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Glück ist Einstellungssache

„Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält.“

(Seneca)

Glaubst du, dass du glücklich bist? Dabei kannst du es werden, jetzt sofort. Es ist ganz einfach. Glück ist nämlich eine Frage der eigenen Einstellung.

Was bedeutet für dich Glück? Welche Situationen kommen dir spontan in den Sinn, wenn du an einen glücklichen Moment denkst? Wahrscheinlich ein ungewöhnlicher Moment. Dein erster Kuss. Die Übergabe der Abiturzeugnisse. Die Geburten deiner Kinder. Ein Sonnenuntergang über den Pyramiden von Gizeh. Ein Weihnachtsmorgen. Glück verbinden viele Menschen mit diesem überragenden Gefühl, diesem „Wow! Die Welt ist so geil! Ich liebe euch alle!“ Glück macht high. Man kann nicht immer high sein, auch wenn man es sich noch so sehr wünscht.

Statt von Glück sollten wir viel öfter von Zufriedenheit reden. Und uns fragen: Was macht uns zufrieden?

Ich behaupte mal ganz dreist, dass jeder zufrieden sein kann. Zufriedenheit ist als Begriff deshalb so viel weniger sexy als Glück, weil es irgendwie nach Genügsamkeit klingt. Glück ist der Griff nach den Sternen, Zufriedenheit erreichst du schon, wenn du den Nachthimmel nur betrachtest.

Nicht, dass du mich falsch verstehst: Greife ruhig nach den Sternen. Du solltest keine Möglichkeit verstreichen lassen, dein Leben schöner zu machen. Aber du darfst nicht glauben, dass du erst dann zufrieden sein kannst, wenn du ein bestimmtes Ziel erreicht hast. Das finde ich nämlich sehr gefährlich. So verschieben wir unser Glück, bzw. unsere Zufriedenheit auf die Zukunft. Dabei kannst du dich jetzt schon gut fühlen. Und zwar jeden Tag.

Das geht. Es ist alles eine Frage der Einstellung.

Damit du verstehst, was ich meine, nehme ich dich kurz mit in meine Schulzeit.

In der 10. Klasse hatte ich Philosophie statt Religion als Unterrichtsfach. Es war furchtbar langweilig. Wir haben in diesen Stunden meistens die Hausaufgaben für andere Fächer erledigt. Das Einzige, was mir aus dem Philosophie-Unterricht hängen geblieben ist, ist Descartes berühmter Satz: „Ich denke, also bin ich“ (richtig übersetzt ja „ich zweifle, also bin ich“). Descartes ging davon aus, dass sich die Welt und unsere Wahrnehmung von ihr unterscheiden. Was wir glauben, zu sehen, zu fühlen, zu hören, zu schmecken und zu riechen, muss nicht unbedingt der Realität entsprechen. Er ging sogar so weit zu überlegen, dass es keine Welt gibt und alles nur in unserem Kopf passiert. Das Einzige, was er nach langem Hin- und Herdenken als real akzeptierte, war unser Bewusstsein. Heraus kam sein berühmter Satz: „Ich denke, also bin ich.“ Jaja, der alte Descartes war schon ein schlaues Köpfchen.

Hoffentlich bist du jetzt nicht genauso ins Koma gefallen, wie wir damals im Philosophie-Unterricht. Descartes Idee, dass wir die Realität ändern können, indem wir sie anders betrachten, ist nämlich ein mächtiges Werkzeug. Psychologen nennen das Reframing. Dabei werden Eindrücke einfach in einen anderen Kontext gesetzt. Du kannst zwar die Welt nicht ändern, aber deine Sicht auf sie.

Ein Beispiel: Du fühlst dich von deiner Partnerin ungerecht behandelt. Sie geht dir aus dem Weg, hat keine Lust, etwas mit dir zu unternehmen, spricht kaum noch mit dir. Du bist sauer. Sie soll sich gefälligst um dich kümmern und sich Zeit für dich nehmen! Oder hat sie etwa einen Anderen? Liebt sie dich nicht mehr? Bevor du dich jetzt richtig in deine Wut und deine Eifersucht hineinsteigerst, versuche die Situation aus ihrem Blickwinkel zu sehen: Vielleicht geht es deiner Freundin nicht gut. Hat sie möglicherweise ein Problem, mit dem sie dich nicht belasten will? Bevor du sie also zur Rede stellst und mit deinen Vorwürfen konfrontierst, frag sie erst einmal danach.

Noch ein Beispiel? Seit Wochen schon schleichst du um die dunkelbraunen Wildlederstiefel in deinem Lieblingsschuhgeschäft herum. Du würdest sie dir so gerne kaufen, aber der Preis von 399 Euro lässt dich doch ein wenig zögern. Tatsache ist, dass du dir die Stiefel einfach nicht leisten kannst. Das macht dich traurig. Du fühlst dich minderwertig. Ist doch ungerecht, dass 399 Euro für dich so viel Geld sind und andere das aus der Portokasse bezahlen! Und überhaupt: Müsstest du nicht so viele Steuern zahlen, wäre das alles kein Problem! Blödes Finanzamt, blöder Staat, blöde Welt! Wirklich? Versuche dich und deine Situation doch mal aus der Sicht einer Näherin aus Bangladesh zu sehen: 399 Euro? So viel verdient diese Deutsche? Dafür müsste ich zwei Jahre arbeiten. Und das will sie für Schuhe ausgeben? Ich würde meine Kinder gerne auf eine Schule schicken, damit sie mal ein besseres Leben haben als ich, aber das Geld werde ich niemals zusammenbekommen. Und was macht dieses Deutschland mit den Steuern dieser Frau? Ich habe mal gehört, dass in Deutschland alle Menschen von Ärzten behandelt werden, wenn sie krank sind. Auch wenn sie es sich nicht leisten können. Und arme Menschen bekommen dort einfach so Geld und müssen nicht verhungern. Muss das schön sein, dort zu leben!

Ich möchte hier nicht auf die Tränendrüse drücken, aber angesichts der Tatsache, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr besitzt, als die anderen 99 Prozent zusammen, ist es schon ein Kunststück, sich von einem Paar Stiefel unglücklich machen zu lassen. Auch wenn man das überall liest und sieht und hört: „Du brauchst unbedingt dieses Gerät, sonst ist dein Leben sinnlos!“ Mach dir eins klar: Es geht dir gut. Deine Grundbedürfnisse sind gesichert, du hast sogar noch viel mehr als das. Wozu brauchst du solche Statussymbole? Hast du dir mal überlegt, wie lange du dafür arbeiten musstest? Und ist es dir das wirklich wert? Das musst du dir nur bewusst machen. Wenn du dich insgeheim schon vergleichst, dann lieber mit den Menschen, denen es schlechter geht als dir.

Wenn deine Vorstellung vom Glück eine Aneinanderreihung überragender Momente ist, dann wirst du niemals zufrieden sein. Zufriedenheit ist etwas Alltägliches. Und Alltag wiederholt sich nunmal. Glück besteht aus Kleinigkeiten. Du musst die Gelegenheit zum Glücklichsein nur als solche erkennen. Überlege dir, was dich an einem ganz normalen Tag glücklich macht. Vielleicht ein gutes Buch? Ein nettes Gespräch? Ein leckeres Essen? Ein guter Witz? Wenn du deinen Hund streichelst? Wenn dein Kind lächelt? Wenn die Sonne scheint? Konzentriere dich auf diese Momente. Ich könnte auch einfach sagen: Erkenne die schönen Seiten des Lebens. Wenn dir das schwerfällt, dann führe ein Dankbarkeitstagebuch. Und sei zufrieden mit dem Glück, das dir täglich begegnet.

Was macht dich glücklich? Bist zu zufrieden?

Dieser Text ist mein Beitrag zur Blogserie „Das Glück in dir“, die Thomas von lovelyplanetblog.de ins Leben gerufen hat.

P.S. Macht Besitz glücklich? Darum geht es auch in dem Kinofilm „My Stuff„, der am 5. März hier in die Kinos kommt. Den Trailer finde ich schon sehr witzig.

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24 Kommentare

  1. christine

    Seit Ende letzten Jahres bin ich mit meinem Leben zufrieden. Manchmal sprudle ich sogar über von Glück.
    Ich konzentriere mich auf die schönen Seiten des Lebens und schiebe immer leichter, immer öfter, immer schneller die unangenehmen Begegnungen beiseite. Mein Leben ist so reich an tollen Dingen, Erlebnissen, Menschen. Was will ich mehr?

    • Pia

      Hallo Christine,

      Das klingt toll, das will ich auch! 🙂

      LG
      Pia

  2. Hallo Pia,

    guter Beitrag! Ich merke immer häufiger, dass mich Zeit mit Menschen, die ich liebe, glücklicher macht, als alles andere.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Pia

      Hallo Philipp,

      Ich glaube die meisten Menschen merken das aber erst, wenn die Menschen, die sie lieben, nicht mehr da sind.

      LG
      Pia

  3. Bettina

    Ich habe mir früher viele Frustkäufe geleistet, als ich noch ziemlich gut verdient habe. Glücklicher wurde ich dadurch allerdings nicht. Das Glück liegt eben nicht in Dingen.
    Heute empfinde ich oftmals Glück, wenn ich alleine in der Natur bin. Oder, wenn ich ganz früh aufstehe und alles noch still ist. Dann trinke ich meinen Kaffee und philosophiere so vor mich hin :=)

    • Pia

      Hallo Bettina,

      Kaufen war auch für mich ein beliebtes Mittel um die Laune zu heben. Das hat aber immer nur sehr kurz angehalten. Ist mir damals aber nicht aufgefallen.

      LG
      Pia

  4. Hallo Pia,
    zufriedener bin ich auch, seit ich nur noch positiv denke und mir alles schön rede. 🙂 Glückstexte erzeugen allerdings auch Druck, finde ich. „Ist man nicht glücklich, ist man nur zu unfähig dazu???“ Könnte der Umkehrschluss sein. Teilweise finde ich das sehr aufgesetzt. Nicht dein Text. Aber was ich so im Internet lese. Schon die Headlines. Man muss sie ja quasi nur lesen, schon ist man Veganer, läuft los, verändert sein Leben. Bei mir passiert nix. 🙂
    Liebe Grüße – Tanja

    • Pia

      Hallo Tanja,

      Mal wieder ein interessanter Gedanke. Ich glaube diese Motivationstexte können auch dazu führen, dass man nichts ändert. Man denkt dann: „Hey, allein diesen Text zu lesen ist doch schon ein erster Schritt auf dem Weg in das Leben, das ich mir wünsche. Das reicht für heute, morgen fange ich dann an, wirklich was zu verändern.“
      Ich hoffe, dass in meinem Text rübergekommen ist, dass man diese Glück nicht auf ein Podest stellen sollte. Dass ein gutes Zufriedenheits-Niveau viel wichtiger ist als dieser ständige Glücks-Kick. Ich schütte nicht 24 Stunden am Tag Endorphine aus, aber ich fühle mich zufrieden.
      Meinst du echt, dass es sogar beim Glücklich-Sein Konkurrenzdenken gibt? Andere bekommen das hin, warum ich nicht? Könnte echt sein. Ist ja gruselig.

      LG
      Pia

  5. Kevin

    Ein sehr interessanter Beitrag.

    Ich geben Dir vollkommen Recht, der Alltag lässt einen innerlich abstumpfen. Mir hilft es von Zeit zu Zeit einfach auch daran zu denken, was für unglaubliches Glück man hat, gesund zu sein. Es gibt unzähliche Menschen, die nichtmals wissen, ob sie nächste Woche noch leben.

    Ich versuche ebenfalls mich immer an die kleinen Dinge zu erfreuen, und ich merke, dass mich viele Menschen in dieser Hinsicht oft nicht verstehen, wenn ich mich zB über einen guten Kaffee in der Mittagspause freue. Dann höre ich oft Sätze wie: „Ja dich kann man ja leicht glücklich machen“.

    Aber dieser Denkweise hilft wirklich und es wird immer besser.

    Viele Grüße aus Essen

    Kevin

    • Pia

      Hallo Kevin,

      Finde ich super, dass man dich so leicht glücklich machen kann 🙂
      Vor ein paar Tagen bin ich mit tierischen Rückenschmerzen aufgewacht. Da ist mir aufgefallen, wie wenig ich es schätze, wenn ich keine Schmerzen habe.

      LG
      Pia

  6. Hey Pia,

    sehr schöner Artikel geworden. 🙂 So kann die Blogserie weitergehen.

    Es ist eine Frage der Einstellung Zufriedenheit und Glück.

    Danke, dass Du mitmachst.

    Liebe Grüße
    Thomas

    • Pia

      Hallo Thomas,

      Ist doch ein tolles Thema. Bin schon gespannt auf die Sichtweisen der anderen Blogger.

      LG
      Pia

  7. Pingback: Gib dem Glück eine Chance, dich zu finden! - Adios Angst - Bonjour Leben

  8. Hey Pia,
    ich bin gerade jetzt in diesem Moment zufrieden, weil ich mein Tablet in der Hand halte und damit tolle Blogs durchstöbern kann. Wie jeden Morgen. 🙂 So kann Routine auch glücklich machen. Oder zufrieden?! 😉

  9. Hallo Pia!

    Ich bin auch der Meinung, dass man nach Zufriedenheit streben sollte. Glück ist irgendwie viel leiser, als viele annehmen. In den Filmen und vor allem in der Werbung wird uns das in einer Art und Weise dargestellt, wie es im realen Leben einfach nicht ist.

    Davon muss man sich wohl lösen und sich auf die Suche nach seiner eigenen Zufriedenheit machen. Innere Zufriedenheit ist mein größtes Glück.

    lg
    Maria

  10. Pingback: www.bereisediewelt.de Erzeugen Texte über Glück Druck? Warum es legitim ist, auch mal unglücklich zu sein

  11. Vielleicht muss man nicht immer glücklich sein, oder nicht mal zufrieden.
    Das Glück wird einfach überschätzt. Es gibt eben das Glück weil es auch Unglück gibt, und es giibt
    Tag und Nacht, Sonne und Regen usw.
    Also der Wunsch glücklich so sein ist legitim aber das Leben kann nicht immer glücklich sein, und vielleicht spüre ich es so richtig toll in mir wenn ich glücklich bin, weil ich eben auch den Schmerz und das Unglück kenne.

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