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Einfach oder eintönig?

Menschen, die sich überfordert fühlen mit dem „Zu viel“ in ihrem Leben, suchen immer öfter eine Lösung in der Einfachheit. Was auch Sinn macht. Doch manchmal frage ich mich: Wann wird aus Einfachheit Eintönigkeit?

Einfachheit, also die Reduktion und Konzentration auf eine Sache, lässt sich ja wunderbar auf die Spitze treiben. Man kann es auf alles anwenden. Angefangen beim Besitz: Ich habe zu viele Tassen, also werfe ich alle bis auf eine (oder eine Sorte) weg. Ich habe zu viele Klamotten, also entscheide ich mich für eine Farbe und trage beispielsweise nur noch schwarze Kleidungsstücke. Ich habe zu viele Verpflichtungen, also kündige ich alle Vereinsmitgliedschaften bis auf den Tischtennisclub. Ich habe zu viele Hobbys, also gebe ich alle auf bis auf das Töpfern. Ich habe keine Lust, mir jeden Tag Gedanken über das Mittagessen zu machen, also gibt es jetzt nur noch Bohnen mit Reis und Salat. Ich habe zu viele berufliche Aufgaben, also gebe ich alles auf und konzentriere mich voll auf die Installation von Photovoltaik-Anlagen. In meinem Umfeld gibt es zu wenige Ablenkungen, also verkaufe ich mein Handy, den Laptop und den Fernseher und lese künftig nur noch Bücher von Thomas Mann. Ich kann mich nicht entscheiden, wohin ich in Urlaub fahren soll, also fahre ich von jetzt an jedes Jahr an die Nordsee.

Im Dschungel der unendlichen Möglichkeiten bietet Einfachheit Orientierung. Wir könnten alles tun und haben, aber wir entscheiden uns bewusst für nur eine einzige Sache.

Das ist befreiend. Und gleichzeitig auch der Punkt, der manche Menschen vielleicht vom Minimalismus und einem einfachen Leben abhält: Von der Einfachheit ist es nicht weit bis zur Eintönigkeit.

Wahrscheinlich wirst du mir jetzt widersprechen: „Ach, so ein Quatsch, man kann sich doch dann ganz anderen Dingen zuwenden, die einem mehr Spaß machen!“

Ich möchte diese Idee ja auch nur mal in de Raum stellen. Du darfst gerne anderer Meinung sein.

Ich sehe Eintönigkeit und das Gefühl von Langeweile, das damit einhergeht, als Indiz dafür, dass man zu viel entrümpelt hat. Beispielsweise könnte ich mir niemals vorstellen, bis an mein Lebensende nur noch eine Sache zu machen, nur noch ein einziges Hobby zu haben, nur noch an einen einzigen Urlaubsort zu reisen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, jeden Tag dasselbe zu essen oder nur noch Klamotten in einer einzigen Farbe zu tragen.

Vielleicht braucht es einfach nur ein wenig Durchhaltevermögen, um die positiven Auswirkungen extremer Einfachheit zu erkennen. Möglicherweise fühle ich mich zunächst unwohl, wenn ich mich dazu entschlossen haben, nur noch ein Hobby zu betreiben. Aber irgendwann merke ich dann, dass es mir damit bessergeht.

Möglich. Allerdings denke ich, dass es falsch ist zu glauben, eine Sache müsste erst schlimmer werden, bevor sie besser wird (Drogenentzug jetzt mal ausgenommen). Wenn ich auf etwas verzichte, dann möchte ich eine sofortige Erleichterung spüren. Schließlich habe ich mich aus genau diesem Grund von dem Gegenstand oder der Verpflichtung getrennt: Sie fühlte sich an wie Ballast, den ich loswerden wollte.

Diese Gedanken lasse ich jetzt einfach mal im Raum stehen, weil ich darauf keine Antwort weiß. Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen: Woran merkst du, dass du zu viel reduziert hast? Findest du, dass Einfachheit auch eintönig sein kann? Und glaubst du, dass man sich erst schlechter fühlen muss, bevor es einem besser geht? Ich bin gespannt auf deine Meinung!

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18 Kommentare

  1. Hallo Pia,
    das kann ich bestätigen. Mir wird es regelmäßig zu eintönig. Dann kaufe ich mir wieder Sachen. Das ist eine richtige Welle. Und ich denke, das hört nicht auf. Was ist denn jetzt los? Zum Glück hab ich dann meine 30-Tage-Liste. Vieles steht da schon viel länger drauf. Dann reicht es mir und ich bin wieder eins mit der Einfachheit. Und alles ist gut und fühlt sich richtig an.

    Liebe Grüße, Tanja

  2. Hallo Pia,

    gut, dass Du das Thema ansprichst. Ich glaube auch, dass das für viele ein Problem ist. Ich sehe aber Eintönigkeit und das Gefühl von Langeweile, das damit einhergeht, eher als Indiz dafür, dass man sich keine Gedanken darüber gemacht hat, was nach dem Entrümpeln kommt und wie das Leben nach dem Reduzieren aussehen soll. Wohin der Minimalismus führen soll. Den Schrank aussortieren ist einfach, aber Ideen zum Leben zu entwickeln, ist deutlich schwieriger.

    Liebe Grüße, Sandra

  3. linda

    Hallo Pia, das habe ich manchmal auch schon gedacht. Mir wäre es zu langweilig nur blau-weiss zu tragen, auch wenn es meine Lieblingsfarben sind. Und wenn ich mit Entrümpeln fertig wäre, dann hätte ich mal wieder Zeit für mein Hobby. Also keine Langeweile. LG

  4. Ich reduziere nicht so viel, daß es eintönig wird. Aber es kann gut passieren daß der ein oder andere es übertreibt. Bei mir wird es allerdings sicher nicht eintönig. Und wenn es das doch mal werden sollte, dann ändere ich eben wieder was, ganz einfach 😉
    Reduzieren soll mir gut tun. Mir Zeit verschaffen mich mit meinen Hobbies zu beschäftigen. Die stehen nämlich nicht auf meiner „Auszumisten“ Liste. Ich werde weiterhin Sport machen, Musik, meine kreativen Einfälle umsetzen, ein Buch lesen, im Internet surfen, fotografieren oder was anderes tun.

    Viele Grüße,
    Sandra

  5. Hallo Pia!

    Was ist schlecht an Langeweile? Aus der Langeweile wird die Kreativität geboren. Das ist ein typisches Ding unserer Zeit, dass es niemandem langweilig sein darf.

    Solange die Langeweile nicht auf ewig andauert ist sie der Hummus für die Entstehung von Neuem.

    Und sich für ein Hobby zu entscheiden ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Es ist ja nicht gesagt, dass es dabei bleiben muss. Wenn es mir ansteht, dann mache ich etwas anderes.

    Ich habe die Freiheit mich immer wieder neu zu entscheiden. Dafür brauche ich aber Raum, um mich entscheiden zu können. Wenn ich von einem Termin zum anderen hetze, dann entscheide ich nicht mehr sonder lebe in diesem Raster.

    lg
    Maria

    • Hallo Pia und Maria,

      so wie Maria sehe ich das auch. Wobei für mich Langeweile und Eintönigkeit auch gar nicht das Gleiche sind.

      Liebe Grüße,
      Philipp

  6. Sibylle

    Hallo,
    ich fühle da wie Sandra. Runter auf 19 Bücher, 53 Kleidungsstücke, 12 CDs – alles kein Thema. Das war ’schnell‘ erledigt.
    Aber was mach ich mit meiner Zeit? Wie füll ich meine Tage sinnvoll/kreativ/produktiv? Das ist für mich das schwierigste – ich hatte nie viele Hobbies, ich muss mich zu neuen Gewohnheiten erst zwingen, um meiner Internetsucht Einhalt zu gebieten. Das heißt, ja, es muss erst schlimmer werden bevor es besser werden kann.

  7. christine

    Aus einer Riesenmasse unnötige Dinge auszumisten, geht ganz leicht von der Hand. Danach spürt man Erleichterung, weil zu viele Dinge belasten.
    Statt extrem weiterzumachen und fast alle zu verschenken, bis wirklich kaum noch etwas da ist, plädiere ich für Wellen. Einen Schwung auszusortieren, macht mir Spaß. Dann lege ich eine Pause ein und genieße den reduzierten Status. Wenn mir wieder danach ist, fliegen in der nächsten Runde wieder eine Menge Dinge aus meinem Leben. Das hat den Vorteil, dass ich nichts vermisse.
    Eintönigkeit wie immer das Gleich zu essen, praktiziere ich tatsächlich gelegentlich. Solche Aktionen bringen mich dazu, meinen Lebenswandle kritisch zu hinterfragen, was ich wirklich will. Außerdem ist das so ähnlich wie Fasten. Danach schätze ich meine Möglichkeiten und den Luxus wesentlich mehr.
    Langeweile fördert Neugier auf unbekannte Dinge. So etwas erlebt man am deutlichsten bei Kindern, die sechs Wochen Sommerferien gehabt haben. Am Ende langweilen sie sich und freue sich wieder auf die Schule. Diese Motivation hält dann mindestens bis Weihnachten an. Diese Erfahrung können wir als Erwachsene uns gelegentlich von den Kindern abgucken. Niemand muss durchgehend bespaßt und beschäftigt werden. Wir können so viele Eindrücke doch gar nicht verarbeiten und genießen.

  8. Hallo,

    Langeweile ist wichtig, denn sie sorgt für Entschleunigung und zeigt mir auf, wie überlastet ich in letzter Zeit war. Wenn jemand ausbrennt, kann sie / er auch in eine Langeweile rutschen, da sie / er nicht mehr weiß, was er machen kann.

    Reduzieren bedeutet aber für mich, Freiräume zu schaffen, die ich dann füllen kann z.b. in dem ich Zeit finden und Muße, aus wenigen Lebensmitteln ein tolles Menü zu zaubern. Ich sehe in Minimalismus nicht die Aufforderung, sich auf ein Hobby zu konzentrieren, sondern ich sehe darin die Aufforderung zur Reflektion: Bin ich nur beschäftigt rund um die Uhr und habe Freizeitstress, weil ich mich nicht mit mir selbst nah sein kann? Weil ich Angst habe, wenn ich auf mein „inneres Kind“ treffe, falle ich ins tiefe Loch?

    Auch merke ich wiederholt, ich komme weiter mit meiner Schaffenskraft und auch in den „Flow“- Zustand, wenn ich mich auf wenige Dinge konzentriere und diese bestmöglich mache, mich also auch mal nach den Pareto-Prinzip mich in die 20% fallen lassen kann.

    Der Begriff Eintönigkeit ist für mich nur begrenzt begreifbar, fassbar – es mag sein, ein ritualisierter Lebensalltag kann schnell den Eindruck schaffen, das Leben schwingt nur noch in einem Ton – ja, und es hat wieder den Vorteil, Rituale geben mir Raum für Achtsamkeit. Dadurch wird mein Leben bunt, da ich bei mir bin, meine Bedürfnisse und Wünsche erfassen kann und begreife, wie ich auf die Umwelt oder Menschen reagiere. Ich kann dann Gelassenheit finden. Minimalismus bietet mir die Chance, zu prüfen, brauche ich die Materialien / Güter / Beschäftigungen um mich herum als Werkzeug, um mein Job & Alltag gut zu meistern, um mein Leben zu erleichtern oder sind sie „nur“ Schmuck, sollen sie mich definieren (Ich bin wer, weil ich hab…). Meiner Kenntnis nach ein altes Thema … Haben oder Sein von Erich Fromm ist hierzu lesenswert.

    • Pia

      Hallo Syrabo,

      Danke, dass du meinen Gedanken aufgenommen und so erkenntnisreich weitergesponnen hast. Was du beschreibst, trifft es meiner Meinung nach sehr gut. Manchmal muss ich mir mal wieder darüber klar werden, was diese ganze Sache mit dem Minimalismus eigentlich soll. Zu sich selbst kommen zu können und das auch auszuhalten ist da ein ganz wesentlicher Punkt, finde ich.

      LG
      Pia

  9. Ralf

    Hallo,

    zunächst einmal muß ich zugeben: Auch ich leide häufig an Langeweile und Eintönigkeit, obgleich mein Leben / Umfeld noch lange nicht einmal ansatzweise ausgemistet ist.

    Langeweile bedeutet für mich, Angst davor zu haben, mich mit mir und meinem Leben auseinander zu setzen. Einfach in mich hineinzuhorchen und der inneren Stimme zu lauschen, denn sie könnte ja durchaus kritisch mit mir und meinen Handlungen ins Gericht gehen. Dabei sollten wir wieder vermehrt erlernen, die wirkliche Stille – also auch das Ausschalten unserer Gedanken – zu genießen und zu gebrauchen, um uns selbst besser kennen zu lernen, um zu erforschen, was wir wirklich vom Leben erwarten. Apropos „erwarten“: Müssen wir etwas vom Leben erwarten oder sollten wir nicht einfach nur das Leben annehmen und genießen? Wirklich wohl fühle ich mich, wenn ich etwas geschafft / durchgestanden habe, woran ich nicht glaubte. Oder etwas neues lerne…

    Die sogenannte Eintönigkeit sehe ich hingegen etwas kritisch. Sicher kann sie uns in gewissem Rahmen Struktur und Halt geben, um nicht überflutet zu werden, uns nicht auszupowern… Doch letztendlich erscheint sie mir gefährlich, da wir durch sie sehr schnell abstumpfen und / oder einfallslos werden können. Minimalismus mit Eintönigkeit gleichzusetzen, erscheint mir dann auch etwas weit hergeholt, da ich darin keine Gemeinsamkeiten erkennen kann.

    Während mir Eintönigkeit eher ein stumpf stupides Dahinvegetieren bedeutet, suggeriert mir Minimalismus ein Leben aus der Fülle – insbesondere der Kreativität und Erkenntnis. Es ist falsch (hach, ich bewerte wieder einmal… 🙂 ) Einfachheit mit Eintönigkeit gleichzusetzen.

    lg Ralf

  10. Hallo Ralph,
    super! Ich stimme Dir absolut zu, vor allem auch, was die Erwartungshaltung gegenüber dem Leben angeht. Es macht für mich keinen Sinn, etwas vom Leben zu erwarten. Ich muss es schon selbst in die Hand nehmen und kann dabei willentlich wahrscheinlich höchstens die ungefähre Richtung beeinflussen.
    Viele Grüße, Sandra

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