Leere

Mehr Platz für Leere

Was empfindest du, wenn du an leere Räume und weiße Flächen denkst? Viele Menschen, ich eingeschlossen, fühlen sich bei diesem Anblick unbehaglich. Warum sonst stellen wir Dekogegenstände in unsere Regale und hängen uns Bilder an die Wände? Dabei kann uns weißer Raum eine ganze Menge bringen.

Achtung, gleich wird es etwas philosophisch. Ich glaube inspiriert hat mich dieser Post von Susanne Ackstaller. Weiße Winterlandschaften sind so ein schöner Anblick, da zieht es mich auch jedes Mal nach draußen. Diese Idee dahinter, dass auch die Gedanken im weißen Raum zur Ruhe kommen können, hat mich nicht mehr losgelassen. Und wie das bei guten Gedanken so ist, brauchte er ein paar Wochen, um sich in meinem Gehirn festzusetzen und zu keimen.

 

Brauchen wir Leere? Weißen Raum?

 

Ja.

 

Unsere Augen brauchen beim Lesen weißen Raum zwischen den Buchstaben und Zeilen, um sie aufzunehmen. In Galerien hängen Bilder meist weit voneinander entfernt, damit jedes für sich wirken kann. Whitespace ist ein wesentliches Designelement. In der Japanischen Ästhetik kommt weißer, leerer Fläche eine ganz besondere Bedeutung zu.

In einer Facebook-Gruppe las gerade die Frage, was die anderen nach dem Ausmisten mit den ganzen leeren Regalen machen. Ebenfalls entsorgen? Oder leer lassen? Ich glaube, ich würde sie abbauen und weggeben. Dahinter käme dann aber die Wand zum Vorschein. Noch mehr Leere also. Was tue ich mit der?

Ich habe hier bereits erwähnt, dass die Wände in meiner Wohnung alles andere als kahl sind, so wie man sich das bei Minimalisten vorstellt. Doch an einer Wand im Wohnzimmer hängt seit sechs Jahren kein Bild und immer mal wieder sehen mein Freund und ich sie an und überlegen, wie wir das ändern könnten. Mittlerweile mag ich diese weiße, leere Wand.

Woran liegt es, dass uns leere Flächen so unvollkommen erscheinen? Denn das tun sie. Dekogegenstände haben nur einen Zweck: Leere Flächen zu füllen. Vielleicht ist es die Angst vor dem Nichts. Oder die Angst, dass das, was übrig bleibt, wenn alles Unnütze entfernt ist, weniger schön und wertvoll wirkt. Gibt es wohl eine Bezeichnung für diese Angst? Wie wäre es mit Bikini-Angst: Wenn man alle Kleidung bis auf den Bikini ablegt, können die anderen auch unsere unschönen Stellen sehen. Man kann nichts mehr kaschieren oder verstecken. Wenn ich nur noch sage, was ich wirklich denke, dann merken die anderen vielleicht, dass ich dumm und uninteressant bin? Was, wenn ich nur noch tue, was ich kann, das aber nicht wichtig ist?

Aber wir füllen nicht nur unsere Wohnungen mit unnützen Dingen, sondern auch unsere Zeit und unsere Gedanken. Manchmal habe ich so viele Pläne, Ideen, Probleme und Aufgaben im Kopf, dass ich nicht mehr klar sehen kann. Diese ganzen Gedanken vermischen sich zu einem Nebel, den ich nicht zu fassen bekomme. Dann wünsche ich mir eine weiße Fläche, auf der ich alles sehen und ordnen kann. Den sprichwörtlichen klaren Kopf eben.

Ich finde es toll, wenn Menschen diese Klarheit besitzen und sie ausdrücken können, kurz und auf den Punkt gebracht, so wie Susanne Ackstaller in ihrem Text oder Tanja von den Minimamusen. Ich bewundere Menschen, die einen Weg einschlagen und ihn bis zum Ende gehen, wie etwa Agatha Christie, die ihr ganzes Leben lang Kriminalromane geschrieben hat (sie hat es zwar auch mal mit Liebesromanen versucht, aber das hat nicht geklappt) oder Steve Jobs mit seinen Computern. Die sich nicht ablenken lassen, egal, was passiert.

Und was will ich jetzt mit diesem Text sagen? Ganz einfach:

Gib dir mehr weißen Raum. Mach in deinem Leben Platz für Leere, damit du leichter erkennst, was dir wirklich wichtig ist.

 

Hach ja. Genug philosophiert. Wie geht es dir mit leeren Flächen? Inspirieren sie dich oder hast du den Drang, sie schnellstmöglich wieder zu füllen?

 

Kennst du schon meinen Newsletter? Einmal im Monat schicke ich dir ein mit ganz viel Liebe und Hirnschmalz zusammengestelltes Schmökerpaket  mit Lesetipps zum Thema einfaches Leben und Minimalismus. Trage dich hier ein und du bekommst als kleines Begrüßungsgeschenk mein E-Book „Minimalistisch schick: 10 Tricks, die dein Styling von Grund auf einfacher machen“.

Leave a Reply

20 Kommentare

  1. Cris

    Hallo,

    nur ein kleiner Denkanstoß dazu, ein Unterschied zwischen Schneelandschaft und weissem Raum liegt darin, dass der Schnee auch für Ruhe sorgt, er dämmt den Schall. In einem leeren Raum jedoch hallt es, jedes kleine Geräusch ist sehr deutlich und klar zu hören.

    Das dumpfe Geräusch vom Einsinken im Schnee finde ich beruhigend, wohingegen mich die hellen, klaren Töne in einem leeren Zimmer beunruhigen.

    Gruß

    • PiaMester

      Hallo Chris,

      Stimmt, daran habe ich gar nicht gedacht. Ausnahmen sind wahrscheinlich nur Gummizellen…

      LG
      Pia

      • cris

        Was mir gestern Abend beim schlafen gehen noch einfiel ist auch, dass wir die dumpfen Geräuschen wohl aus der elterlichen Schwangerschaft kennen gelernt haben, da im Bauch ja nicht so viel an Geräusch ankommt, daher gibt das vielleicht ein Empfinden von ultimativer Geborgenheit.

  2. Hallo Pia,

    ich liebe freie Flächen, weil sie meine Kreativität ungemein fördern. Die Geräuschkulisse der Umgebung ist da auch noch ganz entscheidend. Bisher habe ich meinen perfekten Arbeitsplatz aber leider noch nicht gefunden…

    Lieber Gruß,
    Philipp

  3. Ich mag leere Flächen und kann gut damit umgehen. Ich wohne in relativ karg eingerichteten Räumen.

  4. Linda

    Weiße Wände mag ich nicht so gerne. Ich liebe Farben, aber mal eine Wand frei zu lassen, fällt mir noch schwer. Weiße Schneelandschaften mag ich sehr gerne. Momentan ist bei uns in Küche und Esszimmer nur die Decke weiß und das finde ich gut. Die ist auch noch leer, bis auf die Lampe…:)

  5. Bettina

    Also ich kann gut mit weißen Wänden umgehen;=) Vor allem mag ich es, wenn zumindest 1 Wand im Zimmer leer ist. das beruhigt mich irgendwie
    Freie Flächen auf Kommoden, Kühlschränken u. ä. finde ich auch sehr angenehm. Ich neige zwar dazu, auf diesen Flächen immer mal wieder etwas abzulegen. Aber nach einer Weile, wenn sich einiges angesammelt hat, werde ich wuschig davon. Dann wird alles wieder weggeräumt.

  6. christine

    Habe gestern zufällig in einen Film der 50er Jahre hineinezappt. Was mir auffiel: Es gab selbst im Film wenige Bilder an der Wand, kaum Dekoration auf einem Tisch oder einer Kommode. Einerseits wirkte es aufgeräumt, andererseits auch gemütlich. Okay, Filmkulisse, spiegelt durchaus den damaligen Zeitgeist wieder.
    Meine Wände habe nur wenige Bilder, da sie aus Beton sind und ich mich mit Dübel nicht auskenne. An einigen übrig gelassenen Nägeln hängen Rahmen. Insgesamt wirkt es auf mich weder kahl noch ungemütlich, sondern einfach schlicht. Und ich habe den Ärger mit Spezialdübeln nicht.
    Leere Fensterbretter und Ablageflächen tragen übrigens auch zu einem Gefühl der Schlichtheit bei. Das praktiziere ich in zwei Zimmern und empfinde das tatsächlich als angenehm.

    • PiaMester

      Hallo Christine,

      Guter Tipp mit den leeren Ablageflächen und Fensterbrettern! Da werde ich auch mal mehr drauf achten.

      LG
      Pia

  7. Hallo Pia,

    vielleicht hat die „Angst“ vor der Leere an Wänden und in Zimmer allgemein einfach auch mit einer Gewohnheit zu tun. Vielleicht empfinden wir das zunächst als unangenehm, einfach weil wir es gar nicht anders kennen.

    Mein Wohnzimmer ist eher kahl, zumindest finden Besucher das so. Mich beruhigt es total und tut es gut. Früher sah es anders aus. Die Fensterbank war mit Blumen vollgestellt und wir haben mehr Regale, und diese teilweise offen.
    Gerade die Entscheidung für leere Fensterbänke finde ich richtig gut. Nur im Wohnzimmer steht dort ein Sonnenglas und eine getöpfte Katze steht dort, die einen großen emotionalen Wert für mich hat. Ein erblindeter Mensch hat diese gefertigt.

    Liebe Grüße
    Nanne

  8. Bei den leeren Zimmern sind dann so 3-5 Deko-Elemente wichtig als Anker fürs Auge. Wobei ich Ateliers auch toll finde mit 1000 Farben und Materialien. Da will ich ja auch Inspiration. Aber nicht drin wohnen. Auch nicht auf Baustellen. Wenn Leute wohnen, wo sie bauen und nie fertig werden.

    Schlimm finde ich diese neue Bauart in Filmen, so kastenförmige Villen, Zementwände wie im Bunker. Das ist mir dann auch zu kahl. Hat keine Atmosphäre oder wenn, dann eine kühle. Schön anzusehen. Nach einer Stunde würde ich wohl frieren in so einem Haus.

    • PiaMester

      Hallo Tanja,

      Bauhaus-Stil, oder wie nennt sich das? Ja, gruselig. Besonders mit bodentiefen Fensterfronten, dann sitzt man da abends im beleuchteten Zimmer wie auf dem Präsentierteller für die Nachbarn. Ich mag keine Räume, in denen ich mich beobachtet fühle.

      LG
      Pia

  9. Martin

    Die Geschichte mit den leeren Wänden finde ich äusserst spannend. Bei mir beobachte ich, dass es Räume gibt, die schreien buchstäblich nach einen Bild und ebensolche, die für mein Auge absolut bild- und schmucklos sein müssen. Wann welcher Effekt auftritt, kann ich aber noch immer nicht sagen.
    Was ich hingegen bei mir beobachten konnte ist, dass je offener die Fensterflächen – also ohne jegliche Vorhänge – desto kahler müssen die Wände bei mir sein. Also am liebsten Betonwände mit grossen raumhohen Fensterfronten ohne Vorhänge. So liebe ich es am meisten, so habe ich nicht das Gefühl eingeengt zu sein.

    • PiaMester

      Hallo Martin,

      Das sind ja interessante Beobachtungen. Ob das irgendeinen psychologischen Hintergrund hat?

      LG
      Pia

  10. Best Fake Oakleys Sale Cheap With High Quality,Our Oakley Outlet Store Offer Best Cheap Knockoff Oakleys Sunglasses.

  11. Yeah, FileZilla’s development workforce will not earn excessive represents through myself with regard to covering up. htaccess data automatically IN ADDITION TO stashing the choice to see that within a randomly food selection (should always be under „View“)…

  12. we have been utilizing iscsi focus on with a win can be described as edward package, it’s the same not simply with regard to storage area web server. in person, i would recommend avoiding storage area web server.

  13. Naturally , such a wonderful blog site in addition to enlightening blogposts, I am going to lesezeichen your blog. Provide an awsome day time!

  14. Hello George, I would prefer that folks discover it inside the indigenous setting inside the GetListed. org Useful resource location as an alternative to on third-party weblogs. I know this specific extends reverse to most recommendations regarding growing some thing by using social websites.