depaulus/pixabay.com

Mutig Entscheidungen treffen oder warum es so wichtig ist, Türen hinter sich zu schließen

Auf Twitter las ich vor einigen Tagen folgendes: „Oma sagte immer: ‚Wer zu nichts wirklich NEIN sagen kann, kann auch nie wirklich JA sagen.‘ Habe das lange nicht verstanden.“ (@FrlSis) Ich auch nicht. Aber so langsam dämmert es mir: Wenn man nicht bereit dazu ist, klare Entscheidungen zu treffen, kann man seinen Weg nicht finden.

Ich mag dieses Bild mit den Türen. Eine Tür hinter sich schließen, sei wichtig, so sagt man. Warum? Weil es in einem Raum bekanntermaßen ganz schön zieht, wenn alle Türen offen stehen. Im Türen-Schließen bin ich Amateur. Ich scheue mich davor, eine Sache deutlich und unwiderruflich zu beenden. Weil, es könnte ja sein, dass sich das als Fehler herausstellt. Und dann bereue ich meine Entscheidung, muss meinen Selbstvorwürfen und Zweifeln ins Gesicht sehen und stelle meinen Verstand und mein Bauchgefühl infrage. Oh nein, auf diese Situation habe ich wirklich keine Lust. Deshalb lasse ich gerne Türen offen, solange ich nicht gezwungen werde, sie zu schließen.

Dabei habe ich, komischerweise, noch nie eine wichtige Entscheidung bereut. Mir fällt jedenfalls keine ein, die irgendwie an mir nagt. Meine Angst vor Reue ist also übertrieben.

Eine Entscheidung FÜR eine Sache ist auch immer eine Entscheidung GEGEN eine Sache.

Aber das funktioniert auch anders herum: Eine Entscheidung GEGEN etwas, ist eine Entscheidung FÜR etwas anderes. Man wählt also eine Sache aus, weil beides gleichzeitig nicht geht. Und doch versuchen ich und die ganze „Ich-könnte“-Generation Y uns so viele Möglichkeiten offen zu halten, wie nur irgendwie geht.

Doch das hat Nachteile. Denn jedes nicht abgeschlossene Kapitel bindet einen. Nicht unbedingt körperlich, aber doch geistig. Unabgeschlossene Dinge spuken uns im Kopf herum und verhindern, dass wir klar denken können. Deshalb hat David Allen seine „Getting Things Done„-Methode (GTD) erfunden.

Das betrifft schon Kleinigkeiten. Silvester ist ein schönes Beispiel: Gefühlt ab September muss man sich Gedanken machen, wo man den Jahreswechsel feiert. Ob man überhaupt feiert. Bleibt man zuhause oder nutzt man die Feiertage für eine kleine Reise? Feuerwerk am Arc de Triomphe, auf den Ramblas oder am Time Square, das wär doch mal was! Aber vielleicht steigt ja irgendwo in der Nähe die Party des Jahrhunderts, von der noch im März alle reden. Und die möchte man natürlich auch nicht verpassen. Dann ist da noch die Frage: Mit wem feiert man? Soll man selber die Silvesterparty ausrichten? Wen lädt man dann ein? Kommen auch genug? Ab Ende November trudeln dann die ersten Vorschläge und Einladungen herein, aber man kann sich noch immer nicht entscheiden. Du kannst dir sicher denken, wie das ausgeht: Am 30. Dezember sagt man kurzfristig bei einer Feier zu und allen anderen mit schlechtem Gewissen ab, und fragt sich bis Neujahr, ob das die richtige Entscheidung war.

Manchmal fällt uns auch kein Grund ein, warum wir zu etwas Nein sagen sollten.

Zum Beispiel beim Entrümpeln: Das Silberbesteck von Oma nutze ich zwar nicht, aber auf dem Dachboden stört es mich auch nicht. Warum sollte ich es also loswerden? Weil ich sonst immer ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich bei besonderen Anlässen nicht Omas Besteck, sondern das ganz normale Alltagsbesteck verwende. Warum sollte ich das angefangene Strickprojekt wegwerfen? Vielleicht bekomme ich irgendwann noch einmal Lust, daran weiter zu arbeiten? Weil ich immer, wenn mein Blick darauf fällt, daran erinnert werde, dass ich es nicht habe durchziehen können. Warum soll ich das Angebot aus meinem Portfolio nehmen? Vielleicht meldet sich ja irgendwann noch ein Kunde, der sich dafür interessiert? Weil jedes Angebot mehr nur das eigene Profil verwässert. Alte Karriereberater-Weisheit, könnte was dran sein.

Jede offene Tür mehr sorgt dafür, dass wir uns immer stärker hin- und hergerissen fühlen. Durch welche Tür soll ich gehen, um am schnellsten zum Ziel zu kommen? Hinter welcher Tür liegt der schönste Raum? Wo passiert etwas Aufregendes? Wo fühle ich mich wohl? Jede offene Tür ist eine Option und fordert eine Entscheidung von uns: Durchgehen oder nicht? Am Ende bleiben viele Menschen einfach im Flur stehen, weil sie sich einfach nicht entscheiden können. Die schlechteste Wahl, denn Entscheidungsfreiheit macht bekanntlich unzufrieden.

Die Sache mit den Entscheidungen wird mich dieses Jahr sicherlich noch oft beschäftigen. Dann werde ich mich hoffentlich an diesen Tipp von @FrlSis Oma erinnern: Nein sagen, um Ja sagen zu können.

Wie gehst du an Entscheidungen heran? Fällt dir jetzt spontan eine Sache ein, bei der du die Entscheidung immer weiter hinausgezögert hast?

Mehr Tipps und Inspirationen, wie du dein Leben entrümpelst, bekommst du in meinem Buch „Minimalismus: Weniger besitzen. Mehr leben.“ 

Leave a Reply

14 Kommentare

  1. Mir fällt spontan ein, dass ich noch hadere, Leuten abzusagen, wenn ich mir den Zeitraum eigentlich für mich freigestellt habe und eingeladen werde. Denn was sagt man dann schon? Tut mir Leid, da habe ich etwas mit mir selbst vor?

    Andererseits werden bei einer klaren Absage eigentlich weniger Nachfragen gestellt… 🙂

    • Frank

      Philipp,

      bei Bekannten oder Arbeitskollegen ist es vollkommen ok und ausreichend zu sagen, dass man schon etwas vor hat oder einen anderen Termin.

      Bei mir nahestehenden Personen sage ich auch offener, dass ich einfach ein wenig Zeit für mich brauche.

      Gruß

      Frank

  2. Hallo Pia,

    vielleicht liegt’s am Alter (42). Ich habe einfach nicht das Gefühl, irgendetwas zu verpassen. Ich bin eine großer Freund von Planlosigkeit und entscheide 5 Sekunden vorher, was ich mache.

    Durch klare Entscheidungen kriegt man eine Kontur.

    Das Strickprojekt neulich hab ich aufgetrennt, Wolle verschenkt und mir den Film nochmal angesehen. Hab nix davon mitbekommen. Ich hätte den Schal nie angezogen. Damit ist das Projekt abgeschlossen.

    Mir geht es so bei Raumgestaltung. Wenn ich mich auf ein Farbkonzept festlege, spart mir das Fehlkäufe und Entscheidungen. Ich weiß was ich will. Es schließt vieles aus. Und genau das ist die Freiheit. Edelstahl und weiß. Oder gerade habe ich eine Rotphase.

    Ich verlange mir diese Entscheidungen ab! Kleines Erziehungsprogramm.

    Textlich: Meine Erfahrung – Kunden kommen von selbst auf dich zu mit ihrer Projektidee, wenn sie genau von dir einen Text haben wollen.

    Liebe Grüße – Tanja

    PS: Ich hab’s gelesen im Nachbarthread: Ich werde bewundert. 🙂

  3. Wow. Danke dafür. Das trifft wohl ziemlich mein aktuelles Problem. Und vielleicht ist das auch der Grund warum ich vor ein paar Jahren so viel Freude daran hatte mich mit dem reduzierten Leben zu beschäftigen. Das hat mir wirklich sehr gut getan, und ich konnte auch ganz gut argumentieren, warum das gut ist. Es gibt ja schliesslich viele Gründe warum man seinen Besitz reduzieren sollte. Aber ich hatte auch immer ein bisschen das Gefühl dass es da noch einen Glücklich-mach-Faktor gibt, den ich noch nicht so recht greifen kann. Vielleicht ist es genau das: Beim Prozess der Bestandsaufnahme, dem selektieren und dem loswerden von Besitz schließt man eine menge Türen!

    Türen schließen habe ich vernachlässigt. Danke, dass du mich auf diesen Gedanken gebracht hast.

    Grüße, DerZyklop

    • PiaMester

      Hallo Zyklop,

      „Der Glücklich-mach-Faktor“, das klingt gut. Ja, den hat der Minimalismus auf jeden Fall!

      LG
      Pia

  4. Ingo

    Danke für den Artikel, gerade – seit längerem – „mein“ Thema. Im Ausmisten bin ich eigentlich schon immer supergut gewesen. Die Sachen kommen in die Kiste und die in den Keller. Was ich dann 6 Monate nicht vermisst habe, kommt weg. Alleine beim letzten Umzug 6 große Kisten und mehrere Kleinmöbel – sogar ohne den Umweg der Zwischenlagerung. Noch ein halbes Jahr und ich habe so wenig, dass ich meine 50qm 2ZKDB-Wohnung gegen eine 30qm Wohnung tauschen kann 🙂 „Sachen-Türen“ zu schliessen finde ich sehr einfach. Im Zweifel muss man eben mal 50€ ausgeben um entsorgte Sachen wiederzubeschaffen – sollte man sich mal geirrt haben.

    Bei Menschen sieht das schon anders aus. Aber hier habe ich auch ziemlich gute Erfahrungen mit Tabula rasa gemacht: „Freunde“, die mir nicht gut taten, selbst Familienmitglieder – wenn’s nicht mehr paßte: Tür zu! Aber die innere Hürde ist schon deutlich höher finde ich. Bereut habe ich da aber erstaunlicherweise auch nie was. Okay, ein-zweimal vieleicht.

    Um so mehr hadere ich seit einigen Wochen mit mir wie ich das mit meinem liebsten und einzigen Hobby halten soll. Wegen eines chronischen HWS-Syndrom mit starken Schmerzen werde ich wohl nie wieder längere Strecken schmerzfrei mit einem „normalen“ Fahrrad fahren können. Die Radbekleidung und die Campingausstattung ist auch schon entsorgt / verkauft. Nur den letzten Schritt, meine beiden Fahrräder zu verkaufen, den bekomme ich nicht hin. 37 Jahre Radfahren, teure Fahrräder; teilweise gekauft vom Erbe, das will man ja irgendwie auch in Ehren halten. Und: Soll ich eventuell ein Liegerad kaufen? Das belastet die HWS nicht. Dann hätte ich aber die anderen Sachen auch behalten können… Oder wieder „tabula rasa“?… Oder eventuell eines behalten für den Alltag, die Kurzstrecke? Die kann ich aber auch zu Fuß gehen! … Im Ergebnis habe ich jetzt fast täglich ein schlechtes Gewissen, weil im Keller 2 Fahrräder für mehrere tausend Euro vor sich hingammeln und ich dann doch (lieber?) zu Fuß gehe… Die Leichtigkeit, die Freude, die ein Hobby haben sollte ist jedenfalls hinüber. Wieso ist das mit dem „Türen zu!“ nun ausgerechnet bei so etwas eigentlich nebensächlichem – einem Hobby – so schwer?

    • PiaMester

      Hallo Ingo,

      das klingt aber für mich, als läge dir dieses Hobby sehr am Herzen. Wenn du merkst, dass es dir fehlt, dann hol dir dich Sachen doch wieder, inklusive Liegerad. Ich finde man sollte nur solche Hobbys aufgeben, die einem keinen Spaß machen und die man eigentlich nur wegen des schlechten Gewissens weiter ausübt.

      LG
      Pia

  5. ich finde deinen artikel wirklich sehr interessant und habe mich an vielen stellen auch selbst wiedererkannt vorallem was das nein sagen betrifft, das fällt uns allen glabe ich manchmal schwerer als wir zugeben wollen. ich habe zum thema entscheidungen selbst einen artikel auf meinem blog veröffentlicht, vl könnte das ja interessant sein: http://gegenwind.me/2015/01/18/vom-turen-offnen/

  6. Cheap Fake Oakleys Free Shipping.American famous Cheap Oakleys will launch its new high-definition polarizer (HDPolarized) products in the countrys major retail chains LensCrafters glasses since May 2010. Oakley HD polarizer.Oakley HD polarizer is the perfect combination of high-definition optical performance and high-tech polarized technology, we passed all the tests of the American National Standards Institute, provides unmatched impact protection and 100% UV protection, effective protection of the eyes, with its best optical properties to provide consumers with clearer, sharper, more realistic visual images. At the same time, its breakthrough innovative technology, also effectively protect your eyes from water, snow or reflected light affect the shiny object, it is the best choice for high-brightness, high-glare environments.Fake Oakleys HD polarizer in Oakley opinion, Oakleys Sunglasses and not just a fashion items but rather a necessity.Oakleys Free Shipping pursuit of innovation created a scientific dficulty, sculptural design and a unique style of traditional thinking challenges. Oakley brand has always continued to seek opportunities to win science and technology, art into the principles of packaging, with excellent design, Cheap Fake Oakleys Free Shipping in the world already has more than 600 patents and 800 registered trademarks and become the hottest world-class brand.Cheap Oakleys Glasses products on the concept of revolution that it is the glasses comfortable, practical, artistic fusion of one. Whether it is product design or choice of materials, have been a series of advanced scientific experiments and testing to ensure its comfort and high quality, and a high degree of integration of function and fashion.OAKLEY fashion Simply put, OAKLEY fashion innovation is fascination, is a challenge to all the rules burning passion, our enthusiasm for technological innovation interested in technically demanding and precise requirements so Cheap Fake Oakleys has a unique set of science, art , hard challenge nventional thinking from the cultural heritage, and very persistent.OAKLEY it first with the most advanced sunglasses vice prestigious series to show us this extraordinary enthusiasm. OAKLEY sunglasses are always in the field of science and technology leader, because the use of high technology to make them again and again beyond the limit, and is the worlds leading, athletes engaged in different projects trial tested under all possible imaginable scenario.

  7. That makes it the responsibility on the particular person currently being slandered simply by unsubstantiated states disprove them? I will which Steve Kass possesses unpleasant traveling apes residing inside of his or her butt, and it also will be the responsibility to undergo an agonizing open rectal assessment for you to disprove the particular declare. That is a game liberals like to have fun with, given that their own mass media lapdogs could make whichever declare they desire on page one along with pic the rectification on-page of sixteen (if on all). In case you have got absolutely nothing within the man, these kind of unsubstantiated distortions simply give you and folks like you opportunities to promote smears. Solutions simply put them on to those says, however you use them to try and destroy every one of the opponents on your idea of „the more significant excellent. micron Yet I know that you are very angry by demands intended for Obama release a his or her university transcripts or perhaps the satisfy his or her guarantees with regards to management visibility.

  8. Hello George, I would choose men and women find the item inside indigne environment inside GetListed. org Resource region instead of upon thirdparty blogs. I know this particular operates countertop to the majority of best practices with regard to growing anything through social media.

  9. We’ve installed/used skybb to get a week right now and do not recognized this particular right up until My partner and i happened on this website via a haphazard the search engines…