Warum jeder Tag, der nicht nach Plan läuft, ein Geschenk ist

Was hast du am 17. März getan? Nein, schau jetzt nicht in deinen Kalender. Aus dem Kopf: Was hast du getan? Ich weiß nicht, was da bei mir los war. Viele Tage ähneln sich und verschwimmen so in der Erinnerung. Nur ein paar wenige bleiben uns im Gedächtnis. Und das sind oft die, an denen alles schief ging.

Ups, schon wieder eine Woche rum. Manchmal wundere ich mich, wo die ganzen Stunden und Tage geblieben sind. Gerade war noch Silvester, jetzt verblasst der Sommer schon wieder. Wo ist bitteschön die Zeit dazwischen hin?

Vielleicht kennst du dieses Gefühl, dass Zeit manchmal fliegt und manchmal zäh fließt wie lauwarmer Honig. Zum Beispiel, wenn du dich auf etwas freust. Einen besonderen Tag, ein ungewöhnliches Erlebnis, ein Abenteuer, ein Treffen mit jemand Besonderem. Tage-Wochen-Monatelang bereitest du dich auf diesen Tag vor, gehst ihn in Gedanken immer wieder durch. Und dann? Kommt er und ist auch schon wieder vorbei. Zu schade.

So schnell vorbei

Das Gute ist allerdings, dass das auch bei unangenehmen Dingen passiert. Als mir die Weisheitszähne entfernt wurden, habe ich mir gewünscht, dass die OP (mit örtlicher Betäubung nur, Vollnarkose kostet 200 Euro extra) möglichst schnell vorbei ist. Die Stunde hat sich zugegebenermaßen ziemlich in die Länge gezogen. Doch dann war es vorbei. Wie alles irgendwann.

An diesen Tag der Weisheitszahn-OP erinnere ich mich, als wäre er sprichwörtlich gestern gewesen. Wie ich mit dicken Backen nach Hause fuhr und mir erstmal einen Kühlpack ans Gesicht gedrückt habe. War nicht schön, aber in meiner Erinnerung ist dieser Tag präsenter als die anderen. Präsenter als der 17. März 2015. Ich habe wirklich keinen Schimmer, was ich da gemacht habe.

Normale Tage, Alltage, an denen alles so läuft, wie immer, nach Plan, hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Wir ordnen sie in unserem Gedächtnis unter „ferner liefen“ ein. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich diese Tage gar nicht gelebt.

Und dann gibt es diese Tage, an denen irgendetwas Unerwartetes passiert. Etwas, das anders ist als der normale Trott. Eine Überraschung, eine Panne, eine wundervolle oder ärgerliche Wendung. Egal, Hauptsache anders.

 

Zum Beispiel…

… erinnere ich mich noch so gut an den ersten gemeinsamen Urlaub mit meinem Freund. Nordsee. Ich habe uns aus dem Ferienhaus ausgeschlossen und meine heißgeliebte Spiegelreflexkamera hörte sich an wie ein Rasierer, weil Sand hinein gekommen war.

… Mit 17 war ich mit einer Freundin in Lloret de Mar. Bei einem Ausflug nach Barcelona hat uns der Busfahrer auf einem einsamen Hügel vergessen (wer zählt schon nach, ob alle da sind?)

… Als ich zum ersten mal nach unserer bestandenen Angelprüfung mit meinem Papa an den Stausee gefahren bin, haben wir fünf Stunden im Regen gestanden. („Irgendetwas muss doch anbeißen! ES MUSS EINFACH!“)

… Die Party auf meiner Terrasse, bei der ich barfuß in Nacktschnecken getreten bin.

… Der Tag, an dem ich spontan zu einer Pressekonferenz mit Herbert Grönemeyer in Düsseldorf geschickt wurde, zu spät kam, keinen Platz mehr bekam und ganz hinten stand, mich auf dem Rückweg mit leerem Tank in Essen verfahren habe, und von der Tankstelle einen Text vom nicht-funktionierenden Mini-Computer an die Redaktion geschickt habe, der dann noch nicht mal gedruckt wurde.

… Mein erstes Bewerbungsgespräch, bei dem ich mir kurz vorher Kaffee über das Oberteil gekippt habe.

War alles so nicht geplant. Und genau deshalb erinnere ich mich noch daran.

 

Natürlich gibt es auch Tage, die man vergessen möchte. Wenn einem etwas Schlimmes passiert etwa. Vor ein paar Jahren hatten mein Freund und ich einen Autounfall. Uns ist nichts passiert, der Wagen war ein Totalschaden. Diesen Tag möchte ich am liebsten aus meiner Erinnerung streichen, doch das geht eben nicht.

Ich bin trotzdem dankbar für jeden Tag, der sich anders entwickelt, als ich es morgens erwartet habe. Es sind doch irgendwie diese kleinen Geschichten und Anekdoten, die man immer wieder erzählt und die daher auch das wären, was man in einer Biografie erwähnen würde.

 

Welche Tage sind bei dir total anders gelaufen, als geplant? Was für Pannen erzählst du immer wieder?

 

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15 Kommentare

  1. Mina

    Hallo MalMini,
    ich habe eine Frage, allerdings zu einem ganz anderen Thema, mir ist das Projekt 12 in 12 Monaten von dir in den Sinn gekommen. Ich hab das zum ersten Mal bei dir gesehen (les dich schon seit ca. 2 Jahren) u fand die Idee eigentlich recht cool hab es nur nie für mich in Betracht gezogen, aber ich möchte 2016 damit durchstarten 😉 – ja ich weiß ist noch ein bisschen bis dorthin, aber da ich ein Planer bin fang ich meist schon mit September den Dezember planen an dafür hab ich dann meist wirklich eine ruhige Adventzeit. Ich wollte daher bei dir nachlesen was du alles so für Pläne hattest u wie es dir damit erging und dann sah ich das du für 2015 ja keinen mehr gemacht hast, ist das Konzept für dich nach 2013 und 2014 nicht aufgegangen oder warum hast du dich dazu entschieden es zu lassen?

    LG Mina

    • Pia

      Hallo Mina,

      Oh, du bist echt früh dran! Ja, es ist für mich nicht mehr aufgegangen. Ich habe gemerkt, dass es mich mehr demotiviert, wenn ich etwas nicht so geschafft habe, wie ich es mir vorgenommen hatte. Das war dann nur noch eine Ansammlung von „Ach Mist, wieder nicht hinbekommen“, und das hat mir dann nichts mehr gebracht. Einige Ziele hatte ich auch nur, weil ich die 12 vollbekommen wollte. Ich fahre besser damit, nur sehr wenige Ziele zu haben, mich voll darauf zu konzentrieren und vor allem mir kein schlechtes Gewissen machen zu müssen, wenn es doch nicht klappt.

      Aber: Probier es aus! Vielleicht klappt es für dich. Und wenn nicht, kannst du ja jederzeit wieder aufhören.

      LG
      Pia

  2. Hallo Pia,

    du sprichst mir aus der Seele. Ganz intensiv habe ich das vor allem bei meiner Tochter erlebt. Zuerst hielt ich sie auf dem Arm (noch klein und zierlich) und jetzt tobt sie im Kindergarten herum. Was ich da mache oder mir denke? Ich versuche jeden Tag zu genießen. Mir die Bilder einzuprägen. Ich weiß auch nicht was im März los war, aber ich glaube da waren auch schöne Momente! 🙂 Genauso mit den unvergesslichen Tagen. Wie die Hochzeit zum Beispiel. Da lief auch nicht alles nach Plan (Friseurin kam zu spät und ich hätte fast meine eigene Trauung verpasst!), aber geblieben ist das schöne Gefühl, auch wenn man nicht mehr jeden Moment rekonstruieren kann.

    Liebe Grüße,
    Maren

    PS: Ich mag diese Art von Einträgen! 🙂

    • Pia

      Hallo Maren,

      Ich glaube, jeden Augenblick zu genießen und ihn so so gut wie möglich im Gedächtnis zu behalten ist wirklich die einzige Methode gegen die Vergänglichkeit (oha, ich kann kaum glauben, dass ich diesen Satz auf die Kette bekommen habe ;).

      LG
      Pia

    • Liebe Maren, ich glaube, bei der eigenen Hochzeit ist die Gefahr, enttäuscht zu sein, doch am größten, oder? Man plant diesen Tag 1 Jahr lang oder länger – manchmal, seit man/frau 9 war. Und dann ist er ruckzuck vorbei, und vielleicht gehen sogar noch Sachen schief! Schön, dass du die schönen Momente und Gefühle deiner Hochzeit in Erinnerung behalten hast.

  3. Sabrina

    Hallo Pia,
    mein Grossvater sagte immer „Wenn alles glatt läuft hat man hinterher nichts zu erzählen!“ Das hat mir schon oft geholfen wenn irgendetwas schief gelaufen ist. Da fühlt sich alles gleich mehr nach Abenteuer als nach Stress an. ( Funktioniert nicht wenn es wirklich ernst ist, aber bei den kleinen Pannen im Alltag, die wir viel zu schnell dramatisieren)
    Am 17. März scheint auch bei mir alles glatt gelaufen zu sein. Keine Ahnung was ich da gemacht habe… Ich versuche mitlerweile wieder ein Tagebuch zu führen um mich auch an die normalen Tage besser zu erinnern. Aber das nutze ich noch viel zu selten…

    • Pia

      Hallo Sabrina,

      Ein weiser Opa 😉 Genau, es als Abenteuer sehen, dann hat man auch keinen Grund, sich zu ärgern.

      Lg
      Pia

    • Das ist ein Spruch, den ich mir merken werde. Der entspannt alles so schön. Danke für dieses Geschenk. Ich hab meine Freitags-Check ins im Blog, da könnte ich jetzt nachgucken, was bei mir am 17. März los war (und aus Neugier werde ich das auch gleich tun), aber erinnern kann ich mich auch nicht.

  4. „Welche Tage sind bei dir total anders gelaufen, als geplant?“ Heute. Seit 3 Jahren verbringe ich meine Wochenenden mit meinem Partner, der nicht bei mir wohnt. Und auf dieses Wochenende hatte ich mich besonders gefreut, weil unser letztes Wochenende so fremdbestimmt war und wir heute wieder Zeit für uns gehabt hätten. Aber ihm geht es nicht gut, er bleibt lieber Zuhause. Also stand ich erstmal da und wusste mit mir nichts anzufangen. Nicht mal Essen hatte ich groß eingekauft, weil wir immer gern zusammen auswärts essen oder wenigstens zusammen Zutaten zum Kochen kaufen. Aber: Einen Termin hatte ich heute Vormittag: Die zweite neue Mitbewohnerin wollte sich vorstellen. Das war auch sehr nett, sie und ich und die andere neue, letzte Woche eingezogene Mitbewohnerin haben also in der Küche und auf dem Balkon schon mal kurz unser künftiges Weiber-WG-Leben geprobt, und als sie wieder weg war, haben wir zwei verbliebenen noch weiter zusammen gekocht und gegessen und einfach Zeit auf dem Balkon im warmen Herbstsonnenschein genossen und Brainstorming für mein Café gemacht und Marienkäfern beim Putzen zugesehen. Jetzt ist es halb 6, der Abend ist ebenso unverplant, aber mal sehen, was er noch bringt … Ist doch ein schöner Tag geworden, und mal sehen, ob Schatz morgen wieder fitter ist.

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