Warum du nicht auf jede Eventualität vorbereite sein musst

Warum du nicht für jede Eventualität gewappnet sein musst

Hatte ich alles eingepackt? Ich ging im Kopf die kommenden Tage wieder und wieder durch. Versuchte, mir jede einzelne Situation detailliert vorzustellen: Welche Gegenstände würde ich brauchen? Was wäre, wenn das nicht ausreichte? Erst, als ich tatsächlich einen Schirm einpacken wollte, weil mir der Gedanke kam, dass es ja regnen könnte, hielt ich inne.

Um es vorweg zu nehmen: Den Schirm hätte ich nicht gebraucht. Es gab in den vier Urlaubstagen zwar Niederschlag, aber über Schnee freut man sich als Skifahrer ja bekanntlich. Letztlich habe ich nichts vermisst, sondern – wie immer – sogar zu viel eingepackt.

Woher kommt bloß dieser Drang, auf jede Eventualität vorbereitet zu sein?

Und das nicht nur beim Kofferpacken. Planen, sich absichern, vorsorgen – nichts dem Zufall zu überlassen ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Wir schließen Versicherungen ab, die wir nie in Anspruch nehmen, haben immer Plan B bis Z in der Tasche und informieren uns genauestens über jeden Schritt. Der Grund dafür ist unser Sicherheitsdenken und unsere Angst vor Kontrollverlust. Beides nachvollziehbare Gefühle. Schließlich ist die Welt tatsächlich weniger bedrohlich geworden, seitdem wir besser auf die Zukunft vorbereitet sind. Ich bin zum Beispiel ziemlich froh, dass ich gegen verschiedene Krankheiten geimpft bin oder dass Autos regelmäßig zum TÜV müssen. Lassen sich reale Gefahren – etwa durch gefährliche Bakterien oder kaputte Bremsen – ausschalten, sollte man das auf jeden Fall tun.

Sicherheitsdenken ist also etwas Positives, jedoch nimmt es uns auch oft die Leichtigkeit, es lässt uns verkrampfen. Wir sehen überall Gefahren und können nicht mehr loslassen. Und wir verlernen spontane Lösungen zu finden (so wie MacGyver).

Was kannst du also tun, um dich von übertriebenem Sicherheitsdenken zu lösen?

  • Die Situation in Gedanken durchspielen: Was wäre passiert, wenn ich den Schirm nicht eingepackt hätte und in einen Regenschauer geraten wäre? Ich wäre nass geworden. Unangenehm, aber nicht schlimm. Ich hätte mir einen Unterstand suchen oder jemanden nach einem Schirm fragen oder mir einen Schirm kaufen können. Was wäre, wenn ich berufsunfähig würde, aber keine Versicherung dagegen abgeschlossen hätte? Ich wäre knapp bei Kasse, würde etwa verkaufen, mir Geld bei Freunden oder Verwandten leihen, einen ganz neuen Beruf lernen oder im schlimmsten Fall eben von Hartz IV leben. Was wäre, wenn ich im Zug keinen Sitzplatz bekomme, weil ich keinen reserviert habe? Dann bleibe ich eben stehen oder setze mich auf den Boden. Die Frage ist immer: Wie schlimm könnte es im schlimmsten Fall werden? Und was würde ich dann tun?
  • Ungewohnte Situationen suchen: Besonders angsteinflößend, da schwer zu planen sind neue Situationen. Dabei kannst du nicht aus deinem Erfahrungsschatz schöpfen. Deshalb lohnt es sich, solche Situationen zu suchen und so die berühmte Komfortzone zu verlassen. Tu etwas, von dem du keine Ahnung hast. Mach dich vorher aber nicht schlau darüber. Du wirst garantiert auf kleinere oder größere Probleme stoßen, die du dann spontan bewältigen musst. Je öfter du das machst, desto sicherer wirst du und desto kleiner wird deine Angst.
  • Die Kontrolle abgeben: Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Mit Vertrauen in andere Menschen und mit Vertrauen ins Schicksal. Ich glaube ja, dass alle Menschen von Natur aus gut sind. Ausnahmen gibt es immer, aber wenn ich mich umschaue, dann sehe ich Menschen, die nach ihren eigenen Vorstellungen versuchen, ein gutes Leben zu leben und andere daran teilhaben zu lassen. Wer tief davon überzeugt ist, dass andere Menschen einem prinzipiell erstmal nichts Böses wollen und am Ende alles gut wird, kann leichter loslassen. Probier das doch mal im Kleinen aus. Lass deine Begleitung dein Essen bestellen. Lass dir von der Buchhändlerin ein Buch aussuchen. Frag anderenach ihrer Meinung und ihren Rat und probiere diesen dann aus. Vertrau darauf, dass du Hilfe bekommst, wenn du sie brauchst.
  • Keine Nachrichten lesen: Seit Jahren halte ich mich von den Nachrichten fern. Was nicht immer ganz klappt, wie etwa beim Absturz des Airbusses U49525. In den Medien spielen schlechte Neuigkeiten eine viel wichtigere Rolle als gute. Und das gibt uns das Gefühl, in einer schrecklichen, unsicheren Welt zu leben, in der jeder Schritt ins Ungewisse etwas Furchtbares mit sich bringt. Glauben wir diesem Bild, das die Medien uns zeigen, trauen wir uns bald nicht mehr vor die Tür und leben voller Angst. Was ziemlicher Blödsinn ist. Unglücke passieren in Flugzeugen, auf der Autobahn, auf Schiffen, in Zügen, aber auch in Schlafzimmern oder Küchen. Menschen fallen tot um, während sie das Geranienbeet umgraben. Nur wird darüber nicht berichtet, weshalb sich die wenigsten Menschen vor ihrem eigenen Garten fürchten.

Das Leben lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad planen. Und dann kommt doch alles anders, als man denkt. Je eher wir uns damit anfreunden, desto eher können wir es als das akzeptieren, was es ist: Ein aufregendes Abenteuer voller Überraschungen.

So, Hose runter: Wobei legst du besonderes Sicherheitsdenken an den Tag, obwohl es gar nicht nötig ist? Hast du es schon einmal bereut, zu viel geplant zu haben?

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17 Kommentare

  1. Hallo Pia,

    dann ziehe ich mal blank. 😀

    Ich plane so viel ich kann, wenn es um einen Filmdreh geht. Da kommen ohnehin immer so viele Faktoren zusammen, die man nicht vorhergesehen hat, dass ich einfach alles, was ich vorhersehen kann geklärt haben möchte. Sonst entsteht Chaos am Set und ich kann meiner eigentlichen Funktion nicht nachkommen.

    Zu viel geplant habe ich früher mal in einem anderen Kontext auf Reisen – indem ich zu viel reingepackt hatte. Das mache ich mittlerweile nicht mehr. Und auch so überlasse ich gern Dinge dem Zufall und lasse mich überraschen, was das Leben für mich bereit hält.

    Lieber Gruß,
    Philipp

  2. Hey Pia,
    ich verwende diese „Was könnte im schlimmsten Fall passieren“-Sache inzwischen immer, wenn ich vor etwas Angst habe und tatsächlich hilft mir der Gedanke meistens sehr. Letztendlich merke ich nämlich, dass das Schlimmste, was passieren kann, eigentlich gar nicht so schlimm ist. 🙂

    • Pia

      Hallo Anja,

      Mir hilft das auch immer wieder. Komisch, wie irrational unsere Ängste manchmal sind, oder?

      LG
      Pia

  3. Cris

    Ich hab auf Reisen immer meinen Reiserucksack dabei. Da ist unter anderem Campinggeschirr und -besteck drin, ein Wasserfilter, ein Hüttenschlafsack und diverse Kleinigkeiten. Von dem Kram den ich verbrauche, Medikamente aber auch Klamotten, nehme ich immer mindestens ein Stück mehr mit als notwendig. Messer, Taschenlampe, Miniwerkzeug gehören auch dazu 😉

    Im Moment sind meine Frau und ich auf der Suche nach einem Haus. Beratung durch Sachverständigen und Anwalt im Voraus kosten nicht wenig, aber weniger als eine böse Überraschung nach dem Kauf.

    • Pia

      Hallo Cris,

      Was das Haus angeht hast du natürlich Recht. Ich möchte auch nicht nach dem Einzug merken, dass die Wände voller Schimmel sind. Was ich aber im Zusammenhang mit Hauskäufen total dämlich finde, sind diese Heizkostenüberlegungen. Ob Gas zukünftig teurer wird als Holzpellets? Und rechnet sich ein Niedrigenergiehaus oder nicht? Da ist noch zu viel ungewiss, als dass man das wirklich abwägen könnte.

      LG
      Pia

  4. Sibylle

    Sicherheitsdenken? Vor allem bei meiner Altersvorsorge. Ja, ich habe Angst davor, im Alter nicht 24h betreut zuhause oder im Heim der Wahl leben zu können, sondern eben im billigsten wohnen zu müssen.

    • Pia

      Hallo Sibylle,

      Davor haben glaube ich viele Menschen Angst. Solange dir diese Angst vor dem Alter nicht die Gegenwart vermiest, ist ja alles OK. Ich mache mir da nicht viele Gedanken drum. Es kann ja auch sein, dass ich bis ins hohe Alter putzmunter bleibe, dass ich schon sehr viel früher sterbe, dass ich eine Horde Kinder bekomme, die sich um mich kümmert, dass es noch eine Reform des Pflegesystems gibt, dass Altenpflege in Zukunft total billig wird aber letztlich bin ich fest davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft auch in 50 Jahren noch so gut funktioniert, dass man die alten Leute nicht zum Sterben in den Wald legt.

      LG
      Pia

  5. Sibylle

    Hallo Pia,
    nein, vermiest wird nichts. Ulkigerweise geht meine Angst auch mit einer gewissen Zuversicht einher – ich müsste schon mein ganzes Gehalt in den Sparstrumpf packen, um mir im Notfall zehn Jahre exzellente Pflege leisten zu können, sollte das System komplett zusammen fallen…. Aber solange ich ebensoviel in die Altersvorsorge wie in meine Spendenprojekte packe, geht’s.

  6. Eine kluge Frau – Byron Katie – hat einen guten Satz „gegen“ Ängste: „Kannst du wirklich wissen, dass es wahr ist?“ Das relativiert das Ganze dann schon mal. „Kannst du wirklich wissen, dass du mal ein Pflegefall wirst?“

    Wie viele Freundinnen in „meiner Generation“ haben Häuser an der Backe, die sie von Ihren Eltern geerbt haben, weil „die Kinder doch mal was Sicheres haben sollen“. Ja – und was haben die Kinder jetzt? Hohe Investitionen, damit die Bude den heutigen Vorschriften entspricht. Heute die Heizung, morgen das Dach und dann einen hübschen Wasserschaden … der Zwang des Deutschen zum angeblich Sicheren, dem sollte man mal nachgehen – Folge von zwei Weltkriegen?

    LG Sylvia

    LG Sylvia

    • Pia

      Hallo Sylvia,

      Ich glaube die Weltkriege und die alltägliche Not haben schon etwas damit zu tun. Die Generation, die es erlebt hat, hat dieses Denken an ihre Kinder weitergegeben. Und die wieder an ihre Kinder und so weiter. Es gibt ja auch diesen schöne Begriff der „German Angst“.

      Diese Frage ist wirklich klasse. Sie macht deutlich, dass eigentlich nichts vorhersagbar und damit sicher ist. Was wiederum eine große Erleichterung ist. Wenn ich nicht weiß, was die Zukunft bringt, brauche ich mich jetzt auch nicht danach richten.

      LG
      Pia

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