Täglich ausmisten, Teil für Teil

Ein paar Wochen war hier auf meinem Blog tote Hose. Der Grund: Viel (wirklich viel) Arbeit, Ärger mit dem Auto (geht das doofe Dingen einfach kaputt!), sonstige soziale Verpflichtungen. Da blieb die Lust zum Bloggen einfach auf der Strecke. Zwischendurch habe ich beim Minimalismus-Bloggertreffen im Unperfekthaus in Essen aber nochmal frische Inspiration gesammelt (mehr dazu gibt es hier, hier, hier, auch hier, zudem hier und noch hier). Zunächst einmal: Wow, war das cool! Total entspannt einen ganzen Nachmittag mit Leuten quatschen, die man noch nie persönlich getroffen hat, aber von denen man meint, dass man sie schon ewig kennt. Freue mich schon auf das Treffen im nächsten Jahr!

Nun aber zum Thema. Beim ziellosen Surfen bin ich in der letzten Woche auf den schon etwas älteren, aber immer noch sehr lesenswerten Blog der Journalistin (und Millionengewinnerin) Meike Winnemuth gestoßen. Sie hat nicht nur ein Jahr lang täglich dasselbe blaue Kleid getragen, sondern nebenbei auch noch kontinuierlich ausgemistet. Jeden Tag entließ sie ein Teil aus ihrem Besitz und dokumentierte diesen Vorgang. Bekanntlich höhlt ja nur der stete Tropfen den Stein, weshalb ich mir überlegt habe, das doch auch einfach mal zu probieren.

Und dann, als würde mir das Universum kräftig zuwinken, plant Michael auf seinem Blog (www.minimalismus-leben.de) genau dasselbe! 7 Tage, 7 Teile lautet das Motto seiner Idee. Hm, da schließe ich mich doch einfach mal an. Also gibt es auch hier ab kommender Woche eine Auflistung inklusive Fotos von den sieben Teilen, dich ich aus Gründen des Überflusses aus meinem Besitz verbannen werde. Da es verdammt schwierig ist, guten, noch brauchbaren und voll funktionsfähigen Gegenständen ein neues Zuhause zu verschaffen, verschenke ich die Dinge auch gleich hier (wenn ich nicht bereits einen anderen Verwendungszweck gefunden habe). Ihr dürft euch also bei Interesse gerne melden, dann lasse ich euch den jeweiligen Gegenstand zukommen.

 

Bücher, Bücher: Wut vs. Gelassenheit

Gerade habe ich mal wieder in meiner Bücherkiste (sprich E-Reader) gewühlt und ein paar Lesetipps hervorgezaubert, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Noch ganz jung ist Select! Minimalismus in der Wegwerfgesellschaft von Dr. ( so viel Zeit muss sein) Anja Dostert. Der Titel klang sehr vielversprechend, der damalige Aktionspreis von 99 Cent hat mich dann vollkommen überzeugt, mir dieses Buch zu kaufen. Es fing auch wirklich interessant an. Anja Dostert besitzt einen klaren, treffenden Sprachstil. Sie beschreibt sehr nachvollziehbar, wie sich Minimalismus äußert, was dahinter steckt und welches die ersten Schritte dorthin sind. Natürlich finden sich in ihrem Buch viele klassische Ratschläge zu Themen wie Entrümpelung, Zeitgewinnung, Spartipps etc. Alles gut recherchiert. Das letzte Kapitel „Die Gesellschaft der Konsumtempel“ hat mich dann aber doch irritiert. Hier rechnet die Autorin mit allem ab, was ihr an unserer Gesellschaft nicht passt. Was die Unterscheidung von Privat- und Kassenpatienten bei der Vereinbarung eines Arzttermins dort zu suchen hat, bleibt mir schleierhaft. Stellenweise wirkt es wirklich so, als wollte sich Frau Dorstert einfach nur mal auskotzen. Es sei ihr gegönnt, und bis auf dieses seltsame letzte Kapitel ist das Buch wirklich lesenswert.

Ganz im Gegenteil zu „Select!“ hält sich der britische Journalist John Naish in Genug: Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen sehr mit persönlichen Gefühlsregungen zurück. Seine Abhandlung zu der Frage, wie sich die Konsumgier auf die Gesellschaft auswirkt, bleibt durchgängig nüchtern. Naish selbst ist kein Hardcore-Minimalist, der nur 50 Dinge besitzt und seinen Lebensweg predigt. Er ist eher ein distanzierter Kritiker, sich selbst gegenüber genauso wie gegenüber seinen Mitmenschen. Die Wurzeln des Überflusses versucht er mit der Hilfe von Experten zu entdecken. So besucht er einen Wirtschaftswissenschaftler, der in einer Gartenhütte lebt, einen Neurologen, der Werbestrategien erforscht, und einen mexikanischen Evolutionspsychologen. Im Gedächtnis geblieben ist mir besonders die Schilderung einer Londoner Mülldeponie, deren Mitarbeiter immer wieder noch original verpackte Möbelstücke im Unrat finden. All die gut erhaltenen Dinge, die die Menschen so gedankenlos wegwerfen, werden hier aber nicht vernichtet, sondern weiterverkauft. Naishs Buch liefert gute Hintergründe und neue Einsichten, deshalb kann ich es wirklich empfehlen.

Prokrastinierer aufgepasst! Grämt euch nicht weiter, ihr seid nicht allein! Und außerdem ist Aufschieberitis gar nicht so fatal, wie immer behauptet wird. Das jedenfalls zeigen Sascha Lobo und Kathrin Passig in Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin. Kernaussage des Buches: Morgen ist auch noch ein Tag, und er ist genauso schön wie heute. Oder: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf übermorgen. Angesichts des allgegenwärtigen Selbstoptimierungszwanges wirkt dieses Buch wie Valium: Alles ist halb so wild. Die Autoren zeigen zum Beispiel, wie man es schafft, Behördenbriefe so lange zu ignorieren, bis sich die Angelegenheit von selbst erledigt hat. Oder dass es keineswegs verwerflich ist, für Aufgaben, die man einfach nicht hintereinander bekommt (wie Putzen) eine Fachkraft zu engagieren (wie die Putzfrau/den Putzmann). Mein innerer Schweinehund hat gar nicht mehr aufgehört, zu jubeln.

Irgendetwas wollte ich doch noch sagen…… Ach, egal!

(By the way: Alle diese Links sind Werbelinks. Ich empfehle aber auch nur Bücher, die ich selbst gelesen habe und lesenswert finde. Indianerehrenwort!)

Linktipps zum Wochenende: Selbstversorger, Reiselustige und eine Foto-Challenge

Pünktlich zum Wochenende und in Ermangelung weiterer politischer Ambitionen habe ich euch heute eine kleine Linksammlung zusammengestell.

Über Umwege bin ich auf die Geschichte der Dorfgemeinschaft Tempelhof gestoßen. Organisiert ist dieses Wohn- und Lebensprojekt als Genossenschaft. Die Mitglieder haben sich für die Verwirklichung ihrer Idee eines gemeinschaftlichen, nachhaltigen Lebens vor drei Jahren sofort ein ganzes Dorf gekauft. Eine tolle Idee, wie ich finde, obwohl das Ganze in der SWR-Reportage, die man auch auf der Homepage von Tempelhof findet, doch ein bisschen zu sehr nach heile Welt anmutet. Ständig nehmen sich die Leute an der Hand und singen gemeinsam. Das finde ich ein bisschen komisch. Auch frage ich mich was passiert, wenn aus den dort erwähnten 80 derzeitigen Bewohnern einmal 800 werden. Ob das gemeinschaftliche Abstimmen dann noch funktioniert? Ob die Großküche für so viele Leute kochen kann? Ob dann nicht doch Streit, Missgunst und Egoismus aufkommen, so wie in jeder Gesellschaft früher oder später?

Mein nächster Lese- oder vielmehr Ausprobiertipp ist die „One-Photo-Challenge“ der amerikanischen Bloggerin Courtney Carver. Bekannt geworden ist sie durch das „Project 333“, das sie ins Leben gerufen hat. Dabei trägt man drei Monate lang jeweils 33 ausgewählte Kleidungsstücke und schaut, wie man mit diesem Verzicht klar kommt. Bei der „One-Photo-Challenge“ geht es darum, Instagram, Camera360 und Co. einmal aus seiner Fotografierpraxis zu verbannen und täglich nur noch ein unbearbeitetes Foto zu veröffentlichen. Aus meiner Erfahrung als Lokaljournalistin weiß ich, dass es sauschwer ist, ein wirklich perfektes Foto zu schießen. Meistens wird hinterher noch ordentlich nachgearbeitet. Und selbst dann bleibt oft nur Mittelmäßiges übrig. Noch viel inflationärer werden mittlerweile diese ganzen Handy-Fotofilter verwendet. Fand ich anfangs auch ziemlich schick und ich benutze sie ja selbst, aber irgendwann hat man sich daran auch satt gesehen. Ich denke, ich werde Carvers Idee einmal ausprobieren, wenn auch nicht jeden Tag.

Autor Daniel Hautmanns Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Ein Jahr lang reist er mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen in einem umgebauten Mercedes-Bus durch Deutschland und Frankreich. Unterwegs besucht er Menschen, die sich für besondere Lebensformen entschieden haben. So war sie schon zu Besuch im oben erwähnten Dorf Tempelhof und auch beim Hardcore-Ökobauern Gottfried. Ich bin gespannt, wie die Reise weitergeht und wen die Familie noch so alles trifft.

Und jetzt: Schönes Wochenende!

Generationenmanifest: Weg von „Nach mir die Sintflut!“

Die Gesellschaft hat ein Problem. Nicht nur eines, Hunderte! Probleme, über die man sich in Gesprächen müde diskutiert, über die man sich aufregt, wenn man von ihnen in den Medien liest. Probleme, die meistens mit dem Gedanken einhergehen, dass wir zwar in einer bewundernswerten Demokratie leben, aber die Leute da oben, die Politiker, nicht immer wissen, was sie tun. Oder bewusst Entscheidungen treffen, die wir nicht unterstützen wollen. Bald will der Staat von mir als mündigem Bürger wieder ein Kreuzchen haben: Am 22. September steht die nächste Bundestagswahl an. Meistens bin ich mir nicht ganz sicher, wen ich wählen soll. Im Grunde ähneln sich die Wahlprogramm der großen Parteien doch stark. Und so einseitig orientierte Parteien wie die Anti-Euro-Partei kann ich nicht ernst nehmen. Im Zweifel setze ich mein Kreuzchen also irgendwo in der Mitte. Ob sich dadurch etwas in meinem Sinne verändert? Ich bezweifle es ….

Meine letzte politische Handlung ist noch keine zwei Stunden alt. Ich habe meine Unterschrift unter eine Liste von Forderungen gesetzt, die den Gewinnern der nächsten Bundestagswahl eine Richtung vorgeben sollen. Diese Liste nennt sich Generationenmanifest. Die darin enthaltenen Forderungen beschäftigen sich mit Themen wie: Klimawandel, Energiewende, Staatsverschuldungen, die Macht der Finanzindustrie, die Ausbeutung von Drittländern, Änderungen im Bildungssystem, politische Mitsprache, soziale Chancengleichheit (insbesondere den Mindestlohn) und den mehr als hinfälligen Generationenvertrag. Im Grunde geht es darum, unseren Kindern eine gesunde Umwelt und eine funktionierende Gesellschaft zu hinterlassen, anstatt alles ohne Rücksicht auf die Zukunft an uns zu reißen und zu verbrauchen. „Ja!“ habe ich innerlich bei jedem dieser Punkte geschrien. Das schreiben die Initiatoren selber zu ihrer Aktion:

„Wir fordern eine Strategie des Wandels für Deutschland, Europa und die Welt. Zukunftsfähigkeit erfordert mehr als ein paar kosmetische Korrekturen. Und sie braucht den Schulterschluss mit den Schwellen- und Entwicklungsländern, die aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung eine besondere Bedeutung für alle Themen der Nachhaltigkeit haben. Wir müssen mit langem Atem und konsequent auf eine ökologisch und sozial gerechtere Gesellschaft hinarbeiten. Wir fordern alle Politiker auf, sich in ihren Entscheidungen nicht abhängig von kurzzeitigen Wahlprognosen, Machtverschiebungen oder Lobbyinteressen zu machen. Wir fordern sie auf, ihre Kraft uneingeschränkt dem Wohle der heutigen und zukünftigen Generationen zu widmen, ihren Nutzen zu mehren und Schaden von ihnen abzuwenden.“

 

Ins Leben gerufen wurde diese Initiative von einigen Prominenten, wobei unter diesen Begriff sowohl Künstler als auch Wissenschaftler, Autoren, Unternehmer und Politiker fallen. Eben fast alles Menschen, von denen man irgendwo schon einmal gelesen oder gehört hat. Das Ziel steht fest: Bis zur Bundestagswahl sollen 100.000 Unterschriften zusammenkommen. 35.000 gibt es bereits. Wenn jeder von diesen Unterzeichnern — so die Idee — nur 10 weitere Menschen dazu bekommt, es ihnen nachzumachen, müsste das zu schaffen sein. Wenn ihr also einer von meinen 10 angeworbenen Unterzeichnern sein wollt, dann gebt doch einfach hier eure Stimme ab.

Letztlich ist es doch so: Der Einzelne kann sich anstrengen und ein vorbildliches Leben führen, wenig Müll produzieren und Energie verschwenden, wenig und bewusst konsumieren, seinen Mitmenschen helfen und sich allgemein Gedanken um sein Verhalten machen. Wirklich etwas an der Situation ändern kann aber nur Politik, indem sie Gesetze ermöglicht, die zwar ungemütlich sind, aber die Menschen (die doch gerne gemütlich sind) dazu zwingen, sich anders zu verhalten. Ein Beispiel: Eine Abgabe auf Plastiktüten. Bei fast jedem Einkauf bekommt man die Dinger ungefragt in die Hand gedrückt, dann werden sie im Durchschnitt aber nur 25 Minuten lang benutzt, bevor sie im Müll landen. Eine Plastiktüte benötigt 500 Jahre um zu verrotten! In Irland wurde bereits 2002 eine Steuer auf Plastiktüten erhoben, seitdem hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch drastisch verringert. Es wäre also ein Kinderspiel, den Verbrauch dieser unnützen Werbeflächen auch hier zu senken, was dem Staat sogar noch einen satten Batzen Geld einbringen würde. Warum also lehnen unsere Politiker solche Maßnahmen ab? Ich komme da einfach nicht mehr mit. Die Lobbyisten der deutschen Einzelhändler allerdings schon.

Genug aufgeregt für heute. Und nicht vergessen: Unterschreiben!

„Und davon kann man leben?“

Beim Thema bewusst und minimalistisch leben kommt meiner Meinung ein Aspekt immer zu kurz: Die Arbeit und das liebe Geld. Also möchte werde ich jetzt hier ein paar Gedanken verlieren zum schnöden Mammon im Allgemeinen und zur Selbstständigkeit im Besonderen.

Über Geld redet man nicht, noch weniger als über Details des Sexlebens. So ist das hier in Deutschland. Höchstens der Glaube wird als noch privater empfunden als der Kontostand oder die Gehaltsabrechnung. Ich finde das — gelinde gesagt — total bescheuert. Wie viele Angestellte werden ungerecht bezahlt, weil sie nicht wissen, was ihre Kollegen verdienen? Wie viele Selbstständige ziehen in Verhandlungen den Kürzeren weil sie nicht wissen, was ihre Konkurrenz verlangt? Kurz gesagt: Wir kleinen Leute schießen uns mit dieser Haltung selber ins Knie, während die Chefs dieses Landes sich ins Fäustchen lachen.

Minimalismus bedeutet weniger Geld auszugeben für unnötige Dinge. Wer etwas nicht kauft muss das Geld dafür nicht erst verdienen, kann also weniger arbeiten und hat daher mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Ich finde diese Logik so unglaublich einfach und zutreffend, dass ich nicht verstehe wie viele Leute immer mehr arbeiten oder Schulden aufnehmen um immer mehr unnötigen Besitz anzuhäufen. Oder wie der US-amerikanische Humorist Will Rogers (1879-1935) sagte:

“Zu viele Leute geben Geld aus, das sie nicht verdient haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen.”

 

Er hat sowas von Recht!

Arbeiten müssen wir trotzdem, wenn wir nicht gerade ein Leben als selbstversorgende Einsiedler anstreben, die von dem zehren, was ihre Ziegen an Brauchbarem abwerfen. Und da ist dann der Haken an der Sache: Wer eine feste Vollzeitstelle hat kann sein Arbeitspensum und daher sein Einkommen nur schwer an seinen momentanen Geldbedarf anpassen. Jeder Personalchef würde entsetzt mit dem Kopf schütteln, wenn man in diesem Monat 40 Stunden in der Woche arbeiten möchte und im kommenden wieder nur 20. Diesen Luxus genießen nur die Selbstständigen, und nicht einmal davon alle (wer 10 Angestellte hat kann nicht plötzlich das Arbeiten einstellen). Daher finde ich auch viele Ratgeber wie beispielsweise „Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ von Timothy Ferriss, die von solch flexiblen Arbeitsmodellen ausgehen, realitätsfern für die meisten seiner Leser.

Ich habe das Glück, über meine Arbeitszeit selbst entscheiden zu  können. Seit jetzt 1,5 Jahren bin ich Freiberuflerin, und ich habe noch keinen einzigen Tag bereut. Es ist für mich ein Luxus, dass ich mir freinehmen kann, wann ich will, dass ich nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit aufstehen muss, dass ich Aufträge auch mal ablehnen kann. Auch wenn das bedeutet, dass ich weniger verdiene als ich es womöglich als Festangestellte täte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass viele Angestellte insgeheim von der Selbstständigkeit träumen. Ich frage mich, ob das dieselben Leute sind, mit denen ich manchmal solche Gespräche führe:

„Und wo arbeitest du?“
„Ich bin selbstständig.“
„Ah… und als was?“
„Ich bin freie Journalistin, ich schreibe.“
„Und davon kann man leben?“

Dass die Produktion eines Textes echtes Geld wert ist, können einige Menschen nicht verstehen. Ich nehme es ihnen auch gar nicht übel, schließlich gibt es viele Verlage, die ähnlich denken (ich sage nur: 13 Cent pro Zeile). Noch besser bringt es folgender Dialog auf den Punkt, den es wirklich gegeben hat:

„… und dann habe ich mich direkt nach dem Volontariat selbstständig gemacht.“
„Oh, hast du keinen Job gefunden?“
„Ich habe gar nicht gesucht, ich wollte das so.“

Selbstständigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Arbeitslosigkeit, auch wenn davon offenbar viele Nicht-Selbstständige überzeugt sind. Auch nicht mit Faulheit. Ich glaube nicht, dass alle Angestellten ihren vorgeschriebenen 8-Stunden-Tag auch mit acht Stunden Arbeit füllen. Mir ist es auch schon oft passiert, dass ich für einen Arbeitstag in einer Redaktion gebucht wurde und ab drei Uhr die Zeit totgeschlagen habe, weil es einfach nichts mehr zu tun gab. Wenn ich in meinem kleinen Heimbüro arbeite, dann beeile ich mich mit meinen Aufgaben. Je schneller und konzentrierter ich mich dem Projekt widme, desto eher bin ich fertig und desto mehr Freizeit habe ich. Kein Chef kann mir vorschreiben, dass ich noch länger an meinem Schreibtisch sitzen bleiben muss.

Geld bedeutet für mich Freiheit und Unabhängigkeit. Ich brauche ein gewisses Polster, um beruhigt einschlafen zu können. Das finanzielle Risiko, das viele Menschen an der Selbstständigkeit abschreckt, empfinde ich nicht als belastend. Eine freie PR-Beraterin hat kürzlich in einem Seminar über ihren Start in den Selbstständigkeit erzählt und den schönen Satz gesagt: „Das Leben trägt einen.“ Ihr gegenüber saßen 20 Journalisten der Westfälischen Rundschau, die gerade genauso wie 100 ihrer Kollegen ihren festen Job verloren hatten und nun zitternd vor der Möglichkeit der Selbstständigkeit standen. Jeder von ihnen hatte damit gerechnet, seine Arbeitsstelle bis zur Rente zu behalten. Und dann wurde die Zeitung einfach dicht gemacht. Wo bitte ist da die Sicherheit? Sicherheit habe ich, wenn ich mir ein Unternehmen aufbaue, dessen Entwicklung ich selbst bestimmen kann. So denke ich, aber die Sicherheitsfrage ist eine sehr subjektive. Ich erinnere mich lieber an diesen Satz der PR-Beraterin und denke nicht an all die Schrecken, die einem vielleicht passieren könnten.

Kürzlich tat sich für mich die Chance auf eine Festanstellung (ich muss beim Wort immer an das Lied von den Ärzten denken) auf. Gut bezahlt sei der Job, so wurde mir gesagt. Ein guter Verdienst bedeutet für viele Menschen in meiner Umgebung leider noch immer ein Status-Upgrade: Mehr Geld gleich Eigenheim und/oder teure neue Küche, Sommerurlaub in der DomRep, Skiurlaub und ein spritfressener Neuwagen mit allem technischen Schnickschnack, den es so gibt. Oder einen Mercedes. Ich komme da nicht mit. „Hast du schon gehört, XY hat sich jetzt den neuen YX gekauft.“ höre ich oft. Was bitte sagt es aus, wenn mir jemand erzählt, dass sich irgendwer, den ich kaum kenne, ein Auto gekauft hat, das ich noch weniger kenne? Was haben alle immer mit diesen Autos? Autos sind nervig, sie sind teuer und gehen ständig kaputt und leider ist man hier auf dem hügeligen Land auf sie angewiesen, weil sie einen von A nach B bringen. Was der Bus nur drei Mal am Tag schafft. Das fällt mir spontan dazu ein. Meiner Meinung nach ist man auch kein Versager, wenn man mit 35 noch in einer Mietwohnung lebt. Wofür man sein Geld ausgibt oder auch nicht, ist eine persönliche Entscheidung, in die einem niemand reinzureden hat.

Also versuchte ich mich in diese Situation einer Festangestellten hineinzuversetzen. Die Aufgabe: Interessant, aber nicht gerade mein Traumjob. Mein Alltag: Im besten Fall Gleitzeit, trotzdem Kernarbeitszeiten und 40-Stunden-Woche, Überstunden möglich, 30 Tage Urlaub im Jahr. Der Lohn: Mehr Geld. Aber weniger Zeit. Fazit: Wozu das Ganze? Ich habe jetzt das, wovon angeblich viele Angestellte träumen, nämlich einen Job, in dem ich mein eigener Chef bin, und soll es wieder aufgeben? Es wäre kein guter Tausch. Nicht Geld macht glücklich, sondern die Freiheiten, die es einem ermöglicht. Und wo sind meine Freiheiten hin, wenn ich den Großteil meiner wachen Zeit für jemand anderen arbeite?

Ich hoffe, dass sich für die Stelle jemand findet, der nicht von der Selbstständigkeit träumt. Jeder soll so arbeiten, wie es zu ihm oder ihr passt. Und den anderen ihren eigenen Weg zugestehen.

Nie mehr Fernsehen? Fazit der TV-Diät

Der Juni ist rum und damit auch meine (von gelegentlichen Rückfällen unterbrochene) TV-Diät. Und wie nach jeder Diät warte ich jetzt ängstlich und gespannt auf den Jojo-Effekt: Nächtelange Zapping-Exzesse, ein heißlaufender DVD-Player und ein schmerzender Daumen vom ständigen Umschalten. Und? Nichts. Komisch. Ich glaube, ich habe keinen Spaß mehr am Fernsehen.

Der laufende Fernseher, das müsst ihr dabei wissen, gehörte und gehört in meiner Familie immer zu den ständigen Hintergrundgeräuschen. Auch wenn niemand schaut, läuft das Ding. Warum das so ist, weiß ich nicht. In meiner Studentenbude habe ich diese Tradition quasi fortgeführt: Der Fernseher war meine Gesellschaft. Hört sich jetzt traurig und ein bisschen ärmlich an, aber da ich nie, niemals in einer WG wohnen wollte, war mir dieser Ersatz lieber als Mitbewohner, die nicht mit einer Klobürste umgehen können.

Danach hat sich mein TV-Konsum auf den Abend reduziert. Aber er gehörte dazu: 20.15 Uhr war Fernsehzeit. Dass ich sogar trotz erweiterter (und sehr teurer) Programmauswahl nur selten eine Sendung gefunden habe, die mich a) interessiert und die ich b) noch nicht gesehen habe, ist mir dabei gar nicht so sehr aufgefallen. Aber mal ehrlich: Was gibt es sinnloseres, als einen Film ein zweites Mal zu sehen (abgesehen vielleicht vom Lieblings-Herzschmerzfilm mit dem Lieblings-Anschmachtschauspieler)?

Anfangs fiel mir der TV-Verzicht nicht leicht. Abends wusste ich nicht mehr, was ich tun sollte. Dabei hatte ich mir so viele Sachen überlegt: Brot backen, stricken, Marmelade einkochen usw. Vieles davon ist unerledigt geblieben, weil Fernsehen für mich nicht nur Ablenkung ist, sondern auch einen gewissen informativen Input bedeutet. Und den brauche ich einfach. Also habe ich stattdessen gelesen (und die Ebooks des Bücherriesen für mich entdeckt). Was ich lese, interessiert mich garantiert. Und wenn doch nicht mehr, dann lese ich eben etwas anderes.

Zum Schluss zur Frage von Christof von einfachbewusst.de: Wie geht es im Juli weiter? Und werde ich meinen Fernseher vielleicht sogar verkaufen? Letzteres: Nein. Er gehört mir nicht alleine und auch wenn es so wäre würde ich auch weiterhin nicht auf einen gelegentlichen Fernsehabend verzichten wollen. Ob ich wieder fernsehen werde? Wenn ich Lust darauf habe. Und die ist bisher  — zum Glück — nicht besonders stark. Ein Versuch am vergangenen Freitag hat mir gezeigt, dass der Reiz irgendwie weg ist. Außerdem möchte ich die gewonnen Zeit nicht missen.

Urlaub auf dem Hausboot

Fast zwei Wochen habt ihr jetzt nichts von mir gehört, und das hatte einen guten Grund: Ich war im Urlaub. Ohne Laptop. Ganz schlechtes Internet. Ihr versteht. Wo ich war? Auf einem Hausboot, mit dem wir (mein Freund, ein weiteres Pärchen und ich) sieben Tage über die untere Havel geschippert sind. Und weil dieses Hausboot, was eigentlich ein Bungalowboot ist (darum heißt es auch BunBo), eher eine schwimmende Scheune war als ein Fünf-Sterne-Hotel, breite ich jetzt hier vor euch meine Urlaubserinnerungen aus. Continue reading…

Halbzeit der TV-Diät

Zwei Wochen meiner Juni-Fernsehdiät habe ich jetzt hinter mich gebracht und ich muss sagen: Es ist nicht so schlimm, wie ich dachte. Den nächsten beiden Wochen schauen ich also entspannt entgegen. Wobei ich auch dann ein bisschen mogeln werde. Aber dazu später mehr.

Zunächst muss ich gestehen, dass ich mir ein paar Ausnahmen genehmigt habe. Wie bereits angekündigt habe ich zwei TV-Kritiken geschrieben, einmal über das Promispecial von „Wer wird Millionär?“ (3 Stunden) und einmal über Maybrit Illner (1 Stunde). Diese Sendungen musste ich mir natürlich persönlich ansehen. Ansonsten wollte ich nicht auf drei gemütliche Fernsehabende mit meinem Freund verzichten (insgesamt ca. 6 Stunden). Macht also zusammen 10 Stunden Fernsehen in zwei Wochen. Im Vergleich zu den ungefähr 21 Stunden in der Woche, die ich zuvor konsumiert habe, ich das in meinen Augen ein großer Fortschritt. Ich zähle die Momente, in denen ich an einem eingeschalteten Fernsehgerät vorbei gelaufen bin, jetzt mal nicht mit.

Abends bleibt die Flimmerkiste jetzt aus. Das fühlt sich sehr befreiend an, da ich zuvor immer eine zeitliche Barriere im Kopf hatte: Um 20.15 Uhr musste ich zuhause sein bzw. fertig mit allen Dingen, die ich an diesem Tag zu erledigen hatte. Jetzt löst dieser Zeitpunkt keine Alarmglocken mehr in meinem Kopf aus.

Außerdem gehe ich viel früher ins Bett. Lesen kann ich schließlich auch dort, es ist sogar viel gemütlicher als auf dem Sofa. Dort schlafe ich übrigens auch dann ein, wenn der Fernseher nicht läuft. Vielleicht ist es eine Gewohnheit oder das Sofa ist einfach so gemütlich. Beides Dinge, die eigentlich so schlecht nicht sind.

Bislang habe ich noch nicht alle Dinge erledigt, die ich mir als TV-Alternative vorgenommen hatte. Ich habe genau ein Brot gebacken, kein einziges Glas Marmelade gekocht, beherrsche noch immer kein Steno und die angehäkelte Jacke liegt noch immer unvollendet in ihrer Kiste. Dafür habe ich wie gesagt viel gelesen.

Der Rest meiner Fernsehdiät wird ein Kinderspiel, weil ich nächste Woche in den Urlaub fahre. Auf dem Hausboot in Brandenburg, das wir gemeinsam mit Freunden gemietet haben, gibt es keinen Fernseher, noch nicht einmal genug Strom für einen Föhn. Dafür haben wir einen Grill und Mückenspray, damit kann man sich auch ganz nett beschäftigen.

Linktipps zum Wochenende: Upcycling, und zwar jeden Dienstag

Müll und abgenutzte Dinge müssen nicht zwangsläufig in der Tonne landen. Es gibt Menschen, die finden das Kunstwerk im Plastiktütenberg. Wenn aus Abfall neue, praktische oder schöne Dinge entstehen, nennt man das Upcycling. In meinen Vorwochenend-Linktipps habe ich zwei inspirierende Blogs für euch sowie zwei Buchtipps.

www.weupcycle.com: Zwei Studentinnen aus Wien haben sich das Ziel gesetzt, jeden Tag eine Upcycling-Idee auf ihrem Blog zu posten, und das einen Monat lang. Aus 30 eingesendeten Vorschlägen sind mittlerweile mehrere Hundert geworden. Das geht vom Handyhalter aus einer Shampoo-Flasche bis hin zur Umhängetasche aus Schokoladen-Verpackungen. Zu vielen Ideen gibt es ausführliche Tutorials, allerdings nicht direkt auf dem Blog.

www.zepideh.blogspot.de: Jeden Dienstag packt Bloggerin Nina Stoffschere, Bastelkleber und Filzstift aus und zaubert aus alten Dingen schöne neue Sachen. Ihre Projekte gibt es immer mit einer ausführlichen, sehr gut bebilderten Anleitung. Das Ganze nennt sich „Upcycling-Dienstag“ und hat sich bereits herumgesprochen. Nina werkelt nicht nur selber, sie sammelt an diesem Tag auch die Projekte anderer kreativer Blogger und präsentiert sie auf ihrer Pinnwand bei Pinterest. Genug gesagt, stöbern müsst ihr schon selber.

Kompakt und gedruckt gibt es Upcycling-Inspiration auch in zwei Büchern von Henrietta Thompson. In Mach neu aus Alt: Welt retten, Geld sparen, Style haben gibt die Autorin Tipps, wie man aus Filmdosen Salzstreuer macht, aus Euro-Paletten Möbel und aus Einmachgläsern Gewürzregale. In dem Folgebuch Mach neu aus alt: Kleidung und Accessoires geht sie hauptsächlich auf Upcycling im Kleiderschrank ein. Beide Bücher sind zwar ordentliche Wälzer, aber zum immer mal wieder reinschauen sehr geeignet.

Zum Kaufen verführt

Wie groß der Einfluss ist, den Werbung auf mein Kaufverhalten hat, konnte ich bisher schlecht einschätzen. Erst, seitdem ich versuche, weniger zu kaufen, bin ich mir dessen bewusst geworden. Das Gefühl, etwas kaufen zu müssen, habe ich nicht, wenn ich spazieren gehe, telefoniere oder Wäsche wasche, sondern wenn ich Werbung sehe. Und die ist allgegenwärtig.

Für Anfänger mit beweglichen Daumen – TV-Werbung: „Das Brot hat die Helene Fischer in der Werbung auch gegessen“ habe ich letztens bei einer Grillparty gehört. Hm, schmeckt es deshalb besser? Nicht unbedingt, aber man wird neugierig, möchte das Produkt einmal ausprobieren, das man in den Händen einer Prominenten gesehen hat. Vielleicht, weil man dieser Person unbewusst gerne in der einen oder anderen Hinsicht ähnlicher wäre. Und wenn man das Brot einmal gekauft hat, hat der Hersteller schon gewonnen. Glücklicherweise ist TV-Werbung dank meiner Fernseh-Diät gerade kein Problem für mich. Aber gerade jetzt merke ich, wie stark ich mich davon bisher habe beeinflussen lassen.
Was dagegen hilft: Wegzappen oder den Fernseher ausschalten.

Für Fortgeschrittene – Werbung in Magazinen, Zeitungen, Katalogen: Jeden Sonntag flattert eine kostenlose Anzeigenzeitung in unseren Briefkasten, prall gefüllt mit Prospekten. Die gucke ich mir auch immer gewissenhaft an, aus Gewohnheit. Und dabei fangen die Gedanken an zu kreisen: „Och, das ist aber günstig da, das habe ich schon viel teurer gesehen.“ „Das könnte ich wirklich mal wieder gebrauchen.“ „Sowas habe ich ja schon immer gesucht.“ In diesem Moment entstehen Bedürfnisse und Mangelerscheinungen, die zuvor gar nicht da waren.
Was dagegen hilft: Prospekte direkt im Müll verschwinden lassen.

Für Profis mit Gedächtnislücken – Werbung im Internet: Pop-ups und Werbebanner sind manchmal einfach nur nervig, meistens zu ignorieren und im schlimmsten Fall verführerisch. Denn plötzlich erscheint da in der Peripherie meiner Netzhaut ein Gegenstand, der meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dem Blick folgt der Mouse-Zeiger und zwei Klicks später fragt mich mein Paypal-Konto auch schon, ob ich die Bestellung abschließen möchte. Einkaufen im Internet ist deshalb so verlockend und gefährlich, weil man für den gesamten Vorgang – von der Begutachtung der Ware bis zur Zahlung – den Schreibtischstuhl nicht verlassen muss. Das Geld verschwindet anschließend unbemerkt vom Konto.
Was dagegen hilft: Das Passwort für das Paypal-Konto ändern und ganz schnell vergessen.

Nur für Experten – Empfehlungen von Freunden und Shopping-Touren: Ein Besuch im Einkaufszentrum mit der Freundin ist wirklich nur etwas für Hartgesottene oder Masochisten. Ich weiß jetzt spontan nicht, zu welcher Gruppe ich mich zählen soll, aber ich habe es getan! Und ich habe widerstanden! Bis auf das Geschenk, das ich sowieso kaufen musste, habe ich mein Portemonnaie nicht einmal gezückt (die 50 Cent für die Klofrau rechne ich jetzt mal nicht mit). Auch Empfehlungen von Freunden können die guten Vorsätze schnell zunichte machen. Nicht ohne Grund haben Werber nachts feuchte Träume von „viralen Empfehlungsmarketing-Kampagnen“. Allerdings möchte ich diese Methode als einzige der oben aufgeführten nicht missen. Denn Menschen, die ich schätze und mag, wollen mir mit ihrer Empfehlung helfen. Und bei solchen Tipps möchte ich nicht weghören.
Was dagegen hilft: Shopping-Center meiden und Freunde so lange und fies beleidigen, bis sie ihre Empfehlungen für sich behalten.