Die Wahrheit liegt nicht irgendwo da draußen, sondern irgendwo in dir

Wenn ich etwas nicht wusste, habe ich mir bisher immer ein Buch gekauft. Oder nach der passenden Information im Internet gesucht. Ich dachte, dass es schlau macht, Wissen aufzusaugen. Mittlerweile glaube ich, dass intelligente Menschen vor allem auf sich selbst hören.

Manchmal fühle ich mich wie ein Schwamm: Ich sauge Informationen auf und bin total erstaunt, wie viel davon in mich reinpasst. Ich lese wirklich viel, ich schaue gerne Dokumentationen und wenn mich ein Thema fesselt, werde ich im Informationen-Beschaffen richtig kreativ. Allerdings habe ich immer öfter das Gefühl, dass mir mein Informationskonsum wenig bringt. Denn am Ende zählt ja, was ich daraus mache. Wie ich die Informationen in meinem Kopf neu zusammensetze und etwas Eigenes erschaffe. Ansonsten sind Informationen ziemlich nutzlos.

 

Wissen ist Macht, heißt es ja. Kommt auf das Wissen an.

Was nützt es mir, wenn ich genau sagen kann, in welcher Episode welcher Staffel von „Game of Thrones“ welcher Charakter gestorben ist? (Das kann ich nicht. Noch nicht ;)) Was nützt es mir, wenn ich alle Hauptstädte der Welt aufsagen kann (kann ich auch nicht, werde ich auch nie)? Früher habe ich mich sehr für Haustiere interessiert. Ich kannte die idealen Haltungsbedingungen für jedes Kleintier und jede Vogelart auswendig. Hat mir rückblickend nicht wirklich viel gebracht…

Das sind alles Wissensbereiche, die offensichtlich nur auf Partys zum Angeben oder bei „Wer wird Millionär?“ von Nutzen sein könnten. Es gibt aber auch Bereiche, in denen Belesenheit sich lohnt. Zumindest am Anfang. Will ich beispielsweise Gitarre spielen lernen, dann sollte ich vorher Noten lesen können. Will ich Chrystal Meth kochen, sollte ich mich vorher mit Chemie und Brandlöschtechniken vertraut machen. Möchte ich ein Flugzeug fliegen, sollte ich mich mit den ganzen Knöpfen im Cockpit auskennen. Solange man das Wissen dann aber nicht in die Tat umsetzt, kommt man nicht weiter.

Ich glaube, es gibt neben dem nutzlosen Wissen und dem theoretischen Wissen noch eine dritte Form: Das Wissen, das zu Weisheit führt. Und das kann man weder in einem Buch nachschlagen noch in einem VHS-Kurs oder in einem Youtube-Tutorial lernen. Diese Wahrheit liegt irgendwo in uns selber und nicht irgendwo da draußen, wie Agent Mulder bei „Akte X“ immer vermutete. Dieses Wissen entspringt den eigenen Wahrnehmungen, Gefühlen und einer rationalen Logik.

 

Ich weiß, dass ich doch was weiß.

Meditation und innere Einkehr sind ja grad schwer in Mode. Auch wenn ich denke, dass viele Modeerscheinungen überbewertet werden, glaube ich, dass da was dran ist. Wir hören viel zu selten auf uns selber. Egal, ob man das jetzt Intuition, innere Stimme oder die Signale unseres Körpers oder wie auch immer nennt. Ich glaube, dass jeder Mensch eine eigene Wahrheit in sich trägt. Und es lohnt sich, die zu entdecken.

Vor ein paar Jahren habe ich das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling gelesen. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, aber ich dachte die ganze Zeit, dass seine Wanderung sicher viel lustiger ausgefallen wäre, wenn er nicht so oft alleine unterwegs gewesen wäre. Mittlerweile weiß ich, dass Pilgern kein Vergnügungsurlaub ist und dass man nur alleine zu höheren Einsichten gelangt. Womit ich nicht sagen will, dass man alles mit sich alleine ausmachen sollte. Wenn ich nicht weiter weiß bei einem Problem, dann bringt mich ein Gespräch, die Sicht eines Anderen, meist auf die richtige Spur. Zu einem Ergebnis oder einer Entscheidung komme ich aber alleine.

Ich möchte dich jetzt nicht dazu ermutigen, dein inneres Kind oder dein inneres Leuchten zu finden. So blumige Beschreibungen kommen mir schwer über die Lippen bzw. die Finger. Was ich sagen möchte, ist einfach: Sich ab und zurück zu ziehen, nichts zu tun, beispielsweise auf einem langen Spaziergang, und in sich selbst hinein zu horchen, bringt wirklich etwas. So lernen wir uns selber besser kennen. Außerdem glaube ich, dass intensives, ablenkungsfreies Nachdenken der einzige Weg ist, um aus den ganzen zuvor aufgesogenen Informationen etwas Eigenes zu machen.

Mein Plan ist deshalb: Für jede Minute, die ich Wissen aufsauge, ziehe ich mich eine halbe Minuten zurück um es und mich zu reflektieren.

 

Meine zwei Pfennige für heute. Jetzt bist du dran: Wie sieht dein Wissenskonsum aus? Und wie nutzt du das Alleinsein?

 

P.S. Endlich ist der Beitrag bei RTL über das Project 333 gelaufen, für den ich auch interviewt wurde. Du kannst ihn hier sehen, allerdings nur bis Samstag (ab ca. Minute 5.10).

 

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21 Kommentare

  1. Tatsächlich ist es besser, dass man sich auch einen „Informationsfilter“ aneignet. Ich glaube längst nicht mehr alles und ich schaue seit Jahren kein Fernsehen mehr. Oftmals erlange ich Erkenntnisse über Selbstversuche und googel nicht mehr so viel.

    Liebe Grüße
    Maren

    • Ach so, dass Alleinsein und dabei wichtige Entscheidungen zu treffen ist nach meiner Meinung ganz einfach. Ratschläge von anderen (ausgenommen von meinem Mann) konnte ich nie gebrauchen, weil häufig nur eine Meinung ist. Die spiegelt aber nicht das wieder was gut für einen ist. Aus dem Grund gebe ich auch NIEMALS Beziehungsratschläge. Jemand von Außen kann und darf das einfach nicht.

      Nochmal liebe Grüße, 😉
      Maren

      • Pia

        Hallo Maren,

        Gute Einstellung! Allerdings, wenn mich jemand nach einem Ratschlag fragt, dann gebe ich den auch. Ohne Gewähr nartürlich.

        LG
        Pia

        • Es gibt mehr als genug Menschen die geben ungefragt ihre Ratschläge und wollen ihr Stempel aufdrücken. 😉 Ich bin da echt immun gegen.

  2. Liebe Pia, vielen Dank für diesen Beitrag. Ich sehe es genauso: Das ganze Informations-Wissen bringt wenig, wenn ich es nicht umsetzen, bewerten, einordnen und weiß ich was kann – also selber was daraus mache. Und: Sich ab und an mal zurück zu ziehen, in mich rein zu horchen, schauen, wie ich mich fühle – das erschließt Wissensgebiete oder Erkenntnisse/Einsichten, die ich mit keinem Buch, etc. finden kann. – Mit schnellen Heilsversprechen, Erleuchtungsphantasien oder irgendeiner sonstwie gestrickten Esoterik kann ich selbst überhaupt nichts anfangen und hat meiner Meinung nach auch so rein gar nichts damit zutun. Erst recht nicht, wenn Achtsamkeit dann auch noch mit Selbstoptimierung verwechselt wird (entdecke ich jetzt häufiger insb. off. in Mangerkreisen – wie werde ich und meine Mitarbeiter noch perfekter, resilienter, wirtschaftlicher, damit ich noch mehr Kohle verdiene….). So schräg, aber auch so super easy, einfach, optimiert, perfekt und weiß ich was, ist das alles nämlich nicht. Regelmäßig „einen Gang rausnehmen“, nicht nur das Kopfwissen, sondern auch das „Fühl-Wissen“ zu nutzen und zu schauen: Wie gehts mir eigentlich gerade jetzt? – Damit kann ich dann auch sehr viel mehr anfangen.

    • Pia

      Hallo Gabi,

      Die Manager-Berater entdecken doch früher oder später jedes Thema für sich 😉 Von dieser ganzen Auf-Teufel-Komm-Raus-Selbstoptimierung halte ich auch wenig. Als ob wir nur Maschinen wäre, die gefälligst zu funktionieren hätten.

      LG
      Pia

  3. Informationsüberflutung ist ein Riesenthema. Lieber nur einen guten Blogbeitrag finden und drüber nachdenken. Mach ich so. Gleich beim Spülen und Staubsaugen. Sonst konsumiere ich ja nur Informationen, die mir nix bringen. Ist das scheitern, wenn man Dinge aufgibt? Frag ich mich immer noch seit deinem letzten Post. Ich müsste richtig viele Bücher lesen um mich gesund vegan zu ernähren. Da merke ich schon, ich will kein Studium draus machen. Aus anderen Themen mache ich schon seit Jahren eins, weil ich für sie brenne. Ich mag auch Dokus und Serien. Die darf man mir auch nicht wegnehmen.

    • Pia

      Hallo Tanja,

      ich finde nicht, dass Aufgeben Scheitern ist. Aber ich glaube, es fühlt sich oft so an. Wir werden ja immer dazu angehalten, alles zuende zu machen. Früher habe ich meine Hobbies gewechselt wie andere die Unterhosen, da hieß es auch immer: „Du machst nie was zuende!“

      LG
      Pia

  4. Hallo Pia,

    meiner Meinung nach ist hier Balance recht wichtig. Meditation bereichert mein Leben. Würde ich jedoch den ganzen Tag meditieren, wäre das auch der falsche Weg in die andere Richtung. Auch Wissen über mich selbst möchte ich anwenden.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Pia

      Hallo Philipp,

      Da stimme ich dir zu. Wenn man den ganzen Tag meditiert, bekommt mans bestimmt auch schnell am Rücken.

      LG
      Pia

  5. Nina

    Toller und (für mich) sehr aktueller Artikel. Bis vor kurzem habe ich auch fast wahllos (zu Ernährung, Fitness, Minimalismus, verschiedenen Hobbys und -ganz beliebt- Selbstoptimierung) Wissen gesammelt und mir in den Kopf gehämmert, einfach „weil mans ja bestimmt mal gebrauchen kann“. Kann man aber nicht.
    Ich hatte eher im Gegenteil das Gefühl, von zu vielen Berichten, Videos, Listen und Graphiken überschwemmt zu werden und war so verwirrt, dass ich irgendwann bei nichts mehr richtig sicher war. Seit einigen Wochen versuche ich das bewusst einzudämmen und fühl mich seitdem deutlich leichter und klarer im Kopf, was wirklich schön ist.
    Und wenn ich jetzt was wissen will, google ich gezielt danach oder frage im Umfeld ob sich wer damit auskennt. So hat man direkt noch was von seinen Mitmenschen =)

    LG Nina

    • Pia

      Hallo Nina,

      Kennst du die Folge von „Eine schrecklich nette Familie“, in der Kelly so viel lernt, dass sie am Ende das zuerst Gelernte wieder vergisst, weil ihr Gehirn einfach überläuft? So fühle ich mich manchmal. Vielleicht können sich Informationen gegenseitig aufheben oder so, so dass man am Ende wieder genauso wenig weiß wie zuvor…

      LG
      Pia

  6. Liebe Pia.
    Ich nutze sehr gerne die genannten Möglichkeiten, um mir Wissen anzueignen. Würde mir kein Buch, kein Internet und kein Austausch mit interessanten Leuten zur Verfügung stehen, da käme wohl nicht allzu viel Wissen aus mir selbst… 🙂 Aber die Kombination macht’s. Inneres und äusseres Wissen. Anregungen, Ideen und Informationen, das alles kommt mal von mir und mal von anderen. Und fügt sich so zusammen. Das finde ich gut so. Nicht alles ungefiltert und unüberlegt übernehmen ist auf jeden Fall wichtig. Klassisches Meditieren klappt bei mir nicht, aber die Meditation-im-Tun. Also Tätigkeiten mit den Händen (zum Beispiel jäten oder abwaschen oder so), bei denen man die Gedanken schweifen lassen kann. Oder eben der Spaziergang. Da geht es wie von selbst.
    Herzlich, Yvonne.

  7. Hey Pia,
    ich glaube auch, dass wie so viele Ratgeber lesen können und so oft danach handeln können wie wir wollen. Letztendlich bringt es viel mehr auf sich selbst zu hören und seinen eigenen Weg zu finden. Alles, was wir uns anlesen, kann nur als Inspiration wirken.

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    Man kann einfach Fragen stellen. In Gedanken, im Selbstgespräch oder schriftlich. An Gott, ans Universum. .. an jemanden, dem man vertraut (und der nichtphysisch da sein muss) …. und dann kommen auch Antworten. Die man dann durchaus weiter diskutieren kann. Das bringt meiner Erfahrung nach eine ganze Menge!