Willst du das wirklich?

Willst du das wirklich? Oder tust du nur, was die anderen von dir erwarten?

Hast du dich schon mal gefragt, woher deine Wünsche kommen? Wenn du etwas tust, fragst du dich dann: Will ich das wirklich? Oder erfülle ich nur – bewusst oder unbewusst – die Wünsche der anderen?

Studenten geisteswissenschaftlicher Fächer müssen sich ja öfter anhören, dass man ihre Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt eigentlich gar nicht braucht. Ich habe unter anderem Geschichte studiert und stelle mir noch oft die Frage: Was hast du gelernt, was du nicht mit zwei Klicks bei Wikipedia finden könntest? Schwierige Frage. Zumindest das eine: Quellen zu hinterfragen. Oder wie mir später in meiner Journalistenausbildung immer wieder gesagt wurde: Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast. Was das bedeutet? Nichts ist wirklich objektiv. Jede Information transportiert die Meinung des Urhebers. Bei allem, was du sagst, schwingt ein Stück von dir selber mit. Oder ein Stück desjenigen, von dem du diese Information hast. Oder hast du dich noch nie dabei ertappt, wie du ein Sprichwort deiner Eltern zitiert hast? Manchmal können wir nicht unterscheiden, ob es wir selber sind, die da denken, reden und fühlen, oder ob wir die Meinung eines anderen kopieren und weitergeben. Und so ist es auch bei unseren Wünschen: Ist das, was du anstrebst, dein Ziel oder das eines anderen?

Eine knifflige Frage. Denn kein Mensch ist so ganz frei in seinem Denken und komplett losgelöst von der Gesellschaft. Irgendwann haben wir uns auf gewisse Normen geeinigt („Du sollst nicht töten“) und halten uns daran. So funktioniert menschliches Zusammenleben eben. So ein Rahmen hat auch durchaus seine Berechtigung („Du sollst nicht töten“). Doch irgendwo müssen wir auch wir selbst sein dürfen. Irgendwo tut es uns nicht mehr gut, zu wollen was die anderen wollen. Dort nämlich, wo wir selber auf der Strecke bleiben.

Unterschwellige Botschaften beeinflussen uns am meisten

Willst du etwas wirklich, oder weil jemand möchte, dass du es willst? Machst du diesen Job, weil du ihn gerne tust? Weil er dich glücklich oder zumindest zufrieden macht? Oder weil deine Eltern immer wollten, dass du etwas Bodenständiges lernst? Würdest du lieber dein eigenes Unternehmen gründen? Willst du wirklich in dieser Stadt wohnen, oder hast du Angst, dass deine Freunde sich von dir abwenden, wenn du wegziehst? Willst du wirklich jeden Sommer zum Pauschalurlaub in die Türkei fahren oder tust du das nur, weil deine Partnerin auf sowas steht? Willst du wirklich Familie und Haus im Grünen oder strebst du das nur an, weil das alle so machen? Kaufst du dir den 80-Zoll-Flachbildfernseher weil du ihn dir wünschst oder weil du deine Mitmenschen beeindrucken willst?

Oft ist es gar nicht so leicht zu erkennen, was von einem selber kommt und was einem quasi eingeträufelt wurde. Vielleicht haben deine Eltern dir nie direkt gesagt, dass du studieren sollst. Aber als du ihnen die Alternativen vorgeschlagen hast, war ihre Reaktion eher zurückhaltend. Deine Freunde haben nie gesagt, dass du nicht wegziehen sollst, sondern: „Wenn du das für richtig hältst. Schade nur, dass wir uns dann nicht mehr so häufig sehen.“ Es sind meist die kleinen, unterschwelligen Botschaften, die unsere Meinung beeinflussen. Am häufigsten ist mir das beim Thema Gewicht aufgefallen: „Oh, hast du eine Diät gemacht? Sieht gut aus!“ Was impliziert das wohl? Sei dünn, dann bewundern wir dich. Ich habe noch nie irgendwo gehört: „Oh, die paar Kilos mehr stehen dir.“ Dünn, dünner, am dünnsten sein ist eben gesellschaftlich erwünscht. Schon kleine Mädchen werden für ihr Aussehen gelobt. Was lernen sie also: Sei hübsch, dann mögen wir dich.

Lob für Statussymbole – geht’s noch?

Wobei ich auch regelmäßig innerlich den Kopf vor die Wand schlage: Wenn jemand für seine neuen Statussymbole gelobt wird. „Tolles Auto!“ „Schickes Haus!“ „Geiles Smartphone!“ Manchmal erwische ich mich sogar selber dabei. Dann wird mir wieder bewusst, dass auch aus mir oft die Anderen sprechen.

Sich der Gründe für seine eigenen Gedanken und Gefühle bewusst zu werden, ist der erste und einfachere Schritt. Seine eigene Meinung zu definieren und durchzusetzen ist dann viel schwieriger. Anders sein ist anstrengend, deshalb schwimmen ja auch so viele Menschen mit dem Strom. Sie haben keine Lust (mehr), sich täglich zu rechfertigen und zu erklären. Vor allem vor sich selber. Wenn alle anderen anders denken, vielleicht ist dann meine Meinung falsch? („Ein Geisterfahrer? Hunderte!“) Wir glauben ja auch alle, dass Schwarmintelligenz wahre Intelligenz ist.

Hier müsste eigentlich ein guter Tipp folgen, wie du es schaffen kannst, dir deiner eigenen Wünsche bewusst zu werden und diese durchzusetzen. Aber mir fällt kein Tipp ein. Nur dieser: Mache dir bewusst, wann du zu den Anderen gehörst. Wann möchtest du jemanden in seiner Meinung beeinflussen? Drängst du deinen Partner gelegentlich zu Abenteuerurlauben, obwohl dieser nichts lieber mag als eine faulen Strandurlaub? Will deine Partnerin weder Haus und Familie aber du betonst immer wieder, dass sie das mit 80 mal bereuen würde? Sagst du deinen Kindern immer wieder, sie müssten sich in der Schule anstrengen, damit sie es mal aufs Gymnasium schaffen und später einen guten Beruf bekommen?

Hast du schon mal etwas getan, weil es andere von dir erwartet haben? Schreib es in die Kommentare und lass uns daran teilhaben!

Am Anfang des Monats (also in den nächsten Tagen) erscheint mein Newsletter voller Link- und Lesetipps, die dir dabei helfen, einfacher zu leben. Interessiert? Dann trage dich hier ein.

Leave a Reply

20 Kommentare

  1. Ralf

    Ach Pia, ein schöner Artikel. Es kommt im Übrigen gut, daß du keine Tips gibst, diesem Karussel zu entfliehen. Macht es ehrlicher, ohne durch die Hintertür wieder für diesen oder jenen (fremden) Favoriten eine Bresche zu schlagen.

    Steter Tropfen höhlt den Stein, und das trifft es auch hier ganz gut. Aufrütteln und zum (selber) denken anregen, statt vorgefertigter und adaptierter Lösungen. Ist nachhaltiger und löst nicht soviel Druck auf einen aus.

    Einen schönen Feiertag wünsch ich dir.
    lg Ralf

    • Pia

      Hallo Ralf,

      Danke! Ich möchte hier auch keine vorgefertigten Lösungen anbieten sondern hoffe, dass die Leser das für sich mitnehmen, was für sie passend ist. Und selber denken, gerne auch in eine ganz andere Richtung als ich.

      Wünsche dir und deiner Familie auch ein schönes Wochenende!

      Pia

  2. Hallo Pia,

    mir fällt jetzt spontan niemand ein, der noch nicht etwas gemacht hat, weil andere es so wollten. Als Kinder haben wir ja zunächst nur unsere Eltern als Vorbild. Und sich davon loszulösen braucht Zeit und jede Menge Erfahrungen.

    Wer kennt nicht diesen Gedanken: „Ich möchte niemals so werden, wie meine Eltern!“

    Tatsächlich merke ich aber immer wieder, wo meine Eltern eben doch einen Einfluss auf mich hatten – und ich finde nicht mal alles schlecht davon.

    Nichtsdestotrotz halte ich es für wichtig, die eigene Motivation häufiger zu hinterfragen. Wie soll ich sonst je erkennen, was ich möchte?

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Pia

      Hallo Philipp,

      Ganz ohne Einfluss von außen ist niemand. Wir leben ja alle nicht in einem luftleeren Raum und manchmal ist es ja auch gut, wenn es Grenzen gibt und man nicht alles selber ausloten muss. Ich glaube, Kinder brauchen einen gewissen Rahmen, um sich zu entfalten. Als Eltern sollte man dann aber den Punkt nicht verpassen, an dem man sich zurückzieht und sie selber machen lässt. Manche Eltern sind immer da und allgegenwärtig, sogar wenn man selber schon lange erwachsen ist. Geht Erwachsenwerden überhaupt, wenn man sich immer als Kind fühlt?

      LG
      Pia

  3. Liebe Pia,
    wie bin ich auf diesen Artikel geflogen!!!
    Er spricht mir aus der Seele, und ich kann nur so viel sagen: ich habe den weitaus überwiegenden Teil meines Lebens immer das getan, was man von mir erwartete, was ich glaubte, das die anderen von mir wünschen/erhoffen/verlangen und bin dabei im Leben vieler anderer aufgegangen.
    Das funktioniert nicht lebenslang. Glaube ich jedenfalls heute.
    Seit erst kurzer Zeit lausche ich mehr auf meine eigene innere Stimme und prüfe meine Bedürfnisse bzw. schaue und horche auf das, was ich sage bzw. von anderen gesagt wird.
    Anders zu sein IST anstrengend. ICH zu sein, lohnt aber, die Anstrengung auf mich zu nehmen.
    Vielleicht ist es ein guter Tipp, Tagebuch zu führen. Das müssen ja keine Romane sein. Aber ein tägliches Innehalten am Abend, den Tag Revue passieren lassen und dann genau die Fragen zu beantworten, die Du hier in Deinem Artikel stellst, könnte manchem vielleicht helfen.
    Liebe Grüße
    Angelika

    • Pia

      Hallo Angelika,

      Danke für deinen Kommentar! Selbsterkenntnis braucht halt auch ein bisschen. Den Tipp mit dem Tagebuch finde ich daher gut. Eine gute Hilfe, um sich selber ein wenig mehr von außen zu betrachten.

      LG
      Pia

  4. Evelyn

    Das ist ja mal sehr interessant. So viel kann ich gar nicht schreiben, wie ich drüber denke…
    Mittlerweile (bin fast 30) bin ich relativ viel „ich“. Schon als Kind war ich „anders, als andere“. Ziemlich intelligent, anderes Aussehen auf Grund bikultureller Herkunft, dazu noch früh pubertär. Hab mich oft angepasst, um nicht noch mehr aufzufallen.
    Denn oft, wenn das Anders-sein auffiel, musste ich mich (bzw. ich hatte das Gefühl, dass ich das musste!) erklären, rechtfertigen… wieso höre ich keine Pop-Musik, schminke mich nicht, interessiere mich nicht für Mode?
    Ja, es ist schwer, so zu sein, wie man ist. Anders zu sein ist wirklich anstrengend.
    Andererseits, weil ich eben oft das Gefühl hatte/ habe, mich rechtfertigen zu müssen, kann ich viele meiner Charakteristika tatsächlich gut begründen. Diese Fähigkeit (die eine gewisse Reflektierheit mit sich bringt) fehlt vielen „Mainstreamern“. Ich trinke bspw. keinen Alkohol – und muss das STÄNDIG begründen. Oft frage ich zurück: Wieso trinkst du denn Alkohol? – Dann müssen die Leute oft überlegen: Ja, wieso denn eigentlich? Na, es schmeckt doch, lach. – Super Begründung.
    Ich versuche weiterhin, auf meinem Lebensweg mehr auf MICH (nicht im egoistischen Sinne…) zu hören, denn auf das Diktat der Gesellschaft. Viele Bekannte/ Freunde sind gerade in dieser „2. Kind, dann Haus im Grünen“-Phase. Einzelkind ist doch doof und bei den Zinsen ist man doch dumm, wenn man kein Haus kauft. Ja, wirklich? Gewisse Sachen darf man nicht hinterfragen, habe ich festgestellt….

    Übrigens, Pia, gibst du doch den einzig wahren Tipp: „Mache dir bewusst, wann du zu den Anderen gehörst.“ – Man könnte dazu auch auf Englisch sagen: „Pick your battles“, sprich: Wenn es dir wichtig ist, deine (andere) Meinung zu vertreten, dann tue dies. Bei allem unwichtigen: Sch*** drauf. Ich kann mich nicht für alles rechtfertigen.
    Ein bisschen Toleranz kann man auch von anderen erwarten (aber – gerade als Frau – fällt das den meisten sehr schwer).

    Vielen Dank.

    • Maren

      Danke, Evelyn. Du schreibst mir aus der Seele.

    • Pia

      Hallo Evelyn,

      Vielen Dank für deine Kommentar! Ich lese ihn jetzt zum vierten Mal und bin immer noch beeindruckt, wie viel Weisheit und Wahrheit ich in deinen Worten entdecke. Beispielsweise deine Erklärungen für dein Anders-Sein: Ja, das muss man üben. Irgendwann hat mal eine Art Elevator-Pitch für ei häufigsten Fragen. Mir geht es oft so, dass ich solchen Diskussionen ausweiche. Ich finde es furchtbar anstrengend, mich zu erklären. Oder zu erklären, was ich beruflich tue. Oder was ich von gewissen gesellschaftlichen Normen halte. Schön zu hören, dass das mit der Zeit einfacher wird.

      Ich glaube es gibt hier keine Längenbegrenzung für Kommentare. Also wenn dir noch mehr einfällt … her damit! 😉

      LG
      Pia

  5. Hallo Pia,

    welch ein schöner Beitrag über eines der wichtigsten Themen überhaupt. Ich finde es auch immer wieder schwierig, wirklich rauszuhören, wer gerade aus mir spricht. Es ist immer wieder schön zu lesen, dass es auch anderen so geht – und sie auch nicht die Musterlösung kennen.

    Viele Grüße
    Jasmin

    • Pia

      Hallo Jasmin,

      Danke! Vielleicht entdeckt ja mal jemand die Musterlösung. Diesem Menschen wäre ich dann sehr dankbar.

      LG
      Pia

  6. Christine

    Eine Musterlösung habe ich auch nicht. Irgendwann kommt jeder an seine Grenzen, spätestens mit 45 Jahren. Da fragt er sich dann, was aus seinen Träumen geworden ist. Midlife-Crisis heißt das im klassischen Sinne.
    Wahrscheinlich gibt es das schon früher, wenn der Lebensweg eben nicht so glatt verläuft, wie man sich das so vorgestellt hat.
    Ist aber auch gut, wenn man eben nicht so austauschbar ist. Denn ein bisschen Individualität braucht jeder Mensch. Das tut nicht weh. Man benötigt eigentlich nur einen längeren Atem, denn der Beginn ist schwer. Danach geht alles von alleine. Irgendjemand findet sich immer als Förderer und hilfreicher Kritiker.

    • Pia

      Hallo Christine,

      Ich glaube viele Menschen kommen schon in ihren 20ern in eine Krise, Midtwenties-Crisis. Da fragt man sich schon, ob man die richtigen Wege eingeschlagen hat. Wahrscheinlich trifft das mit dem schweren Anfang zusammen, den du beschreibst.

      LG
      Pia

  7. Hallo Pia,
    du hast mal wieder so recht mit deinem Beitrag. Man merkt viel zu oft gar nicht, dass das, was man tut, vielleicht gar nicht zu einem passt.
    Ich habe drei Jahre lang als Doktorandin gearbeitet und verdammt lange gebraucht, um mich von der Promotion zu verabschieden. Ich hatte einfach Angst, dass mich mein Umfeld dann weniger respektieren und als dumm erachten würde. Letztendlich Blödsinn, die Leute respektieren dich umso mehr, wenn du einfach du selbst bleibst. Aber wenn man erstmal in solchen Gedanken drin steckt, ist’s verdammt schwer da wieder rauszukommen.
    LG

    • Pia

      Hallo Anja,

      Danke für dieses persönliche Beispiel. Ich glaube ich habe auch schon öfter an Dingen festgehalten, weil ich dachte, dass die anderen das so von mir erwarten. Ziemlich dämlich, da hast du recht.

      LG
      Pia

  8. Best Fake Oakleys Sale Cheap With High Quality,Our Oakley Outlet Store Offer Best Cheap Knockoff Oakleys Sunglasses.

  9. I tried taking a look at your website using this ipod itouch and the format will not are most often correct. May want to find out about it upon WAP and also it seems nearly all cellular layouts are generally not definitely working with your web site.

  10. Grooveshark does indeed advise music to you determined by things that are actually in your playlist when you click the radio stations switch and do not specify some sort of style.

  11. Have a look at Public Records an online social networking tool with regard to musicians which makes their particular info start its work for the coffee lover. Forthcoming this might.