Wie du dich gegen unerwünschte Geschenke wehrst

„Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul“ – dieses Sprichwort kennst du bestimmt. Es bedeutet: Beschwer dich nicht über Geschenke. Und es wird einem schon in der Kindheit eingetrichtert. Deshalb ist es auch ziemlich schwer, diesen Gedanken abzulegen. Minimalisten wissen, dass Geschenke tückisch sind: Sie füllen unsere Wohnungen, die wir doch gerade so mühsam entrümpelt haben. Wie wehrt man sich also gegen diese milden Gaben? Continue reading…

Linktipps zum Wochenende: Selbstversorger, Reiselustige und eine Foto-Challenge

Pünktlich zum Wochenende und in Ermangelung weiterer politischer Ambitionen habe ich euch heute eine kleine Linksammlung zusammengestell.

Über Umwege bin ich auf die Geschichte der Dorfgemeinschaft Tempelhof gestoßen. Organisiert ist dieses Wohn- und Lebensprojekt als Genossenschaft. Die Mitglieder haben sich für die Verwirklichung ihrer Idee eines gemeinschaftlichen, nachhaltigen Lebens vor drei Jahren sofort ein ganzes Dorf gekauft. Eine tolle Idee, wie ich finde, obwohl das Ganze in der SWR-Reportage, die man auch auf der Homepage von Tempelhof findet, doch ein bisschen zu sehr nach heile Welt anmutet. Ständig nehmen sich die Leute an der Hand und singen gemeinsam. Das finde ich ein bisschen komisch. Auch frage ich mich was passiert, wenn aus den dort erwähnten 80 derzeitigen Bewohnern einmal 800 werden. Ob das gemeinschaftliche Abstimmen dann noch funktioniert? Ob die Großküche für so viele Leute kochen kann? Ob dann nicht doch Streit, Missgunst und Egoismus aufkommen, so wie in jeder Gesellschaft früher oder später?

Mein nächster Lese- oder vielmehr Ausprobiertipp ist die „One-Photo-Challenge“ der amerikanischen Bloggerin Courtney Carver. Bekannt geworden ist sie durch das „Project 333“, das sie ins Leben gerufen hat. Dabei trägt man drei Monate lang jeweils 33 ausgewählte Kleidungsstücke und schaut, wie man mit diesem Verzicht klar kommt. Bei der „One-Photo-Challenge“ geht es darum, Instagram, Camera360 und Co. einmal aus seiner Fotografierpraxis zu verbannen und täglich nur noch ein unbearbeitetes Foto zu veröffentlichen. Aus meiner Erfahrung als Lokaljournalistin weiß ich, dass es sauschwer ist, ein wirklich perfektes Foto zu schießen. Meistens wird hinterher noch ordentlich nachgearbeitet. Und selbst dann bleibt oft nur Mittelmäßiges übrig. Noch viel inflationärer werden mittlerweile diese ganzen Handy-Fotofilter verwendet. Fand ich anfangs auch ziemlich schick und ich benutze sie ja selbst, aber irgendwann hat man sich daran auch satt gesehen. Ich denke, ich werde Carvers Idee einmal ausprobieren, wenn auch nicht jeden Tag.

Autor Daniel Hautmanns Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Ein Jahr lang reist er mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen in einem umgebauten Mercedes-Bus durch Deutschland und Frankreich. Unterwegs besucht er Menschen, die sich für besondere Lebensformen entschieden haben. So war sie schon zu Besuch im oben erwähnten Dorf Tempelhof und auch beim Hardcore-Ökobauern Gottfried. Ich bin gespannt, wie die Reise weitergeht und wen die Familie noch so alles trifft.

Und jetzt: Schönes Wochenende!

Modernes Teilen und die gutmütige Crowd

Teilen – eigentlich sollte man es öfter tun, ein bisschen was abgeben, meine ich. Da meldet sich das schlechte Gewissen. Dabei teilen wir jeden Tag. Teilen liegt gerade voll im Trend. Der wohl erste dokumentierte Fall einer teilenden Crowd stammt aus der Bibel (mit dem ganzen Glaubens-Kram habe ich nichts am Hut, aber als historische Quelle und für die eine oder andere Anekdote ist dieses Buch schon zu gebrauchen): Jesus teilt ein paar Fische und Brote und sättigt damit ein ganzes Fußballstadion hungriger Fans. Wie er das geschafft hat? Na, durchs Teilen! Ideen zum sinnvollen Teilen sind jetzt, 2000 Jahre nach dieser eindrucksvollen Demonstration, wieder schwer umdacht. Man erkennt viele Konzepte, die auf dem Prinzip des Teilens basieren, an zwei Buchstaben: Co. Da gibt es das Co-Working, bei dem man sich ein Büro teilt, das Co-Housing, bei dem man gemeinsam eine Wohnanlage baut oder umgestaltet, das Co-Driving, auch Carsharing genannt, in Food-Coops kauft man gemeinsam große Mengen Lebensmittel ein, und natürlich gibt es das Crowdfunding. Sicherlich existieren noch mehr Co-Projekte und viele entstehen gerade noch.

In all diesen Fällen hat Teilen einen ungewöhnlichen Effekt: Man hat plötzlich nicht weniger von einer Sache, weil man diese mit jemandem geteilt hat, sondern es wird mehr. Wie im Bibel-Beispiel eben. Und so sieht Teilen heute aus:

Co-Housing: Menschen in Großstädten sehnen sich nach einem Aspekt, der ihrer Meinung nach das Leben auf dem Land schöner macht: Eine überschaubare Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt. In der Realität bedeutet die Tatsache, dass in einem Dorf jeder jeden kennt noch lange nicht, dass sich alle liebhaben. Die fehlenden Anonymität, die Großtstädter so bewundern, führt auch dazu, dass potenziell mehr über die Nachbarn gelästert wird. Dennoch spricht mich die Idee des gemeinschaftlichen Bauens sehr an. Erstmals habe ich davon durch diesen Podcast erfahren, während ich auf dem Heimweg vom Skiurlaub war. Das Prinzip hinter solchen Bauprojekten: Menschen schließen sich zusammen, um gemeinsam eine Wohnanlage zu planen und zu bauen. Dabei legen sie Wert darauf, dass nicht einfach ein Mehrfamilienhaus entsteht, sondern ein Gebäude, das die Kommunikation und Interaktion untereinander fördert. Es gibt Gemeinschaftsräume für verschiedene Zwecke (Partykeller, Bibliotheken, Medienräume, Fitnessräume), wodurch die einzelnen Wohnungen kleiner ausfallen können. Das spart Platz und letztlich auch Geld. Aber der wichtigste Grund, warum man sich an einem solchen Bauprojekt beteiligt, ist die Gemeinschaft: Die Bewohner gehen bewusst eine Bindung mit ihren Nachbarn ein, die über das Salz-Verleihen hinaus geht. So funktioniert auch generationsübergreifendes Wohnen: Die Jungen helfen den Alten beim Einkaufen, die Alten hüten dafür die Kinder der Jungen. Würden alle Menschen in Deutschland so denken und handeln, bräuchte man sich über den demografischen Wandel eigentlich keine Sorgen zu machen.

Car-Sharing: Ist in großen Städten bereits sehr populär. Fast jeder große Autohersteller hat ein solches Programm im Angebot: Man leiht sich einfach ein in der Nähe geparktes Auto, fährt damit, so weit man will, stellt es wieder ab und das war´s. Mittlerweile gibt es Internetplattformen (beispielsweise Tamyca, Autonetzer oder Nachbarschaftsauto), die private Autos vermitteln. Dort kann jeder seinen Wagen zum Verleih anmelden oder selbst einen Pkw mieten. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Privatautos die meiste Zeit eh nur vor der Haustür stehen, finde ich diese Idee ziemlich sinnvoll: Das spart nicht nur Geld, man schont auch die Umwelt. Jeder, der mal im Stau stand und dabei gemerkt hat, dass in fast allen Autos um ihn herum nur jeweils der Fahrer sitzt, kann dem Carsharing sicher etwas abgewinnen.

Co-Working: Freiberufler, die nicht gerne alleine im stillen Kämmerlein arbeiten, mieten sich für einen Tag oder auch länger in einem Großraumbüro ein. Dort bekommen sie einen Tisch, einen Stuhl, einen Internetzugang und die Möglichkeit, viele nette Gespräche mit den anderen Co-Workern zu führen. Die Idee des Teilens steht hier allerdings nicht so sehr im Vordergrund, die Co-Working-Spaces (Übersicht: www.coworking.de) werden nämlich meistens nicht gemeinschaftlich angemietet, sondern von einer oder wenigen Personen, die damit auch Umsatz machen wollen. Trotzdem zeigt die Popularität solcher Arbeitsplätze, dass der Mensch einfach nicht fürs Alleinsein geschaffen ist. Kooperieren und Teilen sind also ziemlich natürliche Wünsche.

Food-Coops: Bioläden sind dir zu teuer? Dann gründe doch einfach selbst einen! Biolebensmittel boomen, weil Chemikalien im Essen ekelig sind und Massentierhaltung für ein schlechtes Gewissen sorgen. Bio ist gesund, ethisch und ökologisch korrekt (hoffentlich) — aber leider auch ziemlich teuer. Findige Köpfe schaffen sich daher ihre eigenen Bioläden, privat allerdings. Dabei tun sich wieder einige Leute zusammen und gründen im Idealfall einen Förderverein. Die Mitglieder dieses Vereins mieten einen Raum an, der zum Lager/Verkaufsraum umgestaltet wird. Dann kaufen die Mitglieder der Food-Coop gemeinsam in großen Mengen Lebensmittel ein, was insgesamt günstiger ist als die Single-Packung aus dem Bio-Supermarkt. Was gekauft wird, entscheiden die Mitglieder gemeinsam. Die Lebensmittel werden in dem Raum gelagert, zu dem jeder einen Schlüssel hat. Einkaufen funktioniert dann so, dass man sich die Dinge nimmt, die man braucht, die Mengen aufschreibt (Ehrlichkeit muss da einfach sein), und am Ende des Monats für seine Einkäufe bezahlt. Die Arbeiten rund um diesen privaten Tante-Emma-Laden werden unter den Mitgliedern aufgeteilt. Die Vorteile einer Food-Coop liegen auf der Hand: Günstige, qualitativ hochwertige Lebensmittel, von denen man weiß, woher sie kommen. Und einkaufen kann man auch rund um die Uhr.

Crowdfunding: Beim Geld hört der Spaß und die Freundschaft ja bekanntlich auf. Geld nährt Neid, Gier und Unzufriedenheit (hört sich krass an, aber denkt doch mal drüber nach….). Nur: Ohne Geld lassen sich tolle Projekte nicht verwirklichen. Seit mehreren Jahren schon finanzieren in den USA Kreative ihre Projekte mit Hilfe der Crowd, also ihren Unterstützern und Freunden (Fans?). Seit kurzem gibt es solche Plattformen auch in Deutschland, beispielsweise startnext.de und Krautreporter.de für journalistische Projekte. Nicht immer kommt das benötigte Kleingeld für eine Idee zusammen. Einer, der bei der Finanzierung seiner Ideen immer auf seine Crowd zählen kann, ist Van Bo Le-Mentzel, der zunächst durch seine Hartz-IV-Möbel und das gleichnamige, Crowd-finanzierte Buch berühmt wurde. Jetzt hat er den Turnschuh-Klassiker „Chucks“ von Converse „nachgebaut“, und zwar unter fairen Produktionsbedingungen. Die Realisierung erfolgte wieder über startnext.de. Van Bo Le-Mentzel lebt das Prinzip des Teilens: Die Baupläne für seine Möbel, also sein Wissen, gibt es kostenlos auf seinem Blog, sogar persönliche Entscheidungen teilt er mit seiner Crowd. „Unsere Crowd ist nicht böse, sie wird sich für das Beste entscheiden“, ist dabei seine feste Überzeugung. Guckt euch dazu doch mal dieses Interview mit Ulrike Langer an, Van Bo Le-Mentzel spricht darin auch Dinge an wie neue Produktionswege („Crowducing“) und den Wert des Geldes.

Teilen macht Sinn, weil man letztlich mehr bekommt, als man gegeben hat. Teilen macht glücklich (das Gehirn reagiert aufs Spenden genauso wie auf Essen oder Sex). Teilen verbindet, weil man ja — logischerweise — mindestens eine zweite Person dazu braucht.

Kennt ihr noch weitere Beispiele, wo sich Teilen lohnt?