So sein wollen wie alle anderen

Wir wollen gerne so sein wie alle anderen. Bloß nicht auffallen, auf keinen Fall anecken! Und trotzdem möchten wir uns einzigartig fühlen. Woher kommt eigentlich diese Angst, aufzufallen?

Kürzlich las ich einen Kommentar bei SPON: „Selbstvermarktung: Wer auffällt, ist out„. Darin ging es unter anderem um unsere Angst, anders zu sein als die anderen. Was sich unter anderem darin zeigt, dass viele Social-Media-Auftritte völlig gleich aussehen.

Komisch, dachte ich mir. Warum wollen wir so gerne sein wie alle anderen?

Dann dachte ich an eine Studentin, die ich kürzlich kennenlernte. Eine bildhübsche junge Frau (wenn man junge Frau schreibt, ist das ein Zeichen, dass man selber alt ist, oder?), intelligent, wortgewandt, ein bisschen rockig im Look. Eine Sache fiel mir sofort auf: Einer ihrer Eckzähne war ein bisschen schief und stand etwas über den Schneidezahn. Ein richtiges Markenzeichen. Doch dann erfuhr ich, dass es ihr sehnlichster Wunsch war, diesen „Zahnfehlstand“ korrigieren zu lassen.

Damit sähe sie dann ein bisschen mehr aus wie viele andere 20-Jährige mit langen Haaren, dünnen Beinen, engen Jeans und zu viel Mascara auf den Augen.

Dabei sind es doch gerade die ungewöhnlichen Erscheinungen, die einem im Gedächtnis bleiben.

 

Angst vor Kritik?

Doch wer aus der Masse heraussticht – egal ob negativ oder positiv – muss eben auch mit Kritik rechnen. Ich schätze, genau davor haben viele Angst.

Besonders einfach und auffällig ist das beim Aussehen. Ich habe wirklich schon mal darüber nachgedacht, mir die Haare blondieren zu lassen und jeden Tag Make-Up, Primark-Klamotten und hohe Schuhe zu tragen, so wie gefühlt alle Frauen derzeit, und dann mal zu schauen, ob die Menschen anders auf mich reagieren. Oder was würde wohl passieren, wenn ich mir die Haare knallrot färben ließe und nur noch bunte Wallekleider tragen würde, so dass ich richtig herausstechen würde? Oder wenn ich mich irgendwo in Gesichtsnähe tätowieren lassen würde? Das wäre alles nicht ich, aber wer weiß, ob mir meine neue Maske nicht besser gefällt?

Samstag war ich auf einer Hochzeit. In der Kirche saß eine Frau, die irgendwie für die Gemeinde arbeitet. Sie trägt immer mittelalterlich anmutende Gewänder aus buntem Samt oder ähnlichem Stoff. Deshalb ist sie mir im Gedächtnis geblieben. Einige werden bestimmt sagen, dass diese Klamotten lächerlich aussehen. Andere finden ihren Mut toll.

 

Bewusst anders sein, weil der Mainstream nicht zu einem passt

Ich lese gerne Texte und Blogbeiträge von Leuten, die sich bewusst gegen den Strom stellen. Die zu ihrem Fleischgenuss stehen, obwohl alle Welt gerade rohvegan wird. Die ohne Handy leben, auch wenn gerade das neueste iPhone rauskommt. Die einfach etwas nicht tun, das alle empfehlen oder in den Himmel loben, weil es nicht zu ihnen passt. Aber nicht aus dem Grund, um einfach nur dagegen zu sein. Sondern weil sie sich Gedanken gemacht und eine eigene Entscheidung getroffen haben.

Wenn man mal drauf achtet, fallen einem viele Beispiele ein von Menschen, die bewusst anders sind. Aber noch mehr Menschen, die mit aller Macht so sein wollen, wie der Rest der Menschheit.

Nichts einfacher als das! Es gibt ja so viele Studien mit Durchschnittswerten, dass man problemlos zum Durchschnittsmenschen werden kann. Bei der Berufswahl zum Beispiel: Wer nicht weiß, für welche Ausbildung er sich entscheiden soll, kann zum Beispiel hier gucken und dann als Mann Kfz-Mechatroniker oder als Frau Bürokauffrau werden. Du willst lieber studieren? Dann auf jeden Fall BWL, denn das ist schon seit vielen Jahren bei beiden Geschlechtern äußerst beliebt.

So kann man es in jeder Lebenslage die Mehrheit für sich entscheiden lassen. In NRW werden Frauen im Durchschnitt zum ersten Mal mit 29,5 Jahren Mutter. Damit bin ich mit meinen jetzt 31 Jahren in jedem Fall schon zu spät. Und der Durchschnitts-BMI bei deutschen Frauen in meinem Alter liegt bei 25,2 und die Durchschnittsgröße bei 165 cm. Ach Fuck!

 

Andere für einen entscheiden lassen

Und wenn solche Zahlen nicht vorliegen? Oder man in einer Gesellschaftsschicht oder Gegend lebt, in der alles ein bisschen anders ist? Was kann man dann tun?

Sich den Lebenswandel bei den direkten Mitmenschen abgucken oder diese direkt um Rat fragen zum Beispiel. Was ich immer mit Vorsicht genieße. Denn Rat beruht – sofern man keinen Experten fragt – immer auf einer subjektiven Meinung, die sich aus eigenen Erfahrungen, ein paar Informationen und wiederum Meinungen anderer speist. Fragt man 10 Personen, bekommt man 10 Meinungen, sagt der Volksmund so schön. Meinungen sind aber nie Tatsachen.

Natürlich möchte ich wissen, was meine Freunde und Familie von gewissen Dingen halten. Ich höre mir gerne andere Argumente an. Aber letztlich versuche ich, doch immer nach meinem eigenen Wissen und Gefühl zu entscheiden. Es ist zwar leichter, sich Entscheidungen abnehmen zu lassen, indem man einfach das tut, was alle anderen tun, aber ob das wirklich sinnvoll ist?

Ich glaube es gibt einen guten Mittelweg, zwischen „Auf Biegen und Brechen mit dem Strom schwimmen zu wollen“ und „Auf Biegen und Brechen anders sein zu wollen“: Man selbst sein. Dafür muss man sich aber erstmal so akzeptieren, wie man ist. Mit dem ungünstigen BMI und dem schiefen Eckzahn, mit dem eigenwilligen Klamottengeschmack und der Liebe zur Bratwurst. Mit dem Bauchgefühl, dass zu vielem Nein sagt, wo andere Ja sagen.

 

Hast du schon mal etwas anders gemacht, als alle anderen? Wie ging es dir damit? Wie waren die Reaktionen?

 

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19 Kommentare

  1. Anders zu sein bzw. nicht Bestandteil der Masse zu sein, heißt ja nicht zwingend, positiv oder negativ aufzufallen.

    Mir zum Beispiel ist es schlicht egal, was die anderen machen oder denken bzw. was gerade Mainstream ist.

    Habe ich mich noch nie drum gekümmert und mich noch nie danach gerichtet. Bringt ein recht entspanntes Leben mit sich, Trends nicht folgen zu müssen.

    Auffällig war ich dadurch aber eher nicht. Höchstens unauffällig, was nicht im Sinne von nicht wahrnehmbar verstanden werden soll.

    Ein sehr differenzierbares Thema meiner Meinung nach.

  2. Zora minimiert

    Ich bin einfach ich. Ich verschlafe die meisten Trends oder finde sie bescheuert und pflege meinen Musikgeschmack. Wenn mal wieder niemand meine Band mag, gehe ich halt alleine hin, ohne das sonderlich mutig zu finden. Ich verweigere mich auch jeglicher Diät und bin überrascht, wie oft damit ein regelrecht verbindendes Thema wegfällt.

  3. Ich war immer anders, und mittlerweile kann ich es akzeptieren 🙂 Ich habe einen Männerberuf gewählt, und nicht einen typischen Frauenberuf. Natürlich hieß es, ich ziehe das nicht durch. Denen habe ich es gezeigt 😛
    Ich trage Klamotten die MIR gefallen. Ob es anderen Leuten gefällt ist mir total egal, da bin ich lange drüber weg. Früher in der Schule, wollte ich immer die Art Klamotten tragen, die die anderen auch trugen. Hat nie hingehauen, ich wurde oft gehänselt. Wenn jetzt jemand guckt, weil ich in bunten Hippieklamotten herumlaufe, tangiert mich das eher peripher. Ich bin ich, ich bin anders, und ich mag mich.
    Und wie Nicolas so schön schrieb, halte ich es mittlerweile auch. Ich pfeife auf Trends, und was andere machen ist mir egal.

    Liebe Grüße,
    Sandra

  4. Hallo Pia,
    ein sehr schöner Beitrag, der mich daran erinnert, wie ich einmal war.
    Ich habe mich früher grundsätzlich angepasst. Nicht, um nicht aufzufallen, sondern um allen zu gefallen. Ziemlich anstrengend und auch nicht gerade erfolgreich. Ich wurde oft ausgenutzt und war nie ich selbst. Genau dazu führt es wohl, wenn du versuchst dich anzupassen oder zwanghaft versuchst anders zu sein. Sei einfach du selbst. Das macht glücklich und plötzlich stellst du fest, dass dich viel mehr Menschen so mögen, wie du eigentlich bist, als vorher, als du versuchst hast ihnen zu gefallen.
    Liebe Grüße,
    Silke

  5. Tamara

    Ich denke, dass wir uns in gewisser Weise individualisieren. Man nehme als Beispiel die Berufswahl: Heute dürfen wir in den meisten Fällen entscheiden, was wir für unsere berufliche Laufbahn anstreben. Dagegen trat man früher in die Fußstapfen der Eltern. So war es auch noch bei meiner Großmutter der Fall, die gerne Jura studiert hätte, aber auf dem Hof arbeiten musste.
    Dennoch glaube ich, dass das Aufbrechen der Traditionen nicht zeitgleich mit dem Denken der Menschen aufgelockert wird. Immer noch wollen wir (manchmal insgeheim, manchmal bewusst) unser Umfeld nicht enttäuschen und die Erwartungen anderer erfüllen – bis der Zeitpunkt der Erkenntnis kommt, das wir damit nicht unbedingt glücklich werden. Einige ereilt diese Erkenntnis früher und andere später.
    Sein Ding durchzuziehen erfordert Mut und sich nicht zu viele Gedanken zu machen, was andere nun über einen denken könnten. Ich lebe in einer dörflichen Umgebung und da sind Gerüchte und Getratsche nach wie vor präsent, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Perikles sagte damals dazu „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit. Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“, anscheinend seit Jahrhunderten eine der Fragen der Menschheit 😉

    • Tamara

      Kurz gesagt, man selbst sein bedeutet für mich glücklicher sein.

  6. Hallo Pia!

    Wenn man ein bisschen anders ist als das Gros, dann ist es nicht immer einfach dazu zu stehen, wenn es nicht die eigene Entscheidung ist, anders zu sein. So ist es zumindest mir ergangen. Deshalb wollte ich auch lange Zeit so sein wie alle anderen.

    Es war ein harter Weg zu mir selbst, bis ich erkannt habe, dass es doch meine Entscheidung ist und anfangen konnte, dazu zu stehen. Mich z.B eben nicht zu schminken und keine Stöckelschuhe zu tragen.

    lg
    Maria

  7. Elke

    Hi,
    schöner text und genau das, mit der Masse mitschwimmen mache ich nicht. So leicht ist es aber irgendwie nicht, weil man immer wieder mit Trends oder so konfrontiert wird.
    die Geschichte mit der Studentin habe ich gemeint das wäre ich:)

    Lg Elke

    • Elke

      ich scheiß auf trends und so ein Zeug, langsam fang ich an das zu mögen was mir gefällt und mir Spaß macht.

  8. Sarah

    Ein wirklich toller Beitrag! Danke dafür 😀
    Ich wurde (Gott sei Dank) so erzogen, dass es egal ist was andere sagen. Von daher habe ich fast immer das gemacht was ich möchte, ohne daran zu denken, was irgendjemand sagen könnte.
    Außerdem macht es mir Spaß Dinge anders zu machen. Unsere Hochzeit war z.B. für alle Angehörigen überraschend und ich hatte Jeans und Turnschuhe an und gerade deswegen werde ich diesen Tag niemals vergessen. Ich habe fast schon das Bedürfnis die Dinge anders zu machen als alle anderen…

  9. Xevy

    Das Thema hatte ich letzte Woche mit einer Freundin, die in einer Boutique arbeitet. Schlaghosen sollten ja der neuste Trend des Frühjahres werden. Sie haben alle wieder zurückgehen lassen, da die Mädels nur die Skinny-Jans tragen. Dazu Shirts und Parka. Das tragen heute ALLE.
    Hatten dann von unserer Jugend und den vielen Subkulturen geschwärmt. Der Eine Kutte, andere Gothics und Punks, zerissenen Hosen, Grunge. Auf der anderen Seite die Popper und auch die Tussis mit Stöckelschuhen und Handtäschchen…. und und und. Alles war bunt 😉

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  13. Frank

    „Hast du schon mal etwas anders gemacht, als alle anderen? Wie ging es dir damit? Wie waren die Reaktionen?“
    Ich bin als Hobby Börsianer darauf angewiesen zu verstehen welche aktuell die Mehrheitsmeinung ist.
    Selbst 1000 weise Menschen liegen immer falsch wenn sie einer Meinung sind. Gegen den Strom in so vielem zu schwimmen ist für mich zu einem tief befriedigendem Lebensgefühl geworden.
    Die Angst entgegen der Mehrheitsmeinung zu schwimmen fühle ich noch immer, aber ich empfinde dabei auch eine gewisse Lust an der Kante des Vulkans zu sitzen. Vielleicht muss man auch eine gewisse Arroganz besitzen um zu sagen: Ihr liegt alle falsch!
    Geht die Sache auf ,ist das ein zutiefst befriedigendes Gefühl, klappts nicht, wars wenigstens der eigene Gedanke der zum Scheitern geführt hat und man übernimmt die Verantwortung vor sich selbst, dann wird der Mund abgewischt und es geht wieder weiter.

  14. Du kannst alle anderen auf der Welt belugen, aber dich selbst belugen kannst du nicht! Unser Leben kann nur besser werden, wenn wir Herausforderungen annehmen. Die gro?te Herausforderung ist, mit uns selbst ehrlich zu sein.

  15. Doch eines ist sicher, all diese Fehler helfen uns dabei herauszufinden, was wirklich gut fur uns ist und wie wir unsere Zukunft gestalten wollen. Alles, was du je erlebt hast, bereitet dich letztlich auf DEN einen genialen Moment in deinem Leben vor.

  16. Muscolino Giovanni

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