Minimalismus: Wie ein neuer Trend von Ballast befreit

Vor fast zwei Monaten habe ich für die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) einen Beitrag zum Thema Minimalismus geschrieben. Jetzt kann ich ihn auch hier auf meinem Blog veröffentlichen. Vielen Dank nochmal an Emi & Jack und Julia fürs Mitmachen und Doofe-Fragen-Beantworten!

Die neue Lust am Weniger

Wir haben von allem zu viel. Zu viel Besitz, zu viel zu tun, zu viele Möglichkeiten. Die einen bezeichnen das als Freiheit, andere fühlen sich erdrückt. Karriere und Konsum bestimmen den Takt unserer Gesellschaft. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, weniger zu wollen und ihren Besitz zu reduzieren. Sie leben minimalistisch.

Seinen Ursprung hat dieser Trend in den USA. 2008 startete Dave Bruno aus San Diego die „100 Things Challenge“. Die Idee: Wie schafft man es, seinen persönlichen Besitz auf 100 Dinge zu reduzieren? Ein Jahr später entschied sich auch der New Yorker Kelly Sutton, seine Besitz-Diät öffentlich zu machen: Im Internet verkaufte er einen Großteil seiner Sachen. Die Ideen der beiden sorgten für Aufsehen und stellten die Bedeutung des Konsums für den Einzelnen – gerade im materialistischen Amerika – auf den Prüfstand.

„Minimalismus“ war bis dahin ein Begriff aus der Welt der Architektur und der Kunst. Klare, zweckmäßige Formen statt Schnörkel, dezente Farben statt knalliger Muster. Das Ziel der minimalistischen Künstler war, ihre Objekte von allem Überflüssigem zu befreien. Moderne Minimalisten, auch LOVOS („Lifestyle of Voluntary Simplicity“) genannt, versuchen dasselbe mit ihrem Leben.

Von Unnötigem befreit

Minimalisten denken praktisch. Deshalb bezeichnen sie sich selber auch ungerne als Minimalisten. Denn eigentlich sehen sie Minimalismus nicht als Lebensstil, sondern als Hilfsmittel. Als eine Denk- und Verhaltensweise, die sie von unnötigem Ballast befreit und dafür mehr Geld, mehr Zeit und mehr verwirklichte Träume verspricht.

Diesen Ballast entdecken viele Menschen zunächst in ihrem direkten Umfeld. So wie Julia Marienfeld aus Bonn, die auf ihrem Blog „Minimalistisch-Leben.de„. von ihrer Entwicklung berichtet. „Angefangen habe ich mit dem Aufräumen und Entrümpeln, weil ich in meinem chaotischen Leben endlich Platz und Ordnung brauchte“, sagt die 25-Jährige. Sie merkte, dass es sie befreit, sich nicht mehr um so viele Sachen kümmern zu müssen. „Außerdem habe ich gelernt, Dinge loszulassen und weiterzugeben anstatt sie jahrelang aufzubewahren.“

Was sie alles aufbewahren, obwohl sie es längst nicht mehr brauchen, bemerken viele Menschen erst, wenn sie umziehen oder verreisen. Eine Asienreise war für Sascha Spalt (38) und Noemi Spalt (33) aus Erkrath der Auslöser, sich mit ihrem Besitz und ihrem Konsumverhalten zu beschäftigen. „Mit wenig Gepäck, begrenztem Strom und kaltem Wasser waren wir zu dieser Zeit mehr als zufrieden. Nach unserer Rückkehr überwältigte uns jedoch der Überfluss und Luxus, in welchem wir lebten.“

Verschwendete Lebenszeit

Die beiden erkannten, dass Konsum viele negative Folgen hat: „Ein teures Auto, Technik, Designer-Label – all das war uns persönlich eigentlich nie etwas wert gewesen. Dennoch verschwendeten wir unsere Lebenszeit damit, unter Stress und Entbehrungen für solche Anschaffungen zu arbeiten.“ Sascha Spalt und Noemi Nolden zogen die Reißleine, überdachten ihre Ziele und richteten ihr Leben neu aus. Über diesen Prozess berichten sie auf ihrem Blog „Downgrade Deluxe„. Heute sind sie froh, diesen Schritt getan zu haben: „Wir haben das Hamsterrad aus Leistung, Karriere und Statuskonsum verlassen.“

Sich über seine Bedürfnisse klar zu werden führt unweigerlich zu weniger Konsum. Minimalisten kaufen und behalten nur, was sie wirklich brauchen. Sie suchen nach dem wahren Wert der Dinge und bringen ihnen Wertschätzung entgegen. Sie binden sich nicht an Besitztümer und somit auch nicht an Orte. Deshalb fühlen sich besonders viele junge Leute zu dieser Lebensphilosophie hingezogen: Zu arbeiten und zu leben, wo man willl, bedeutet Freiheit.

Wer sich gegen den Konsum, den angeblichen Motor der Wirtschaft, entscheidet, stößt allerdings häufig auf Kritik. Menschen, die weniger kaufen und arbeiten wollen, werden als Sozialschmarotzer und Faulpelze beschimpft. Freiwilliger Verzicht wird weniger akzeptiert als eine ausgeprägte Kaufsucht.

Minimalisten wollen ihre Mitmenschen nicht missionieren. Sie wollen ein Vorbild sein. Sascha Spalt und Noemi Nolden haben gemerkt, dass ihr Verhalten auf ihre Umwelt abfärbt: „Scheinbar haben wir einige unserer Bekannten mit unserem Lebensgefühl neugierig gemacht. Viele haben ebenfalls reduziert und sich so ein bisschen mehr Klarheit – auch im Geiste – verschafft.“

Jeder, davon ist auch Julia Marienfeld überzeugt, kann seine eigene Form des Minimalismus finden. Dafür muss man nicht seinen Besitz zählen oder mit leeren Regalen prahlen. Der Schlüssel liegt eher in dem Wissen, dass man für ein glückliches Leben nur wenig wirklich braucht.

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9 Kommentare

  1. moma 58

    Danke für diesen interessanten Bericht. Gerne gelesen.

  2. Liebe Pia,
    Danke für den schönen Artikel – gerade die Schlussworte finde ich wichtig. Für jeden bedeutet Minimalismus vielleicht etwas anderes, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Für mich ist es eine schreckliche Vorstellung auf Technik und Internet zu verzichten, aber alles andere, um beweglich und flexibel zu sein – das gibt durchaus mehr Freiheit und Zufriedenheit.
    Liebe Grüße,
    Marlene

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