Gastbeitrag: Warum auch Kinder von Minimalismus profitieren können

Kinder brauchen nicht viel Spielzeug, sondern eine Möglichkeit, ihre Fantasie zu gebrauchen. Das hat Maren Vollmer jetzt im Kindergarten ihrer Tochter festgestellt. Wie sie das jetzt auch zuhause umsetzt, liest du in diesem Gastbeitrag.

Seit August dieses Jahres geht meine zwei jährige Tochter in den Kindergarten. Jeder der ein Kindergartenkind hat kennt die Gespräche mit den Erzieherinnen zwischen Tür und Angel. Vor einiger Zeit höre ich im Gespräch mit einer gestressten Erzieherin folgendes ich raus: Die Kinder streiten viel und wissen nicht womit sie spielen sollen und dass die Lautstärke manchmal unerträglich ist.

Für gewöhnlich erwartet mich daher beim Abholen meiner Tochter mittags eine Kindergruppe, die am liebsten laut und wild spielt, so dass sie schon von draußen gut zu hören ist. Nun bin ich stattdessen etwas irritiert, wenn nicht sogar verunsichert, als ich so gut wie nichts höre. Sind die Kinder draußen unterwegs? Ich gehe zu der Gruppe und statt Krawall und Remmi Demmi entdecke ich nun ruhig spielende Kinder und einen aufgeräumten und übersichtlichen Spielraum. Tatsächlich kann ich zum ersten Mal die Regale und das Muster des Spielteppichs erkennen. Von einem auf den anderen Tag hat der Kindergarten die Spielsachen reduziert und dabei haben die Kinder etwas Besonderes für sich entdeckt. Trotz der begrenzten Möglichkeiten zeigt sich nun die unerschöpfliche Phantasie der Kinder, denn sie müssen darüber nachdenken was sie spielen können.

Auf dem bunt gemusterten Spielteppich entdecke ich meine Tochter wie sie entspannt mit einem Wollfaden der Wolle spielt, die ich zuvor an den Kindergarten verschenkt habe. Mal als Armband, mal als Straße. Es rührt mich zutiefst und es bestätigt auch das was ich selbst feststelle: Wir brauchen den ganzen Kram gar nicht, sondern nur Fantasie.

 

Wenn Erwachsene schon vom „zu viel“ überfordert sind, wie sieht es dann bei den Kindern aus?

Ich habe bewusst das Beispiel mit dem Kindergarten gewählt, weil ich es sehr anschaulich finde. Denn wenn Erwachsene schon mit dem „zu viel“ überfordert sind, dann sieht es bei den Kindern nicht anders aus. Doch diese Erkenntnis auf den Alltag zu übertragen ist gar nicht so einfach. Denn den Kindern etwas zu gönnen ist sehr schön und ihnen eine Freude zu bereiten sowieso. Wie kann man also das Maß für sich finden?

Immer wieder begegne ich verschiedenen Familien und es ist für mich interessant wie da das Familienleben gestaltet wird. Da gibt es die Großfamilie mit vier Kindern, die ein Spielzimmer hat, in dem alle Kinder spielen können. Oder die gewöhnliche Familie mit zwei Kindern, wo jedes Kind ein eigenes Zimmer mit Fernseher samt Spielekonsole hat. Kindererziehung und Familienleben ist somit individuell. Aber ich möchte einen Denkanreiz geben. Spielzeuge sollen doch etwas Besonderes sein, etwas Neues und nicht die Regel, oder?

Hier sind meine fünf Tipps für Minimalismus im Alltag mit (Klein-)Kindern

Nicht sofort das Spielzeug verbannen

Das Entrümpeln des Kinderzimmers sollte möglichst mit der Mitarbeit und dem Einverständnis des Kindes geschehen. Da ich bei meiner Tochter die Erfahrung gemacht habe, dass Spielsachen nach einiger Zeit langweilig werden, habe ich ein besonderes System: Statt immer etwas Neues zu kaufen, sortiere ich lieber die ungeliebten Sachen in eine Kiste aus und verstaue diese außer Sichtweite im Keller. Dabei beachte ich auch, dass ich nicht zu wenig aussortiere. Oft bin ich zu großzügig und es liegt dann doch nur wenig genutztes Spielzeug herum. Im Moment hat meine Tochter nur ihre Bausteine, eine Spielküche, Bücher, Kuscheltiere und Puzzles zum Spielen. Die Bastel-und Malsachen halte ich gesondert, das ist etwas für zwischendurch. Nach einiger Zeit sind die aktuellen Spielsachen uninteressant und ich tausche sie wieder aus. So geht übrigens auch das Aufräumen schneller, wenn nicht all zu viel da ist.

Nicht alles nachkaufen

Mit freudigem Jauchzen ist meine Tochter letztes Jahr im Bällebad verschwunden und hat stundenlang darin gespielt. Als wir später ein Bällebad gekauft haben wollte meine Tochter nichts mehr davon wissen. Manchmal sind die Sachen nur bei anderen Kindern interessant und zu hause nicht mehr. Jetzt habe ich einen großen Sack mit Plastikbällen mit der Hoffnung, dass diese irgendwann doch noch Verwendung finden. Seitdem kaufe ich nichts mehr nach und ich spare somit auch noch Geld.

Verwandte und Freunde mit einbeziehen

Die Diskussionen über Geschenke kenne ich zur Genüge. Jeder möchte dem Kind etwas schenken und das auch sehr gern ungefragt. Gegen eine kleine Aufmerksamkeit habe ich per se nichts, aber das darf einfach nicht ausarten. Nicht nur zu viele Spielsachen im Kinderzimmer überfordern sondern auch zu viele Geschenke. Außerdem soll sich mein Kind auf den Besuch freuen und nicht die Erwartungshaltung haben, dass sie immer etwas bekommt. Mittlerweile funktioniert es so gut, dass vorher gefragt wird was man dem Kind schenken kann. Oft finden sich dann neue Malbücher, Stifte (die gerne kaputt gehen) oder Erweiterungen der bisherigen Spielsachen wie z.B. der Spielküche bei uns ein. Bei kleinen Kindern, vor allem bei Kindergartenkindern, sind Anziehsachen auch immer gute Geschenke.

Langfristig denken

Oftmals spielt mein Kind mit Spielsachen für ältere Kinder, da ich festgestellt habe, dass gerade die altersgerechten Spielsachen am schnellsten langweilig werden. Dabei ist natürlich auf verschluckbaren Kleinteile bei Kindern unter drei Jahren zu achten. So ein Beispiel von langfristigen Käufen sind vor allem Bücher. Bei Büchern bin ich immer der Meinung, dass die Kinder lange daran Freude haben. Zuerst beim Bilder anschauen, danach beim selber lesen.

Auch einfache Sachen können glücklich machen

Es muss nicht immer etwas gekauftes sein. Meine Tochter hat freudestrahlend Stunden, wenn nicht sogar Tage, mit Seifenblasen verbracht. Alles können die Kinder spielerisch erfahren und am interessantesten ist schließlich das, was die Großen machen. Meine Tochter mag es am liebsten beim Kochen zu helfen oder mit dem Handfeger den Boden zu putzen.

Gemeinsam Zeit verbringen

Minimalistischer Lebensstil beinhalte für mich auch einen bewussteren Umgang mit Zeit und es ist schön diese gewonnene Zeit mit den Kindern zu verbringen. Gemeinsame Erlebnisse zu schaffen wie ein Ausflug zum Spielplatz oder in den Wald sind für Kinder auch sehr schön und da kann der Weg auch das Ziel sein. Die Umgebung kennen zu lernen kann auch spannend sein und rauszufinden an welchen Tannenzapfen das Eichhörnchen genagt hat.

Es gibt nicht den Minimalismus für alle. Gerade in jeder Familie muss das für individuell rausgefunden werden. Aber Minimalismus kann die Kreativität fördern und davon gibt es letztendlich nie genug.

Hast du noch Ideen wie der Alltag mit Minimalismus und Kindern aussehen kann? Über Antworten freue ich mich!

 

K1024_MarenVollmerMaren Vollmer ist 29 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in der Nähe von Köln. Auf ihrem Blog www.MarenVollmer.de philosophiert sie über Minimalismus, Entschleunigung und über Themen, die sie beschäftigen. Zudem kannst du dort ihren Weg zur Schriftstellerin verfolgen.

 

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19 Kommentare

  1. Annelie

    Genau auf den Punkt getroffen. Super geschrieben und es steckt soviel Wahrheit darin.

    • Hallo Annelie,

      das freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt. 🙂

      Liebe Grüße,
      Maren

  2. .K

    Hallo, finde ich interessant, dass der Gedanke des Minimalismus sogar in Kindergärten einzug findet. Es ist doch zu offensichtlich wie der minimalistische Lebensstil, zu Recht, immer relevanter zu werden scheint. Ich denke manchmal darüber nach, ob es eine Art „Gegentrend“ ist von einer Generation unserer Gesellschaft, welche durch Überkompensieren zum Materialismus erzogen wurde, und zwar von älteren Generationen, die in ihrer Kindheit „nicht so viel hatten“. Dieses von mir so genannte „nicht so viel haben“ ist vielleicht ein wichtiger Ansatz für Kinder, auch schon im Kindergartenalter, um mehr miteinander zu spielen, statt im Spielzeughaufen unterzugehen. Gesellschaft entwickelt sich schließlich im Kindergarten schon und nicht erst später. Meiner Meinung nach wird Lebensqualität nicht durch mehr Eigentum gesteigert, und umgekehrt nicht durch weniger Eigentum gesenkt. Es kommt immer darauf an, was man hat und WEN man hat…
    Beste Grüße aus Köln
    .K

    • Hallo .K,

      diesen Gedanken hatte ich auch schon oft und ich stimme dir in allen Punkten zu.
      Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Liebe Grüße,
      Maren

  3. Hallo Pia und Maren,

    schöner Beitrag.

    Mein Trick zum Ausmisten im Kinderzimmer: Feste Termine zum Flohmarkt.

    Der Fussballverein im Nachbardorf organisiert zweimal im Jahr (Frühling und Herbst) einen Kinderbasar.

    Diese Termine nehme ich zum Anlass, die Kleidung und Spielsachen meines Sohnes auszusortieren. Was ich nicht auf dem Flohmarkt verkaufe, lasse ich im Auto und spende es gleich in der folgenden Woche einer Hilfsorganisation.

    Mit meinen Eltern und Schwiegereltern habe ich vereinbart, dass mein Sohn zu Geburtstag und Weihnachten jeweils ein Spielzeug bekommt. Ansonsten bekommt er Geld und das zahle ich auf sein Sparbuch ein. Die Freude über Geschenke möchte ich ihm nicht verwehren. Sein ganzes Gesicht strahlt, wenn er sein Geschenk auspackt.

    Gruß,
    Kerstin

    • Hallo Kerstin,

      Das mit den Kinderbasaren ist bestimmt eine gute Gelegenheit, um Spielsachen und Kleidung loszuwerden. Zurzeit lohnt es sich bei uns noch nicht, aber ich werde es mir merken. Vielen Dank für den Tipp. 🙂

      Das mit den Geschenken handhaben wir ähnlich. Es ist viel schöner, wenn meine Tochter gezielt ein zwei Geschenke aufmacht als wenn sie vor zwanzig Päckchen sitzt und sich gar nicht mehr richtig freut, weil es dann einfach „zu viel“ ist.

      Liebe Grüße,
      Maren

  4. Sara

    Diese Zeit fand zwischen Oktober und November statt. Die neuen Eingewöhnungskinder waren auch noch integriertet. In der KiTa in welcher in drei Jahre lang gearbeitet habe, wurden jedes Jahr alle Spielzeuge die nicht aus Naturmaterialien waren „in den Urlaub“ geschickt. Dabei wurde dies zunächst mit der Kindergruppe zwischen drei und fünf Jahren gesprochen und dann zusammen gepackt und aus dem Gruppenraum auf den Dachboden gebracht.
    In der Zeit wurde dann ein Projekt gestartet, zum Bespiel hatten die Kinder in einem Jahr „Müll“ alte Kartons und ähnliches, so wie Dosen, damit die Möglichkeit etwas eigenes zu gestalten. Während dieser Zeit gab es mehr Angebote im Alltag, aber auch eine Freispielphase.

    • Hallo Sara,

      vielen Dank für deinen Kommentar und den Einblick wie es in anderen Kindergärten gehandhabt wird.

      Liebe Grüße,
      Maren

  5. Hallo!

    Dein Beitrag gefällt mir total gut. Ich finde es ja ewig schade, dass ich das alles nicht so gut gewusst habe als meine Kinder noch klein waren.

    Hoffentlich lesen das ganz viele Mütter, ich denke, das sind wirklich sehr gute Tipps!

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      vielen Dank für dein Lob. Darüber freue ich mich sehr. 🙂

      Liebe Grüße,
      Maren

  6. SUUUUPER!!! Kinder wollen das Leben entdecken und nicht unter Krambergen ersticken. Klasse Beitrag!

    • Hallo Gabi,

      da gebe ich dir vollkommen recht. Vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

      Liebe Grüße,
      Maren

  7. Super Zusammenfassung. Übrigens das mit den Sachen, die die Kids eh nicht mehr anschauen und dann schnell mal weg in den Keller mach ich auch so 😀

    Liebe Grüße,

    Birgit

    • Hallo Birgit,

      schön, dass ihr das auch so macht. Die Sachen werden gar nicht vermisst, oder? 😉

      Liebe Grüße,
      Maren

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