Upcycling: Maria macht neuen Schmuck aus alten Ketten

Schmuck Upcycling Ketten

Vielleicht erinnert ihr euch noch an dieses Foto. Nachdem ich es veröffentlicht hatte, schrieb mir Maria. Sie macht aus altem Schmuck neuen und fragte mich, ob ich ihr meine aussortierten Ketten schicken könnte. Ein paar Tage später zeigte sie mir, was sie aus meinen alten Schmuckstücken gemacht hatte – und ich war begeistert! Gleich zwei Ketten (die grüne mit der Feder und die braune mit dem Silberröhrchen) hat sie mir geschenkt und ich trage sie seitdem regelmäßig. Und weil ich die Idee des Schmuck-Upcyclings so genial finde, habe ich Maria gleich noch um ein Interview gebeten.

Maria macht neuen Schmuck aus alten Schätzen.

Maria macht neuen Schmuck aus alten Schätzen.

Seit wann bastelst du Schmuck und wie bist du dazu gekommen?
Ich bastle eigentlich schon seitdem ich denken kann. Nicht nur Schmuck, sondern alles mögliche. Ich hab damit einfach nie aufgehört, so wie das viele andere Leute, glaube ich, leider nach ihrer Kindheit tun.
Bei Schmuck im Speziellen musste ich erst mal nachdenken. Die erste richtige Kette habe ich wohl auf einer Ferienfreizeit gebastelt, so mit ungefähr 10. Danach fand ich diese (Rocaille)Perlen so toll, dass ich angefangen habe in Serienproduktion Perlentier- Schlüsselanhänger zu machen, ungefähr jeder wurde damit beschenkt :). Vor ein paar Jahren fiel mir dann in der Stadtbücherei ein Buch in die Hände, das Grundtechniken der Schmuckherstellung erklärt („Perlen. Schmuck selbst gestalten“ von Maya Brenner). Dort habe ich  mir ein paar Sachen abgeschaut und mache ich seitdem immer wieder mal was, wenn ich grad Lust habe.

Woher bekommst du das Material? Was für Werkzeug benötigt man?
Die ehrliche Antwort? Ich horte, ganz unminimalistisch :). Ich arbeite am liebsten alte, schon bestehende Schmuckstücke um, zum Beispiel Ketten, die irgendwann mal zerrissen oder auch einfach nur aus der Mode gekommen sind. Das hat für mich auch etwas mit Umweltschutz zu tun: Ressourcen zu verwerten, die sowieso schon vorhanden sind. Ich hoffe auch, dass ich so ein winziges bisschen dazu beitragen kann, Kinderarbeit oder Niedriglohnarbeit nicht zu unterstützen. Die Gefahr für beides ist gerade bei billigem, neuen Modeschmuck groß.

„Einfach die Augen offen halten. Schmuck kann alles sein, was du dazu erklärst.“

Zum einen upcycle ich den Schmuck, den ich mir über die Jahre hinweg selbst gekauft oder geschenkt bekommen habe, zum anderen geben mir manchmal Freunde und Familie ihre aussortierten Teile oder ich kaufe mal ein, zwei Stücke auf dem Flohmarkt, so kommt mehr als genug Material zusammen.
Eher selten kaufe ich auch mal in kleiner Menge in einem Bastelladen oder einem richtigen Perlenladen in meiner Stadt (http://www.perlenwelt.de).
Wenn das Rohmaterial (z.B. Bänder, Verschlüsse, Verbindungsringe) aus den gebrauchten Stücken nicht reicht, bestelle ich das auch schon mal im Internet auf Vorrat.
Insgesamt gilt: Einfach die Augen offen halten. Schmuck kann alles sein, was du dazu erklärst. Material findet sich fast überall. Ein paar Muttern oder Unterlegscheiben im Werkzeugkoffer, ein hübscher Anhänger an einer Wohnungsdeko, eine Miniatur-Christbaumkugeln..
Zum Werkzeug: Man braucht nur sehr wenig! Für lange Ketten oder Armbänder benötigt man im Prinzip sogar gar nichts! Da reichen ein simpler Knoten oder ein Schiebeknoten in einem Leder-, Seiden- oder Baumwollband. Ansonsten besitze ich ein paar spezielle Schmuckzangen, so etwa drei Stück (Seitenschneider, Rundzange, Flachzange, zum Beispiel diese hier) . Die sind aber sehr günstig in der Anschaffung. Man könnte sie sich auch gut zu mehreren kaufen und teilen, wenn man nicht häufig bastelt. Hilfreich ist noch ein beschichtetes Perlenbrett, auf dem die Perlen nicht wegrollen, aber man kommt auch gut ohne aus. Der Rest kommt dann ganz aufs Projekt an. Als Grundausstattung sind so Sachen wie Karabinerverschlüsse, Ohrringhaken, Spaltringe und Quetschperlen sinnvoll. Im Internet gibt’s gute Anleitungen für Anfänger, da findet man dann auch die genauen Bezeichnungen für diese (Metall)teile. Oder eben Bücher. Zusätzliche englische Suchbegriffe: beading, beading techniques. Gute Quelle sind auch Pinterest oder youtube.

Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?
Naturmaterialien. Holz, Leder, Glas, Halbedelsteine, Perlmutt …

Was für Schmuckstücke entstehen dabei?
Hauptsächlich Ketten, die trage ich selbst am Liebsten. Ansonsten auch Ohrringe und Broschen. Manchmal Armbänder, aber die mag ich (so wie du auch, Pia ;)) nicht so gerne.

Wie lange brauchst du für ein neues Schmuckstück?
Sehr unterschiedlich. Manchmal keine fünf Minuten, wenn ich nur von einer bestehenden Kette, die für meinen Geschmack überladen wirkt, einen oder zwei Anhänger entferne. In der Regel vielleicht so 20 Minuten bis eine Stunde. Bei mir muss es schnell gehen. Ich hab selten die Geduld in mehreren Sitzungen an etwas zu arbeiten. Ausnahme ist vielleicht das Sticken mit Perlen auf Stoff, das bekommt dann direkt was Meditatives.

Was machst du danach mit den Schmuckstücken?
Selber tragen, ansonsten im Familien- und Freundeskreis verschenken. Ich bemühe mich dann natürlich, möglichst den Geschmack des zu Beschenkenden zu treffen. Manchmal schreit auch ein fertiges Stück einfach danach, zu einer bestimmten Person zu gehören.
Ich aber gebe zu, dass ich an meine Grenzen komme. Mir macht der Fertigungsprozess mehr Spaß, als das fertige Produkt zu besitzen. Ich will eigentlich nicht größere Mengen an Schmuck horten oder meine Freunde damit zumüllen. Deshalb mache ich auch nicht allzu häufig etwas.
Ich bringe demnächst wohl mal einiges zu einem (Non-Profit-) Secondhandladen von Aktion Hoffnung. Verkaufen möchte ich nichts, das soll ein Hobby bleiben.

„Selbstgemachter Schmuck ist individuell, den hat sonst keiner.“

Was gefällt dir so gut an diesem Hobby?
Es ist kreativ und man arbeitet mit den Händen. Ich bin Studentin und brauche als Ausgleich zum Denken dringend Tätigkeiten mit den Händen. Darum koche und backe ich wahrscheinlich auch so gerne und werkle eben dauernd an irgendwelchen Bastelprojekten herum.
Es ist (im Ansatz) minimalistisch: Man braucht nur wenig Grundausstattung und kann Bestehendes immer neu zusammensetzen, das Material ist quasi im Fluss. Ich kann zur Müll-/Konsumvermeidung beitragen, indem ich Dinge repariere. Neulich war ich zum Beispiel auf einer Hochzeit und die kleine Tochter einer Verwandten zog so stark am glitzernden Anhänger ihrer Halskette, dass dieser abriss. Normalerweise hätte sie die Kette wegschmeißen müssen und vermutlich eine neue (Trachten-)Kette gekauft. So konnte ich ihr das Stück reparieren und sie kann es noch lange tragen.
Selbstgemachter Schmuck ist individuell, den hat sonst keiner. Ich bin kein Modepüppchen, aber ich versuche seit einiger Zeit meinen eigenen Kleidungsstil zu finden. Mein eigener Schmuck hilft mir, meine Persönlichkeit auch in mein äußeres Erscheinungsbild einzubringen.

Gibt es ein Schmuckstück, auf das du besonders stolz bist?
Zwei Stücke, würde ich sagen. Eine mit Perlen bestickte Brosche: Es hat wirklich Stunden gedauert, bis alles fertig gestickt war. Außerdem ist das Material wirklich vollständig recycled. Die Stickunterlage ist zum Beispiel ein Tetrapackkarton. Und eine Emaille-Kette: Der Anhänger ist in einem Kurs entstanden. Emaille wird in einem speziellen Ofen gebrannt und man weiß vorher nicht genau, was dabei herauskommt. Das fand ich sehr spannend. Ich hoffe sehr, dass ich mal wieder Zugang zu so einem Ofen bekomme. Als ich meine Freundin im Auslandssemester besucht habe, hing an ihrem Kleiderständer diese Kette. Das hat mir gezeigt, dass sie sie wirklich trägt und schätzt und zwar sogar so sehr, dass sie sie in ihrem sehr begrenzten Gepäck für diese Reise mitgenommen hat. (Fotos von den Schmuckstücken findet ihr auf Marias flickr-Seite)

Zum Schluss möchte ich noch gerne etwas offen legen, was mir bislang noch Bauchschmerzen macht: Ich bin mir immer sehr unsicher, wie ich das handhaben soll, wenn meine gebrauchten Verschlüsse und andere Metallteile nicht reichen. Dieses Zubehör wird im Internet zu Spottpreisen aus China angeboten. Auch die Bastelläden hier in Deutschland, die es deutlich teurer weiterverkaufen, beziehen es letztlich dorther. Ich habe den Eindruck, dass es fast sinnvoller ist, wenn ich die Teile im großen Vorratspack direkt selbst in China bestelle, weil das Geld dann zumindest direkt beim Hersteller ankommt und nicht bei diversen Zwischenhändlern versickert. Dennoch, ich weiß nichts über die Herstellungsbedingungen. Daher eine Bitte an die Leser: Kennt jemand von euch eine Quelle für Schmuck-Zubehör aus fairem Handel? 

Wenn Ihr noch mehr Fragen an Maria habt, dann schreibt sie in die Kommentare oder in einer E-Mail an mich und ich leite sie dann weiter.

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5 Kommentare

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