Minimalismus, Lifestyle, Öko, Nachhaltigkeit

Öko- oder Lifestyle-Minimalismus?

 

Minimalismus ist nicht gleich Minimalismus. Es gibt zwei Strömungen, die ich als nachhaltigen Minimalismus und als Lifestyle-Minimalismus bezeichnen möchte. Warum es nicht leicht ist, beide zu vereinen.

Einfacher leben. Darum geht es in diesem Blog. Klingt einfach, isses aber nicht. Denn was ist damit gemeint? Für die einen bedeutet „einfacher leben“ sich möglichst keine Sorgen zu machen, Zeit zu sparen bei Dingen, die keinen Spaß machen, unkompliziert zu leben eben. Eine Art Lifestyle-Minimalismus, in dem Erfahrungen mehr zählen als Besitz. Dem kann ich sehr viel abgewinnen. Für andere bedeutet „einfach leben“ sich auf grundlegende Fertigkeiten zu besinnen, vieles selber zu machen, „back to the roots“ zu praktizieren. Nachhaltigkeit und Genügsamkeit sollen den ökologischen Fußabdruck verkleinern. Dem kann ich auch sehr viel abgewinnen.

Beides widerspricht sich jedoch ein wenig. Nehmen wir mal mein Lieblingsbeispiel, das Smartphone. Ein Smartphone macht mir das Leben leichter. Ich kann damit kommunizieren, Fotos machen, Notizen festhalten, mich orientieren, Informationen herausfinden, im Dunkeln leuchten, meine Bewegung und meine Nahrungsaufnahme protokollieren, mir die Zeit vertreiben, Bücher lesen, Musik hören, mich davon wecken lassen und und und. Smartphones sind die neuen Schweizer Taschenmesser. Es gibt Menschen, die verzichten bewusst auf ein Smartphone und besitzen höchstens ein einfaches Tastenhandy. Sie finden, dass das ihr Leben einfacher macht, obwohl sie auf viele bequeme Funktionen beispielsweise die Taschenlampe keinen Zugriff haben. Dass sie durch ihren Smartphone-Verzicht die Umwelt schonen, ist ihnen wichtiger, als der praktische Nutzen des Gerätes.

Bequemlichkeit vs. Nachhaltigkeit

Immer wieder lese und gebe ich den Tipp, alles zu digitalisieren und beispielsweise nur noch E-Books zu lesen (meine zum Beispiel). Ich mag E-Books, sie sind praktisch und einfach in der Anschaffung. Menschen, die ein einfaches Leben im Sinne eines ursprünglichen Lebens bevorzugen, besitzen ebenfalls keine Bücher. Sie leihen sie in der Bibliothek. Auch das tue ich regelmäßig. Es ist einfacher, alles wegzuwerfen, was man nicht braucht, und es im Zweifelsfalls neu zu kaufen. Aber es ist nachhaltiger, Dinge so lange zu benutzen, bis sie nicht mehr funktionieren. Auch wenn das heißt, dass sie eine Weile ungenutzt auf dem Dachboden vor sich hinstauben. Es ist einfacher, Shirts im Fünferpack im Laden um die Ecke zu kaufen, als erst einen fair produzierenden Biohändler zu finden. Es ist einfacher, jeden Tag essen zu gehen, als selber zu kochen.

Meistens fühle ich mich zwischen diesen beiden Polen hin- und hergerissen. Ich möchte gerne ursprünglicher und nachhaltiger leben, mehr selber machen und können, weniger von der Technik abhängig sein. Doch ich möchte auch einfach leben, mit wenig Stress, Dinge tun, die mir Spaß machen, etwas erleben. Beispielsweise würde ich gerne mehr reisen. Man lebt nur einmal und was zählt, sind schließlich die Erinnerungen, oder? Doch dann fällt mir wieder ein, dass Flugreisen das Schlimmste sind, was ein einzelner Mensch dem Planeten antun kann. Im Sinne eines einfachen, nachhaltigen Lebens ist das nicht. Ich bin froh, dass meine Arbeit hauptsächlich übers Internet läuft und ich nicht mehr jeden Tag irgendwo hinfahren muss. Toll, dachte ich, da habe ich ja eine Menge Benzin gespart. Wegen mir muss niemand mehr eine neue Straße bauen. Total umweltfreundlich und ressourcensparend. Doch dann habe ich herausgefunden, dass jede Anfrage bei Google so viel Energie verbraucht wie eine Glühbirne, die eine Stunde lang leuchtet. Darüber war ich ziemlich geschockt. Unsere ganze neue Technik, die unseren Alltag in vielerlei Hinsicht einfacher macht, benötigt seltene Erden, und deren Abbau ist nicht weniger umweltschädlich und unfair wie die Rohölproduktion. Oder ganz banal: Ich finde Upcycling super, gleichzeitig habe ich keine Lust, allen möglichen Kram aufzuheben in der Hoffnung, damit noch mal etwas schönes basteln zu können.

Kurz gesagt: Ich befinde mich in einer Zwickmühle zwischen dem Wunsch, einfach zu leben und dem Wunsch nach einem einfachen Leben.

Denn Verzicht kann das Leben auch verkomplizieren. Das Beispiel mit dem Smartphone und der Taschenlampe ist nur eines von vielen. Tiny Houses, also diese kleinen Häuser auf Rädern, faszinieren mich total. Ich stelle es mir schön vor, darin zu leben und nur die Dinge zu besitzen, die ich wirklich benötige. Doch mein Leben würde das nicht sehr vereinfachen. Es würde mehr Arbeit anfallen, als in einer normalen Wohnung. So ein Kompost-Klo muss regelmäßig geleert werden, hier betätige ich nur die Spülung. Ständig muss man sich Gedanken machen, ob der Wasserspeicher noch voll genug ist. Wenn man zu zweit oder als Familie dort wohnt, kann man sich nur schwer aus dem Weg gehen. Das Leben in einem Tiny House ist zwar ursprünglicher, aber bestimmt nicht einfacher.

Es ist nachhaltiger, Gemüse im eigenen Garten zu ziehen. Aber einfacher ist es nicht. Im Gegenteil bedeutet so ein eigener Garten eine Menge Aufwand. Möchte man in einer nachhaltigen Gesellschaft leben, sollte man sich in lokalen Vereinen und Initiativen engagieren. Das kostet aber Zeit, es ist mühsam und letztlich eine weitere Verpflichtung, die man im eigenen Terminkalender unterbringen muss.

Ich glaube es ist hilfreich, sich über seine persönlichen Ziele klar zu werden. Was will ich? Was ist mir wichtiger? Und vor allem: Was will ich mit Minimalismus erreichen? Will ich ein entspannteres Leben oder die Welt zu einem bessern Ort machen? Und wenn ich beides will, wie bekomme ich das hin?

Zum Glück haben beide Lebensstile eines gemeinsam: Die Abneigung gegen übermäßigen Besitz und Konsum. Dort überschneiden sich die Interessen. Einen neuen Gegenstand nicht zu kaufen ist nachhaltig, egal, aus welchen Motiven das geschieht.

Kennst du meine Zwickmühle? Was ist dir wichtiger: Ein einfaches, nachhaltiges Leben oder einfach zu leben? Bist du eher Lifestyle-Minimalist oder Öko-Minimalist?

Kennst du schon meinen Newsletter? Einmal im Monat schicke ich dir ein mit ganz viel Liebe und Hirnschmalz zusammengestelltes Schmökerpaket  mit Lesetipps zum Thema einfaches Leben und Minimalismus. Trage dich hier ein und du bekommst als kleines Begrüßungsgeschenk mein E-Book „Minimalistisch schick: 10 Tricks, die dein Styling von Grund auf einfacher machen“.

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36 Kommentare

  1. Hallo Pia,

    ja, die Zwickmühle kenne ich tatsächlich. Das ist meiner Meinung nach sogar nur eine von vielen, die ich in puncto Minimalismus habe. Darüber schreibe ich demnächst mal.

    Reisen kann man auch nachhaltig, indem man langsam reist (noch so ein Thema, das auf der Liste steht) und alternative Transportmittel als Flugzeuge nutzt, falls es möglich ist. Prinzipiell macht es zwar nicht alle Schäden wett, die bei der Gewinnung von Kerosin, Benzin oder Diesel entstanden sind, aber es gibt Programme zur Wiederaufforstung, um dem eigenen ökologischen Fußabdruck entgegenzuwirken. Manche mögen das als Augenwäscherei abtun, aber ich empfinde es als wichtigen Schritt. Jedes kleine Bisschen hilft.

    Deine genannten Strömungen erkenne ich häufig wieder. Ich würde mich selbst irgendwo dazwischen ansiedeln. Es hat eben jeder seinen eigenen Minimalismus. Ich würde gern nur noch das besitzen, was in meinen Rucksack passt. Dann kann ich aber nicht mehr selbst kochen und backen. Und ich müsste mich für jeden Winter neu einkleiden. Das möchte ich aber nicht.

    Lieber Gruß,
    Philipp

  2. Hallo Pia,

    Lifestyle. Die Strapazen des einfachen Lebens sind mir auch zu anstrengend. Sonnenblumen gießen? Ich kaufe mir lieber eine. Marmelade kochen? Ich suche schon länger eine ohne kochen und für ein einziges Brot.

    Die Tiny Häuser finde ich zu teuer und ein Klotz am Bein. Die Umzüge sind kompliziert wenn man Anschlüsse braucht. Für das Geld kriegt man manchmal schon eine Wohnung und die hat noch Bausubstanz nach 30 Jahren.

    Ich finde Minimalismus auch manchmal teuer weil ich mir Sachen wieder kaufe, die ich mal abgeschafft habe wie Leinwände und Farben. Smartphone und Flüge mag ich beides nicht. Das ist kein Verzicht. Ich kenne viele ohne E-Mail. Sie haben recht. Die neuen Medien sind Zeitfresser und was bringen sie uns denn?

    Liebe Grüße und schöne Ostern für dich
    Tanja

    • Pia

      Hallo Tanja,

      Als ich den Artikel geschrieben habe, musste ich die ganze Zeit an dich denken. Du bist schon ziemlich klar in deinen Ansichten, das finde ich toll.

      Dir auch schöne Ostern (so auf den letzten Drücker)

      LG
      Pia

  3. Linda

    Hallo Pia, den goldenen Mittelweg suche ich auch noch. Dass eine Googlesuche soviel verbraucht wie eine Stunde Glühbirne brennen lassen, wusste ich auch nicht. Was zu reparieren geht, lasse ich reparieren. Alles andre wird solange benutzt bis es nicht mehr geht. Mir reicht in der Küche auch ein guter Handmixer, ich brauche keine Küchenmaschine. Ich versuche beides zu sein.

  4. Liebe Pia,
    viele Deiner Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen, da selber in diesem Zwiespalt stecke. Wie Phillip schon geschrieben hat, gibt es durchaus noch mehr minimalistische „Ideologie-Konflikte“. Mein Lieblingsbeispiel ist ja „dürfen Minimalisten Vollzeitjobs haben (oder überhaupt abhängige Beschäftigung). Interessanterweise war genau das mein Weg zum Minimalismus, da ich neben meiner Arbeit mich nach weniger Overflow und Nervigkeiten gesehnt habe.
    Auch wenn ich es selbst nicht bin, finde ich auch extreme Minimalisten sehr spannend und inspirierend. Dennoch darf doch am Ende jeder für sich selber entscheiden, was für sie oder ihn wichtig ist und was wiederum eben nur unnötiger Ballast ist. Und auch das kann und wird sich natürlich auch von Zeit zu Zeit mal ändern.
    Lasst uns doch nicht festgefahrende Ideale durch neue festgefahrene Ideale ersetzen.
    Alles Liebe
    Ina

    • Pia

      Hallo Ina,

      Gutes Beispiel. Oder dir Frage: Dürfen Minimalisten mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten? Warum nicht? Wenn sie wollen. Sie müssen auch nicht ständig Sabbaticals machen oder Downshiften. Wie du schon sagst: Das muss jeder für sich selber entscheiden.
      Ich hoffe, mein Text klang jetzt nicht so, dass ich hier neue Ideale beschwören möchte. Manchmal helfen mir Kategorien nur, um ein wenig klarer zu sehen. Und hier eben dabei, die verschiedenen Motive zu ergründen. Ich werde auch nie eines von beiden sein. Obwohl das einfacher wäre…

      LG
      Pia

      • Liebe Pia,

        nein klang überhaupt nicht so – ist mir aber in letzter Zeit oft in den Foren / Diskussionen begegnet.
        Ich finde eben gerade die unterschiedlichen Aspekte im Minimalismus interessant. Ich kann deinen inneren Konflikt total gut nachvollziehen, da es mir sehr ähnlich geht. Und wahrscheinlich werde auch ich nie eins von beiden sein. Mittlerweile finde ich das aber auch überhaupt nicht schlimm.

  5. Für mich gibt es nur Lifestyle-Minimalismus. Das da der Öko-Gedanke mit reinkommt, ergibt sich zwangsläufig aus dem „Weniger“ und „Bewusster“, wenn man seinen Konsum mal durchdenkt und was er anrichtet. WENN man das Ganze mal durchdenkt. Ich glaube nicht, dass das viele tatsächlich machen, zumindest nicht die Extrem-Minimalisten wie Ev Bogue oder Colin Beaver.
    Minimalismus – als Begriff – wenn man die Anfänge betrachtet (ich denke da an Kelly Sutton) – existiert ja erst seit kurzem und die Basis dessen ist die Technologie. Warum DVDs und CDs behalten, wenn ich Filme und Musik streamen kann? Warum Bücher kaufen, wenn ich eBooks haben kann? usw.
    Ich kann digital auf alles zugreifen, von überall arbeiten wenn ich will und ich einen Job habe, der dies erlaubt.
    Ein Urban Nomad Minimalist, der aus seinem Rucksack lebt und nur ein Notebook, eine Festplatte und ein Smartphone hat, kann ja trotzdem alles (virtuell) besitzen und Vollzeit arbeiten. Wenn ihm etwas fehlt, kauft er sich halt die digitale Variante.

    Das war der Anfang, die meisten jungen, männlichen Amerikaner sind drauf angesprungen, haben alles rausgeworfen, digital ersetzt und reisen völlig unökologisch durch die Welt.
    Alle anderen hinkten hinterher, gingen es langsamer an und haben beim Entrümpeln erstmal nachgedacht, wie sich der ganze Plunder in erster Linie überhaupt angesammelt hat.
    Das einfache Leben mit der Rückbesinnung auf Dinge, die ohne Technologie auskommen, fällt für mich in dieses „Freiwillige Einfachheit“-Dings, dass es schon seit den 80ern gibt.
    Ein unabhängiges Arbeiten wäre im Sinne der freiwilligen Einfachheit gar nicht möglich, weil es z.B. durch Gärtnerei oder dem Herstellen von Sachen immer orts- und materialgebunden ist.

    So oder so – es ist immer ein Tausch. Man kann Arbeitsstunden reduzieren, um sich die Zeit zu nehmen, Dinge herzustellen. Oder man kann einfach Vollzeit arbeiten und sich nebenbei den Bestseller als eBook runterladen, anstatt Rohstoffe für das gedruckte Exemplar zu vergeuden.
    Beides ansicht ist eine Variante von „ökologisch“.

    Es ist alles eine Frage der Prioritäten. Und solange jeder seine eigene Variante von Minimalismus fährt und andere gar nix an ihrem Konsum ändern, wird sich sowieso gesamtgesellschaftlich und ökologisch nix bewegen, also sehe ich das recht entspannt und versuche bei Laune zu bleiben 😀

    • Ich finde ehrlich gesagt nicht, dass Minimalismus eine Erfindung der Neuzeit ist. Zumindest zeigt mir das Diogenes von Sinope. Klar ermöglichen uns die modernen Technologien, uns relativ schmerzfrei von physischen Dingen zu trennen. Aber auch Technologie kann als belastend empfunden werden. Und inwiefern der digitale Konsum tatsächlich ökologisch nachhaltiger ist, muss ja auch erst noch ergründet werden.

      Bleiben wir beim Beispiel Bücher: Klar werden Ressourcen verbraucht, um Bücher herzustellen und zu transportieren. Dabei handelt es sich aber um nachwachsende Rohstoffe und ist das Buch einmal hergestellt, hat es für die gesamte Lebenszeit mit seiner Bilanz abgeschlossen.

      Wenn ich stattdessen ein Tablet oder einen eReader zum Lesen verwende, benötigen die ebenfalls Ressourcen zur Herstellung – im Gegensatz zum Buch aber seltene Erden. Hinzukommt, dass ich eBooks nicht ohne Stromzufuhr lesen kann. Folglich müsste ich auf die gesamte Lebenszeit eines solchen Gerätes allen Stromverbrauch zusammenrechnen, mit der Bilanz von Herstellung und Transport addieren und dann durch alle Bücher teilen, die ich darauf gelesen habe. Wobei man besonders mit Tablet ja auch noch andere Dinge machen kann.

      Deshalb gibt es für mich da keine einheitliche Definition. Jeder lebt seinen eigenen Minimalismus (oder eben nicht). Wir belasten die Welt ja schon allein durch unsere Geburt, woran wir ja schlecht etwas ändern können. Aber wir können versuchen, das Beste daraus zu machen.

      • Pia

        Hallo Philipp,

        Mal wieder ein toller Kommentar. Ohne so fleißige Kommentatoren wie dich würde hier wirklich was fehlen. Ich finde es immer toll, wenn meine Gedanken ergänzt und erweitert und gerne auch widerlegt werden. Danke dafür und noch schöne Restostern!

        LG
        Pia

        • Gern! Ich gewinne ja selbst unglaublich viele Kenntnisse für mich selbst dadurch. Deshalb auch danke fürs Anregen!

          Danke, das wünsche ich dir auch!

    • Pia

      Hallo Frau DingDong,

      Danke für diese kleine Reise durch die Geschichte des Minimalismus. Die meisten der oben genannten Namen habe ich noch nie gehört und erstmal gegoogelt 🙂

      Entspannt bleiben und sich nicht so viel aus Kategorien machen, da bin ich ganz bei dir.

      LG
      Pia

    • Was ich mich beim Thema eReader vs. Bücher noch frage: Brauchen wir das alles überhaupt? Jetzt sehr philosophisch: Wieso lesen wir überhaupt und machen das gerne? Rein theoretisch ist es gar nicht notwendig.

      Ich finde das System Bücherei gut – benötigt auch Ressourcen, aber ich will gar nicht so viele elektronische Geräte haben. Wobei ich das Tablet meines Mannes benutze, um manchmal Ebooks zu lesen (meist von amerikanischen Minimalismusbloggern).

      Minimalismus so wie wir ihn sehen, halte ich übrigens wirklich noch für ein junges Phänomen – als bewusste Entscheidung, die nicht religiös beeinflusst ist. Wenig besitzen und auch bewusster Verzicht auf eigene Dinge gibt es aber unglaublich viele Beispiele in der Geschichte.
      LG Nanne

      • Ich finde das System Bücherei auch gut. Schriftsteller aber wahrscheinlich eher weniger, weil die ja vom Verkauf leben müssen?

        • Pia

          Naja, Musiker mögen es ja auch, wenn ihre Lieder im Radio gespielt werden, obwohl sie daran nichts oder nicht viel verdienen.

  6. Christine

    Zuallererst: Minimalismus ist nur dann erfolgreich, wenn der einzelne die Reduzierung als Freiheit empfindet. Wer Fülle genossen hat, auch mit den doofen Auswirkungen einer vollen Wohnung und scheinbar endlosen Entrümpelungsaktionen, wird eine fast leere Wohnung als Erleichterung genießen können. Außerdem wird nie wieder so viel Zeug angeschafft, was später aufwändig entsorgt werden muss.
    Selbermachen ist dann gut, wenn man es kann. Für einige Menschen ist Kochen Entspannung pur. Also genießt so jemand das Essen gleich noch einmal mehr. Bei Marmelade kann man z.B. auf weniger Zucker achten und kleine Gläser benutzen und sie zu Gelegenheiten wie Geburtstagen verschenken.
    Andere Dinge verschaffen zusätzlich die Befriedigung, dass man etwas von Wert geschaffen hat, z.B. ein Kleidungsstück genäht oder geflickt, einen Schal gestrickt oder eine Decke gehäkelt. Das ist gut, solange man dafür keine große Werkstatt benötigt und keinen Lagerplatz benötigt.
    Ein eigener Garten ist nur etwas für Fans. Ansonsten reichen durchaus ein paar Töpfe, in denen man z.B. Tomaten, Paprika und Erdbeeren zieht. Mir gibt dieses begrenzte Gärtnern etwas Wichtiges: nämlich die Erkenntnis, dass so eine Tomate Zeit zum Wachsen und Reifen braucht. Ich gehe mit meinen selbst geernteten Tomaten wesentlich bewusster um als früher. Ebenso schätze ich andere Lebensmittel mehr, weil ich weiß, dass diese nicht einfach so hergestellt werden. Ich kaufe bewusster und konsumiere bewusster, meistens weniger. Und das entspricht der Nachhaltigkeit.
    Tiny Houses sind wunderbar – vor allem als Experiment im Urlaub oder zum Nachdenken über die eigene Wohnsituation. Wenn ich vierzehn Tage lang auf 20 qm und mit einem Koffer auskomme, dann sollte ich meine Unterkunft mal gründlich überdenken. Meistens ist weniger mehr. Auch wenn ich als Single für eine Zwei-Zimmer-Wohnung prozentual mehr Geld bezahle als für eine Vier-Zimmer-Wohnung, so ist die kleine schneller geputzt und geheizt und reicht für meine Bedürfnisse wahrscheinlich aus. Das ist ein nachhaltigeres Leben und auch ein einfacheres. Mit Partner und Kindern sieht das anders aus.
    Wenn ich weniger und bewusst kaufe, lebe ich sowohl ökologischer als auch nachhaltiger. Kasteien möchte ich mich nicht. Aber ich muss auch nicht alles haben oder ausschöpfen, was finanziell und zeitlich geht.
    Um bei meinem Lieblingsbeispiel zu bleiben: Ja, ich will schöne Bettwäsche haben, aber mir reichen drei Garnituren. Wenn ich eine nicht mehr mag oder sie zerschlissen ist, ersetze ich sie durch eine neue.

    • Pia

      Hallo Christine,

      Danke für den ausführlichen Kommentar. Sehr interessante Gedanken, die du da beschreibst.

      LG
      Pia

  7. Hallo Pia.
    Ich bin beides, Lifestyle und Öko und ja, ich kenne diese Zwickmühle sehr gut. Und ich finde das macht uns deutlich, das es nicht ‚den einen‘ Weg gibt, sondern dass man immer wieder neu abwägen soll.
    Wenn ich etwas tue oder kaufe oder benutze überlege ich mir jeweils situationsbedingt, ob es jetzt für mich so Sinn macht. Wenn ja, gut, wenn nein, weglassen. Perfekt wird es nie sein und alles ist nicht möglich. Wir tun, was wir können und lassen uns nicht bremsen vom Alles-oder-Nichts-Gedanken. Den Visionen kommt immer die Realität dazwischen, aber das soll uns nicht aufhalten… 🙂
    Danke dir für deine inspirierenden Gedanken und liebe Grüsse.

    • Pia

      Hallo Yvonne,

      „Wir tun, was wir können und lassen uns nicht bremsen vom Alles-oder-Nichts-Gedanken.“ Tschakkkkkaaaaaa! Ausdrucken und an die Wand hängen!

      LG
      Pia

  8. Ich habe da tatsächlich noch nie so drüber nachgedacht, aber ich bin auch eher ein Lifestyle-Minimalist. Alles so einfach wie möglich gestalten. Könnte aber auch daran liegen, dass ich einfach keine Lust auf Dinge wie Kochen, Handwerken oder Putzen habe. Ich achte beim Einkaufen schon auf Bio und Fair Trade und kaufe eben nur Dinge, die ich wirklich brauche. Und so sehr ich die Leute beneide, die alles selbermachen, upcyclen etc… ich bin’s nicht.
    LG

  9. Hallo Pia,

    danke, dass du das Thema nochmal aufgreifst! Mich beschäftigt das auch immer wieder. Ich werde mich auch noch in Ruhe durch die Kommentare lesen. Es gibt einfach immer wieder den Zwiespalt – ich habe Anfang März auch schon mal darüber geschrieben:

    http://einfachsoleben.blogspot.de/2015/03/ich-will-minimalistisch-leben.html
    http://einfachsoleben.blogspot.de/2015/03/nachhaltigkeit-kleidung-und-probleme.html

    Bei Kleidung habe ich jetzt für mich erstmal die Lösung gefunden: Es ist sinnvoller mir Kleidung zu kaufen, von der ich weiß, dass ich sie wirklich lange trage, auch wenn sie nicht bio und fair ist. Gleichzeitig halte ich aber auch immer wieder mal nach Sachen Ausschau, die das sind. Für kommende Baby versuche ich ganz viel Secondhand zu bekommen, klappt bei Kindersachen hier in der Stadt und dank Freunden relativ einfach. Spart auch Geld (z.B. Kinderwagen für 170 €, statt ursprünglichen 600 €).

    Es gibt übrigens auch Tiny Houses (nicht genau solche wie die von Tammy Strobel oder Dee Williams), die ganz normale Kanalisation haben – mit Dusche und Toilette. Unsere Gartennachbarn haben sowas, und einige wohnen dort auch den Sommer über. Die Häuser sind nach Kleingartenverordnung max. 24 qm groß.

    Grundsätzlich halte ich wenig konsumieren auch für öko, aber trotzdem würde ich mich an vielen Stellen gerne anders entscheiden. Es ist und bleibt ein Überprüfen: Was ist mir wichtig? Ein Abwägen zwischen Möglichkeiten…
    Liebe Grüße
    Nanne

    • Pia

      Hallo Nanne,

      Danke für die Links! Und Glückwunsch zum Mutterwerden (gratuliert man da schon? Egal.) Dann beim nächsten Minimalismus-Treffen mit Kinderwagen?

      LG
      Pia

      • Beim nächsten Treffen (Juli?) ist das Baby noch nicht da – und ich aber auch nicht dabei. Und ja, man darf gratulieren – zumindest tun das auch im realen Leben sehr viele und freuen sich (Das ist so Wahnsinn, damit habe ich nieeee gerechnet!)
        Danke!
        Wenn das Minimalismus-Treffen 2016 in der Nähe stattfinden würde, könnte ich mir das schon vorstellen. Ich hätte hier auch gerne einen Stammtisch und regelmäßige Treffen.
        lg Nanne

        • Pia

          Schade. Also dass du nicht da bist. Gibt es in Bremen und Umgebung noch keinen Stammtisch? Ich habe das Gefühl, dass die grade wie Pilze aus dem Boden schießen.

  10. Ja, diesen Zwiespalt kenn ich nur zu gut. Ich versuche den meist so zu lösen, dass ich es je nach Bereich und Situation mal so und mal so mache.
    Das ist vielleicht auch ein sprachliches Problem. Wenn sich zwei unterschiedliche Dinge ein Wort teilen. Ob es hier sinnvoll wäre, fremdsprachliche Wörter zu verwenden? Gibt es eine Sprache, wo das sehr gut unterscheidbar ist? Ich dachte ja gleich an Englisch, easy und simple oder so. Aber auch hier kann simple living durchaus auch das meinen, was du als lifestyle-minimalismus bezeichnest.
    Für mich sind Minimalismus und Einfaches Leben zwei sehr unterschiedliche Lebensstile und nicht Ausprägung A und B. Zum Beispiel ist Einfaches Leben bewusst autark und Minimalismus eigentlich bewusst nicht autark.

    • Pia

      Hallo Materialfehler,

      Autark und nicht autark ist auch ein guter Unterscheidungspunkt. Danke für die Ergänzung!

      LG
      Pia

  11. Nina

    Ich finde deinen Blog echt super! Einer der besten Minimalismus-Blogs, das muss ich schon sagen. Dieser Artikel hat mir besonders gut gefallen, da ich mich in der genau gleichen Zwickmühle befinde. Ich habe für mich den Mittelweg gefunden, dass ich besonders beim Essen auf Nachhaltigkeit achte (Gemüse selber anpflanzen), wenn es um Objekte geht, wie beispielsweise Kleider, lebe ich eher nach dem Motto „weniger ist mehr“. Dies befindet sich jedoch alles noch im Anfangsstadium.
    Folgender Satz hat mir sehr gefallen:
    „Kurz gesagt: Ich befinde mich in einer Zwickmühle zwischen dem Wunsch, einfach zu leben und dem Wunsch nach einem einfachen Leben.“
    Ich kann ihn für mich jedoch noch ergänzen, nämlich hat besagte Zwickmühle drei Seiten:
    1. Einfach leben im Sinne von „umweltbewusst“ (nachhaltig)
    2. Einfach leben im Sinne von „leicht“ (mit wenig)
    3. Einfach leben im Sine von „nur“. (Nur leben, keine Sorgen haben müssen, das Leben in vollen Zügen geniessen.)

    Herzlichen Dank für deine inspirierenden Texte!
    Liebe Grüsse, Nina

    • Pia

      Hallo Nina,

      Danke erstmal für das Kompliment 🙂

      Dein dritter Punkt ist total wichtig, daran hatte ich gar nicht gedacht. Gemeint schon, aber nicht gedacht und vor allem nicht geschrieben. Dann wäre ich gerne alles drei. Auf jeden Fall 3, dann noch 2 und wenn möglich auch 1.

      LG
      Pia

  12. Pingback: Du bist ein Sklave. Und selbst mit schuld daran. (Ein Wutausbruch.) | freeyourworklife.de

  13. Daniela

    Hallo Pia,
    ich kenne diese Zwickmühle, ich versuche auch noch so wenig Müll wie irgend möglich zu produzieren und nur bio und fairtrade zu kaufen. Das dann auch noch mit Minimalismus sowohl lifestyle oder öko zu verbinden ist nicht immer leicht. Man muss einfach für sich selbst den besten Mittelweg finden.
    Wenn man zB versuche Zero Wast zu betreiben braucht man einfach mehr Dinge, man braucht Mehrwegverpackungen für alles mögliche, man braucht ev Geräte um Dinge selber machen zu können (zB einen guten Mixer, den ich sonst nie angeschafft hätte!!) und so geht es weiter.
    Ich habe für mich jetzt den Weg gefunden, das alles was ich wirklich benutzte bleiben darf, auch wenn das 10 kleine Schüsseln sind! Alles was nicht benutzt wird kommt weg, das ist meine Lösung.

    Das mit den Reise ist sehr schwer, ich werde auf meine Reisen nicht verzichten, dafür bedeuten sie mir einfach zu viel. Was ich aufgehört habe sind die Kurztrips an den Wochenenden, das spart auch schon CO2 ein. Wenn wir fliegen oder wegfahren, dann immer gleich min 2-4 Wochen, damit sich die Anreise auch lohnt.

    Ich wünsche Dir noch viel Erfolg bei der Sinnsuche. Ich werde für immer suchen!!

    Danke für Deinen schönen Blog

    Daniela

    • Pia

      Hallo Daniela,

      Danke für deine Anmerkung, das ist echt ein guter Punkt, an den ich nicht gedacht habe: Dass man zum Selbermachen so viele Untensilien braucht. Noch so ein Punkt, warum sich Öko- und Lifestyle-Minimalismus eigentlich widersprechen.

      LG
      Pia

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