich habe mich bei einigen Thema auch schon dumm und dämlich gegoogelt und hatte hinterher noch immer das Gefühl, nicht genug zu wissen.

      LG
      Pia

  6. sonselit

    Also ich muss sagen, dass ich auch schon „früher“ ganz große Schwierigkeiten mit der Konzentration hatte. Habe im Sekundentakt gezappt und aus der Bibliothek Stapelweise Bücher nach Hause getragen, die ich dann mehr oder weniger gleichzeitig gelesen habe.
    Aber die elektronischen Medien verschlimmern diese Tendenz sicherlich noch.
    Bei mir hat das aber auch viel mit fehlender Muße zu tun. Mit Vollzeitjob und diversen Verpflichtungen sitzt immer das Gefühl im Nacken, möglichst effizient und produktiv zu sein – unter solchen Umständen ist gerade kreative oder geistig anstrengende Arbeit über längere Zeit kaum möglich.
    Im Urlaub habe ich zum Beispiel kaum Probleme, ganz konzentriert ein Buch zu lesen.

    • Pia

      Hallo Sonselit,

      vielleicht ist es für dich dann besonders wichtig, dass du dir im Alltag richtige Ruhepausen schaffst. Es müssen ja nicht mehrere Stunden am Stück sein, ein paar Minuten reiche vielleicht schon aus.

      LG
      Pia

  7. hehe wir sollten einen Club gründen. 😀
    Ich frag mich manchmal, ob das mit kreativen Denken zu tun hat. Bei mir setzt manchmal ein richtiges Assoziations-Feuerwerk ein, wenn ich mich ablenken lasse, weil mir zwischendurch so viel einfällt. Ist das bei dir auch so?
    Ich mein, eigentlich ist das doch nicht schlecht (obwohl ich mich manchmal so fühl, weil alle anderen das Konzentrieren so geil finden), oder?
    Bei mir hängt meine Konzentrationsfähigkeit auch von anderen Faktoren ab. Mit Kaffee kann ich mich null konzentrieren. Wenn ich mal alleine im Büro sitze oder nicht permanent vollgelabert werde, kann ich mich super konzentrieren. Wenn ich müde bin, klappt das auch überhaupt nicht.

    Von diesem zenmäßigen Fokussieren und Singletasking habe ich mich schon längst verabschiedet, weil mein Gehirn halt einfach nicht so funktioniert. Hat es auch noch nie. 🙁

    • Pia

      Hallo Frau DingDong,

      Hach, ich finde es immer wieder super, wie du dein Ding durchziehst 🙂 Stimmt, es gibt mehrere Wege zum Ziel, warum nicht seinen eigenen gehen?

      LG
      Pia

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