Linktipps zum Wochenende: Mit 30 in Rente und die Geheimnisse der Zen-Gärten

Hoffentlich wird das Wetter am Wochenende so schön wie angekündigt, dann werdet ihr wohl kaum etwas mit diesen beiden Linktipps anfangen können. Falls es doch wieder regnet oder ihr Sonnenlicht und frische Luft generell bäh findet, bekommt ihr hier genügend Stoff, um euch die Zeit in den nächsten beiden Tagen vorm Computer zu vertreiben.

Nummer eins ist ein amerikanischer Blog, auf den ich durch einen Artikel auf Spiegel-Online gestoßen bin (soll ja ab und an passieren). Der Blog gehört Mr. Money Mustache (www.mrmoneymustache.com), einem Kanadier, der in den USA lebt und bereits mit 30 in Rente gegangen ist. Seine Frau übrigens auch. Jetzt leben die beiden mit ihrem Sohn ein genügsames Leben (die Amerikaner bezeichnen das als „frugal“, liest man auf Minimalismus-Blogs aus dem englischsprachigen Raum immer wieder… frugal hier, frugal da. Es bedeutet auch noch schlicht oder einfach.). Finanziert haben sie sich ihr arbeitsfreies Leben durch Ersparnisse aus ihrem vorhergehenden Berufsleben und durch die Vermietung eines Hauses. Mr. Money Mustache gibt nicht nur Tipps, wie sich überall ein wenig einsparen lässt, man kann mit seiner Hilfe auch genau ausrechnen, wann man selber in Rente gehen kann. Vielleicht ist das nicht jedermanns Ziel, spannend sind diese Ansichten und Ideen trotzdem.

Der zweite Linktipp ist eine Dokumentation über japanische Zen-Gärten. Ja, ich habe gelobt, im Juni nicht nur die Finger von der Fernbedienung zu lassen, sondern auch den Mouse-Pfeil von allem Mediatheken. Aber ich schwöre, dass ich nur ganz kurz reingeschaut habe um zu sehen, ob die Doku hält was der Titel verspricht. In diesen ersten fünf Minuten wird bereits ein klassischer Zen-Garten gezeigt, in dem es weder Wasser noch Pflanzen gibt, nur Kies und Steingruppen. Das nenne ich mal pflegeleicht! Aber hinter diesen Gärten steckt ja eine Philosophie, die ich im Zuge meines Furoshiki-Posts bereits ein bisschen erkundet habe. Die Japaner sind Experten auf dem Gebiet des Minimalismus, und zwar in jeder Hinsicht. Ihr werdet hier sicher noch öfter etwas zu diesem Thema lesen. Ein schönes Wochenende wünsche ich euch!

 

Furoshiki – Knotentechnik aus Japan

Die Japaner waren uns in Sachen Minimalismus ja schon immer einen Tagesmarsch voraus – und das nicht nur, was die Einrichtung ihrer Häuser betrifft. Auch beim Thema Mode gibt die traditionelle japanische Kultur Antworten auf drängende Fragen. Zum Beispiel: Welche Tasche soll ich kaufen, die alle meine Bedürfnisse erfüllt (stelle ich mir fast täglich)? Na, eine Furoshiki! Continue reading…

Kein Fernsehen im Juni

Seit er bei uns eingezogen ist, dreht sich vieles um ihn. Nicht nur hat er entschieden, wie wir unsere Wohnzimmermöbel arrangieren, er diktiert uns auch Termine, beispielsweise müssen wir uns fast jeden Sonntagabend um 20.15 Uhr um ihn kümmern. Dass er uns, besonders mich, so leicht um den Finger wickeln konnte, liegt wohl einfach daran, dass er ein sehr unterhaltsamer Kerl ist: Er kann lustig sein, kurzweilige Geschichten erzählen, dabei weiß er immer genau, was gerade los ist in der Welt. Er steckt voller Informationen und lässt mich bereitwillig an seinem Wissen teilhaben. Das lässt mich nur allzu oft darüber hinwegsehen, dass er meine Zeit stiehlt. Stunde für Stunde hängen wir zusammen und verplempern Stunde um Stunde. Der Fernseher ist mein Fluch und mein Segen. Ich glaube, ich bin süchtig.

Damit möchte ich mich aber nicht abgeben. Im Durchschnitt gucke ich täglich drei Stunden TV. Eindeutig zu viel. Und damit bin ich nicht allein: Fernsehen ist der Deutschen liebstes Hobby, 220 Minuten waren 2012 an der Tagesordnung. Bekanntlich ist diese Verhaltensweise der Gesundheit und besonders dem Hüftumfang nicht gerade förderlich. Und es kommt noch schlimmer: Jahrelanger exzessiver TV-Konsum macht aus einst netten Kindern später aggressive Kriminelle! Ich möchte nicht mit 40 im Gefängnis sitzen!

So, Schluss mit der Panik. Vielleicht ist es noch nicht zu spät für mich. Daher habe ich mich dazu entschlossen, den Fernseher im Juni ausgeschaltet zu lassen: Einen Monat TV-Diät! Naja, größtenteils. Ich gestatte mir ein paar Ausnahmen. Beispielsweise schreibe ich öfter Fernsehkritiken, was voraussetzt, dass ich die entsprechende Sendung auch gesehen habe. Diese TV-Nutzung fällt meiner Meinung nach in die Kategorie „Arbeit“ und bleibt daher unangetastet. Ich werde aber in den Werbepausen nicht mehr rumzappen und den Fernseher anschließend sofort ausschalten.

Nicht zum schädlichen TV-Konsum zähle ich außerdem DVD-Abende mit Freunden und Kinobesuche. Ich möchte am 1. Juli schließlich nicht ohne Freunde dastehen! Sehr wohl gestrichen wird während dieser vier Wochen aber die Nutzung von Mediatheken aller Art, also kein Fernsehen auf dem Laptop oder Tablet mehr. Es geht darum, Fernsehen nicht länger als Betäubung zu missbrauchen (abends heimkommen, Glotze an, Hirn ausschalten, müde werden, aufm Sofa einschlafen, ins Bett kriechen), sondern bewusst zu genießen.

Die drei Stunden mehr Zeit täglich möchte ich mit sinnvollen Tätigkeiten füllen. Sinnvoll bedeutet für mich nicht ziellos durchs Internet zu surfen oder mir einen Troll bei World of Warcraft heranzuzüchten. Hier kommt das Ergebnis meines ersten, schnellen Brainstormings:

  • Mehr (gute) Bücher lesen
  • Podcasts hören
  • Blogposts schreiben (natürlich regelmäßige Updates, wie das Experiment läuft)
  • Jackenprojekt beenden (daran häkele ich schon seit einem Jahr)
  • Brot backen (günstig, lecker, meditativ)
  • Angeln (günstig, lecker, meditativ und an der frischen Luft)
  • Marmelade machen
  • Entrümpeln, und zwar richtig viel
  • Bewegung an der frischen Luft (vom Spaziergang bis zum Marathon, ich fange erstmal klein an)
  • Regelmäßig Kochen
  • Steno lernen (steht nicht umsonst ganz unten auf dieser Liste)

Ende des Experiments ist der 1. Juli. Los geht´s!

Modernes Teilen und die gutmütige Crowd

Teilen – eigentlich sollte man es öfter tun, ein bisschen was abgeben, meine ich. Da meldet sich das schlechte Gewissen. Dabei teilen wir jeden Tag. Teilen liegt gerade voll im Trend. Der wohl erste dokumentierte Fall einer teilenden Crowd stammt aus der Bibel (mit dem ganzen Glaubens-Kram habe ich nichts am Hut, aber als historische Quelle und für die eine oder andere Anekdote ist dieses Buch schon zu gebrauchen): Jesus teilt ein paar Fische und Brote und sättigt damit ein ganzes Fußballstadion hungriger Fans. Wie er das geschafft hat? Na, durchs Teilen! Ideen zum sinnvollen Teilen sind jetzt, 2000 Jahre nach dieser eindrucksvollen Demonstration, wieder schwer umdacht. Man erkennt viele Konzepte, die auf dem Prinzip des Teilens basieren, an zwei Buchstaben: Co. Da gibt es das Co-Working, bei dem man sich ein Büro teilt, das Co-Housing, bei dem man gemeinsam eine Wohnanlage baut oder umgestaltet, das Co-Driving, auch Carsharing genannt, in Food-Coops kauft man gemeinsam große Mengen Lebensmittel ein, und natürlich gibt es das Crowdfunding. Sicherlich existieren noch mehr Co-Projekte und viele entstehen gerade noch.

In all diesen Fällen hat Teilen einen ungewöhnlichen Effekt: Man hat plötzlich nicht weniger von einer Sache, weil man diese mit jemandem geteilt hat, sondern es wird mehr. Wie im Bibel-Beispiel eben. Und so sieht Teilen heute aus:

Co-Housing: Menschen in Großstädten sehnen sich nach einem Aspekt, der ihrer Meinung nach das Leben auf dem Land schöner macht: Eine überschaubare Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt. In der Realität bedeutet die Tatsache, dass in einem Dorf jeder jeden kennt noch lange nicht, dass sich alle liebhaben. Die fehlenden Anonymität, die Großtstädter so bewundern, führt auch dazu, dass potenziell mehr über die Nachbarn gelästert wird. Dennoch spricht mich die Idee des gemeinschaftlichen Bauens sehr an. Erstmals habe ich davon durch diesen Podcast erfahren, während ich auf dem Heimweg vom Skiurlaub war. Das Prinzip hinter solchen Bauprojekten: Menschen schließen sich zusammen, um gemeinsam eine Wohnanlage zu planen und zu bauen. Dabei legen sie Wert darauf, dass nicht einfach ein Mehrfamilienhaus entsteht, sondern ein Gebäude, das die Kommunikation und Interaktion untereinander fördert. Es gibt Gemeinschaftsräume für verschiedene Zwecke (Partykeller, Bibliotheken, Medienräume, Fitnessräume), wodurch die einzelnen Wohnungen kleiner ausfallen können. Das spart Platz und letztlich auch Geld. Aber der wichtigste Grund, warum man sich an einem solchen Bauprojekt beteiligt, ist die Gemeinschaft: Die Bewohner gehen bewusst eine Bindung mit ihren Nachbarn ein, die über das Salz-Verleihen hinaus geht. So funktioniert auch generationsübergreifendes Wohnen: Die Jungen helfen den Alten beim Einkaufen, die Alten hüten dafür die Kinder der Jungen. Würden alle Menschen in Deutschland so denken und handeln, bräuchte man sich über den demografischen Wandel eigentlich keine Sorgen zu machen.

Car-Sharing: Ist in großen Städten bereits sehr populär. Fast jeder große Autohersteller hat ein solches Programm im Angebot: Man leiht sich einfach ein in der Nähe geparktes Auto, fährt damit, so weit man will, stellt es wieder ab und das war´s. Mittlerweile gibt es Internetplattformen (beispielsweise Tamyca, Autonetzer oder Nachbarschaftsauto), die private Autos vermitteln. Dort kann jeder seinen Wagen zum Verleih anmelden oder selbst einen Pkw mieten. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Privatautos die meiste Zeit eh nur vor der Haustür stehen, finde ich diese Idee ziemlich sinnvoll: Das spart nicht nur Geld, man schont auch die Umwelt. Jeder, der mal im Stau stand und dabei gemerkt hat, dass in fast allen Autos um ihn herum nur jeweils der Fahrer sitzt, kann dem Carsharing sicher etwas abgewinnen.

Co-Working: Freiberufler, die nicht gerne alleine im stillen Kämmerlein arbeiten, mieten sich für einen Tag oder auch länger in einem Großraumbüro ein. Dort bekommen sie einen Tisch, einen Stuhl, einen Internetzugang und die Möglichkeit, viele nette Gespräche mit den anderen Co-Workern zu führen. Die Idee des Teilens steht hier allerdings nicht so sehr im Vordergrund, die Co-Working-Spaces (Übersicht: www.coworking.de) werden nämlich meistens nicht gemeinschaftlich angemietet, sondern von einer oder wenigen Personen, die damit auch Umsatz machen wollen. Trotzdem zeigt die Popularität solcher Arbeitsplätze, dass der Mensch einfach nicht fürs Alleinsein geschaffen ist. Kooperieren und Teilen sind also ziemlich natürliche Wünsche.

Food-Coops: Bioläden sind dir zu teuer? Dann gründe doch einfach selbst einen! Biolebensmittel boomen, weil Chemikalien im Essen ekelig sind und Massentierhaltung für ein schlechtes Gewissen sorgen. Bio ist gesund, ethisch und ökologisch korrekt (hoffentlich) — aber leider auch ziemlich teuer. Findige Köpfe schaffen sich daher ihre eigenen Bioläden, privat allerdings. Dabei tun sich wieder einige Leute zusammen und gründen im Idealfall einen Förderverein. Die Mitglieder dieses Vereins mieten einen Raum an, der zum Lager/Verkaufsraum umgestaltet wird. Dann kaufen die Mitglieder der Food-Coop gemeinsam in großen Mengen Lebensmittel ein, was insgesamt günstiger ist als die Single-Packung aus dem Bio-Supermarkt. Was gekauft wird, entscheiden die Mitglieder gemeinsam. Die Lebensmittel werden in dem Raum gelagert, zu dem jeder einen Schlüssel hat. Einkaufen funktioniert dann so, dass man sich die Dinge nimmt, die man braucht, die Mengen aufschreibt (Ehrlichkeit muss da einfach sein), und am Ende des Monats für seine Einkäufe bezahlt. Die Arbeiten rund um diesen privaten Tante-Emma-Laden werden unter den Mitgliedern aufgeteilt. Die Vorteile einer Food-Coop liegen auf der Hand: Günstige, qualitativ hochwertige Lebensmittel, von denen man weiß, woher sie kommen. Und einkaufen kann man auch rund um die Uhr.

Crowdfunding: Beim Geld hört der Spaß und die Freundschaft ja bekanntlich auf. Geld nährt Neid, Gier und Unzufriedenheit (hört sich krass an, aber denkt doch mal drüber nach….). Nur: Ohne Geld lassen sich tolle Projekte nicht verwirklichen. Seit mehreren Jahren schon finanzieren in den USA Kreative ihre Projekte mit Hilfe der Crowd, also ihren Unterstützern und Freunden (Fans?). Seit kurzem gibt es solche Plattformen auch in Deutschland, beispielsweise startnext.de und Krautreporter.de für journalistische Projekte. Nicht immer kommt das benötigte Kleingeld für eine Idee zusammen. Einer, der bei der Finanzierung seiner Ideen immer auf seine Crowd zählen kann, ist Van Bo Le-Mentzel, der zunächst durch seine Hartz-IV-Möbel und das gleichnamige, Crowd-finanzierte Buch berühmt wurde. Jetzt hat er den Turnschuh-Klassiker „Chucks“ von Converse „nachgebaut“, und zwar unter fairen Produktionsbedingungen. Die Realisierung erfolgte wieder über startnext.de. Van Bo Le-Mentzel lebt das Prinzip des Teilens: Die Baupläne für seine Möbel, also sein Wissen, gibt es kostenlos auf seinem Blog, sogar persönliche Entscheidungen teilt er mit seiner Crowd. „Unsere Crowd ist nicht böse, sie wird sich für das Beste entscheiden“, ist dabei seine feste Überzeugung. Guckt euch dazu doch mal dieses Interview mit Ulrike Langer an, Van Bo Le-Mentzel spricht darin auch Dinge an wie neue Produktionswege („Crowducing“) und den Wert des Geldes.

Teilen macht Sinn, weil man letztlich mehr bekommt, als man gegeben hat. Teilen macht glücklich (das Gehirn reagiert aufs Spenden genauso wie auf Essen oder Sex). Teilen verbindet, weil man ja — logischerweise — mindestens eine zweite Person dazu braucht.

Kennt ihr noch weitere Beispiele, wo sich Teilen lohnt?

 

Ratgeber für angehende Minimalisten

Ratgeber gibt es zu jedem Thema, inspirierend sind diese Bücher aber nur selten. Auch für angehende Minimalisten bietet der Buchmarkt die passende Literatur. Heute möchte ich euch drei dieser Bücher vorstellen: Eine Enttäuschung, einen Schmöker und eine echte Überraschung.

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Minimalismus-Papst Leo Babauta (www.zenhabits.net) ist auf dem Weg zur Erleuchtung eher eine flackernde Kerze. Sein bisher einziges auf deutsch erschienenes Buch Weniger bringt mehr: Die Kunst, sich auf das Wesentliche zu beschränken bringt im Grunde genommen nichts.Die Tipps darin wiederholen sich ständig, wie viele Rezensenten bemängeln. Beispielsweise trifft man den Vorschlag, Emails nur zwei mal täglich abzurufen, in fast jedem Kapitel an. Die Kernbotschaft des Autors ist schnell zusammengefasst: Sich nicht zu viel vornehmen, Konzentration auf eine einzige Tätigkeit und ein Ziel, neue Gewohnheiten langsam aufbauen. Am Ende eines jeden Kapitels gibt er praktische Tipps zur Umsetzung, die aber keine neuen Erkenntnisse bieten. Fazit: Ein Flop und obendrein viel zu teuer.

Ein Genuss war für mich hingegen der biografische Ratgeber der amerikanischen Bloggerin Tammy Strobel (www.rowdykittens.com). Tammy schildert in You Can Buy Happiness (and It’s Cheap): How One Woman Radically Simplified Her Life and How You Can Too, wie sie von einer gestressten Investmentbankerin zu einer lebenslustigen Frau wurde, die mit ihrem Mann in einem kleinen Holzhaus auf Rädern lebt, einem sogenannten Tiny House. Über Jahre hinweg und in kleinen Schritten wurde ihr klar, wie wenig man eigentlich für ein glückliches Leben braucht – viele Besitztümer, eine große Wohnung und einen repräsentativen Job schon gar nicht. Das Buch gibt einen sehr persönlichen Einblick in Tammys Gedankenwelt während ihrer Verwandlung. Sie erzählt einfach ihre Geschichte und ermuntert die Leute so, es ihr nicht gleichzutun, sondern den eigenen Weg zu finden. Fazit: Empfehlenswert, da unglaublich fesselnd.

Nur 89 Cent kostet die Kindle-Ausgabe von Miss Minimalist: Inspiration to Downsize, Declutter, and Simplify. Die Autorin Francine Jay hat mit diesem Buch eine Sammlung praktischer Tipps für ein Leben mit weniger Gerümpel und mehr Zeit für die schönen Dinge zusammengestellt. Besonders gut gefallen haben mir die Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Urkomisch ist auch der Abschiedsbrief an ihr Gerümpel am Anfang des Buches. Fazit: Ein echtes Schnäppchen und ein toller Einstieg in den praktischen Minimalismus.

Kreativität, Foto, App, Pia Mester

Vom langsamen Reisen

Gestern bin ich auf ein interessantes Interview zum Thema langsames Reisen in der Zeit gestoßen. Normalerweise gönne ich diesem Ressort keinen einzigen Blick, weil die meisten Reiseberichte genau das tun, wovor der Interviewpartner, Dan Kieran, hier warnt: Sie geben den Lesern eine feste Reise vor mit Restaurant-Tipps, Ausflugs-Tipps, Hotel-Tipps. Lauter Tipps, die verhindern, dass man den Urlaubsort selbst entdecken muss. Wenn man eine Reise vom ersten bis zum letzten Tag durchplant, kann man auch gleich zu Hause bleiben. Continue reading…

Schon erledigt

Ein wenig Vorarbeit beim Ausmisten habe ich schon geleistet. Beispielsweise sind bereits geschätzte 26 Kilogramm Klamotten und Schuhe, die ich nicht mehr trage, in einem Umzugskarton gelandet. Den Karton habe ich an www.textil-ankauf.de gesendet, dafür gab es ein paar Euro. Viele meiner Bücher habe ich an momox verkauft (wobei es sicher auch andere Ankäuferseiten gibt, ich habe einfach die Erstbeste genommen). Auch das brachte mir einen kleinen Erlös ein. Trotzdem fiel es mir schwer, kaum getragene, einmal verhältnismäßig teure Jeans oder Bücher, die ich wirklich gerne und mehrmals gelesen habe, wegzugeben. Jetzt fehlen sie mir aber nicht mehr.

Bei Fachbüchern aus Studienzeiten lohnt es sich mehr, sie einzeln zu verkaufen, beispielsweise über Amazon. Das bedeutet aber auch mehr Arbeit: Jedes Buch muss einzeln verpackt, adressiert und zur Post gebracht werden (die nette Dame hinter dem Schalter fragt sich bestimmt schon, ob ich einen Buchversand aufgemacht habe). Und Bücher, die schwerer als 1 kg sind, können nicht als Buchsendung verschickt werden, sondern nur als Päckchen. Da bekommt man bei einigen richtig dicken Schinken die Portokosten gerade wieder rein.

Natürlich gibt es bei schönen, gut erhaltenen Sachen (besonders Markenkleidung) auch die Möglichkeit, sie über Ebay zu verkaufen. Aber den Aufwand (Fotos machen, Beschreibung formulieren, Fragen beantworten) habe ich bisher noch gescheut. Mein nächster Versuch für einige hochwertige Klamotten-Fehlkäufe wird ein Second-Hand-Laden sein. Vielleicht freuen die sich ja über gute Ware und lassen sie sich auch ein paar Euro kosten.

Letztlich möchte ich die Dinge aber einfach nur loswerden. Jedes Kleidungsstück, das ich jetzt täglich aussortiere, fühlt sich gut an. Und der Platz in meinem Schrank erst! Dass mein Bücherregal noch nicht zusammengebrochen ist, grenzt auch an ein Wunder.

Weitere Großbaustellen in meiner Wohnung wären dann: Das Büro, der Dachboden und die Küche. Besonders vor dem Dachboden graut es mir. Der ist wie ein schwarzes Loch: Tür auf, Gerümpel rein, Tür zu. Das wird wohl nicht in ein paar Stunden zu schaffen sein. Aber zum Glück steht jetzt ja ein langes Wochenende vor der Tür.

Worum geht es hier?

Schreiben ist mein Job, aber nicht immer kann ich über Dinge schreiben, die mich wirklich interessieren. Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Themen wie DIY und Handarbeiten (sehr lange schon, meine Mutter kann Bücher schreiben über alle die Seidenmal-, Strick-, Zeichen- und Bastelutensilien, die ich im Laufe der Jahre angeschleppt habe), Upcycling, Nachhaltigkeit (das Modewort schlechthin), moderne Arbeitsmodelle und auch ein bisschen Umweltbewusstsein. Und zuletzt auch mit der Frage, ob ich den ganzen Kram, den ich immer wieder kaufe, wirklich brauche.

Irgendwas, so ahnte ich, muss das Ganze ja gemeinsam haben. Hat es auch: Manche nennen es Minimalismus, andere Downshifting. Es geht darum, dass zu wertschätzen, was man hat, sich vom Konsumdruck und Ballast zu befreien und insgesamt bewusster zu leben mit mehr Zeit für die Menschen und Dinge, die man wirklich mag.

Im Prinzip geht es um Glück. Nicht das Zufalls-Glück, sondern den dauerhaften Gefühlszustand. Darum, mit weniger glücklicher zu leben.

Also werde ich jetzt mit euch gemeinsam mein Leben vereinfachen und so verschönern, angefangen bei meinem direkten Umfeld. Mich interessiert aber auch, wie andere Menschen ihr Glück in der Einfachheit gesucht und gefunden haben. Ist das Thema wirklich so ein gesellschaftlicher Trend, wie momentan viele behaupten? Und was gehört zu so einem Leben noch dazu neben der Verringerung seiner Besitztümer? Wie beantworten die Menschen für sich die Frage, wie sie leben wollen? Wie wohnt, arbeitet, reist ein Minimalist, womit füllt er seine freie Zeit?