Serie Ebook schreiben, Teil 3: Überarbeiten und überarbeiten lassen

Julien Christ/Pixelio

Euer Text ist fertig – puh, das war ein Kraftakt, was? Ich persönlich schreibe gerne einfach drauflos. Nicht einfach so, ich habe schon einen Plan, an dem ich mich orientiere. Bis der Plan steht, dauert es immer ein Weilchen, aber dann fluppt es meistens. Das Schreiben an sich genieße ich. Doch dann ist der Text fertig und ich merke, dass er noch lange nicht fertig ist. Jetzt steht die Überarbeitung an.

Bevor ihr euren Text irgendwem zu lesen gebt, redigiert ihn zunächst selber. Mehrfach. Ich finde es gibt nichts unverschämteres, als jemandem die Rohfassung eines Textes zur Korrektur zu geben. Wenn man schreibt, dann achtet man nicht immer auf Rechtschreibung, Kommasetzung und die richtigen Zeiten. Man schreibt einfach, und das ist auch gut so. So ein Text sieht dann aber auch aus wie ein Schlachtfeld. Und darüber ärgert sich sogar der wohlwollendste Freund, wenn er ihn lesen soll.

So funktioniert das Überarbeiten: Wenn ihr mit dem Schreiben fertig seid, legt den Text erstmal zur Seite. Fangt ein anderes Projekt an, fahrt in Urlaub oder lenkt euch irgendwie anders ab. Je weniger ihr euch an den Text erinnern könnt, desto besser. Dann nehmt euch euer Buch vor. Ich lese es direkt am Bildschirm durch, weil ich so Fehler direkt verbessern kann. Andere schwören darauf, den Text auf Papier, also als Ausdruck, zu lesen. Wenn ihr mich fragt: Eine riesige Papierverschwendung! Sofern ihr ein anderes Leseambiente braucht, um einen neuen Blick auf euer Buch zu gewinnen, dann ladet es auf euren E-Reader oder nehmt den Laptop mit in den Garten und lest dort.

Wenn ich einen Text überarbeite, unterscheide ich zwischen Inhalt, Stil und Rechtschreibung. Ich kann mich nicht gleichzeitig auf alle drei konzentrieren, also bearbeite ich jeden Bereich in einem eigenen Durchgang. Da ich aber nicht ununterbrochen lesen kann, wenn mich dauernd falsch geschriebene Wörter anspringen, beginne ich mit der Rechtschreibung. Dabei finde ich die automatische Korrekturfunktion von Word sehr hilfreich. Auch die Synonym-Funktion nutze ich gerne. Also: Im ersten Durchgang tilge ich alle offensichtlichen Fehler und alles, was mir sonst noch komisch vorkommt. Dann beginne ich von vorne und konzentriere mich nur auf den Inhalt. Dabei achte ich vor allem auf Folgendes:

  • Ist alles logisch aufeinander aufgebaut?
  • Sehen die Figuren immer gleich aus (nicht manchmal grüne, manchmal blaue Augen)? Verhalten sie sich immer so, wie man es von ihnen erwartet?
  • Wie sprechen die Figuren?
  • Ist die zeitliche Abfolge nachvollziehbar?
  • Wie sieht es mit der Umgebung aus, dem Wetter? Es kann nicht in einer Szene Sommer sein und in der nächsten schneien.
  • Stimmen die Requisiten? Ihr kennt das aus Filmen, wenn die Hauptdarstellerin ihren Schal gleich zwei mal ablegt.
  • Gibt es genügend Hinweise, die die Handlung spannend machen? Sind die Hinweise gleichzeitig vage genug, um nicht zu viel zu verraten?
  • Stimmt die Erzählperspektive?
  • Wiederhole ich mich irgendwo unnötig?

Anschließend nehme ich mir den Stil vor. Ich ändere Formulierungen, die hölzern klingen, und suche Synonyme für Wörter, die zu oft vorkommen („sagen“ ist so ein Kandidat). Außerdem schaue ich, ob die Zeiten stimmen. Manche Autoren lesen ihre Texte laut. Ich habe das noch nicht ausprobiert. Vielleicht beim nächsten Mal. Zuletzt lese ich den Text noch einmal komplett und achte dabei wieder verstärkt auf die Grammatik.

So, jetzt dürft ihr euren Text einem anderen Menschen, quasi eurem ersten Leser, geben. Bei mir ist das immer meine Schwester. Vielen Tausend Dank, Romina! 🙂 Je mehr Probeleser es gibt, desto besser. Eure Probeleser sollen euch vor allem auf die Schwachstellen des Buches aufmerksam machen. Lob ist immer schön, hilft hier aber nur bedingt weiter. Viele Autoren empfehlen Leserunden bei Lovelybooks, um an Erstleser zu kommen. Damit habe ich aber auch noch keine Erfahrungen gemacht.

Denkt daran, dass eure Probeleser euch einen großen Gefallen tun. So ein Buch ist nicht mal eben in einer Stunde gelesen, sie investieren viel Zeit, um euch zu helfen. Also revanchiert euch bei Gelegenheit und vergesst bloß nicht, Danke zu sagen!

Wenn eure Probeleser euch Feedback gegeben haben, müsst ihr höchstwahrscheinlich noch mal ran an den Text und Dinge ändern. Das kann nervig sein, weil das Ziel doch schon zum Greifen nah scheint, ist aber ungeheuer wichtig. Was euren Lesern jetzt aufstößt, könnt ihr noch verbessern. Wenn erst einmal ein zahlender Leser auf einen Fehler gestoßen ist und sich maßlos darüber aufregt, dann folgt oft auch eine schlechte Rezension. Und das ist, besonders am Anfang, tödlich für den Verkauf. Also: Hört auf eure Leser!

Euren Text fehlt jetzt noch der letzte Schliff. Wenn ihr viel und sicher schreibt, euren Text selber mehrfach gelesen habt und das Feedback eurer Probeleser umgesetzt habt, dann ist meiner Meinung nach ein Lektorat nicht unbedingt nötig. Ein Korrektorat schon. Denn Rechtschreib- und Kommafehler zeugen einfach von schlechter Qualität. Beispielsweise finde ich es furchtbar, wenn ein Autor seine Leser anspricht und nicht zwischen sie (dritte Person Singular)  und Sie (Höflichkeitsform) unterscheiden kann. Oder wenn dem Autor der Unterschied zwischen …, das und …, dass offenbar nicht bekannt ist. Brrrr!

Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dann schickt euren Text einer LektorIn. Diese Leistung kostet natürlich Geld, aber das ist es auch wert. Vielleicht habt ihr in euren Bekanntenkreis aber auch einen Deutschlehrer oder einen Journalisten oder vielleicht sogar einen Autor, den ihr um den Gefallen bitten könnt, euren Text professionell zu redigieren. Danach folgt natürlich noch eine weitere Korrekturschleife…

Damit ist die Arbeit am Text aber beendet. Fast. Ihr braucht noch einen Titel. Schaut euch andere Bücher aus eurem Genre an. Meistens gibt es gewisse ungeschriebene Regeln für Buchtitel. Liebesromantitel bestehen meist aus mehreren Wörtern oder sogar einem ganzen Satz (beliebte Begriffe sind natürlich Liebe, Herz, Sehnsucht, Verlangen….), Krimi- und Thrillertitel beschränken sich oft auf ein Wort.

Im nächsten Teil geht es dann um das Coverdesign und wie ihr euren Text konvertiert.

Ebook schreiben, Teil 1: Bevor ihr in die Tasten haut

Ebook schreiben, Teil 2: Planen, Plotten und Formulieren

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4 Kommentare

  1. Zwei Anmerkungen:

    1. Da das menschliche Auge Bildschirme anders wahrnimmt als Ausdrucke, ist es m. E. fahrlässig, Texte nur digital zu korrigieren. Ich kenne das sowohl aus eigener Erfahrung als selbstschreibende Texterin und Autorin, und als Lektorin fände ich es grob fahrlässig, ausschließlich digital zu korrigieren/lektorieren. Sowohl bei eigenen wie fremden Texten bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Fehler sich auch nach einem digitalen Korrekturvorgang noch auf dem Ausdruck finden.

    2. Nichts gegen FreundInnen und JournalistInnen, aber wer Wert auf gute Qualität legt, sollte sich eine/n professionellen Lektor/in leisten. Denn die Ausbildung, Erfahrung und der professionelle Blick sind schwerlich zu ersetzen. Lektor/innen wissen einfach, worauf es bei einem guten Buch (und auch jedem anderen Text) ankommt. Ein kleiner Tipp für die Suche nach einem Lektor/einer Lektorin: Die Datenbank des Lektorenverbands VFLL, zu finden hier: http://www.vfll.de/lektor-in-finden/datenbank/
    In der Detailsuche findet man den oder die Richtige/n.

    LG

    Inga

    • PiaMester

      Hallo Inga,

      Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Zu Punkt 1: Ich bin da anderer Meinung. Ich denke es kommt eher darauf an, wie oft man einen Text liest. Man findet sicherlich auch beim fünften Lesen auf dem Papier noch Fehler. Und sogar in Büchern von namhaften Verlagen habe ich schon Rechtschreibfehler gefunden. Ganz perfekt wird ein Text nie sein. Aber das ist sicherlich auch Geschmackssache.

      Zu Punkt 2: Der Beruf des Lektors ist meines Wissens nach genauso wenig geschützt wie der des Journalisten (Zitat von http://www.vfll.de: „Lektorin/Lektor ist bislang kein Ausbildungsberuf und auch kein akademischer Beruf, obgleich die meisten der im VFLL organisierten Kolleginnen und Kollegen einen Universitätsabschluss haben. Das bedeutet: Viele Wege führen ins Lektorat – sei es ins Freie Lektorat oder in das Lektorat eines Verlags.“) Oft bin ich als Journalistin mit Volontariat erstaunt darüber, wer sich alles Journalist nennt. Andererseits finde ich es gut, dass dieser Beruf auch talentierten Quereinsteigern offen steht. Wie ich in meinem Beitrag auch geschrieben habe, ist es immer besser, einen Lektor zu beauftragen. Allerdings glaube ich auch, dass der professionelle Umgang mit Texten nicht nur Lektoren vorbehalten ist. Deutschlehrer, Redakteure oder andere Autoren, um nur ein paar Beispiele zu nennen, können ebenfalls auf Schwachstellen aufmerksam machen. Ich möchte Lektoren nicht ihre Daseinsberechtigung absprechen. Wie gesagt: Mit ist immer besser. Aber eben auch teurer. Und aus der Sicht eines Selfpublishers ist dies leider ein wichtiges Argument.

      LG
      Pia

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