Entscheidungsfreiheit macht unzufrieden

Welche Praline hättens denn gern? Quelle: Helene Souza  / pixelio.de

Welche Praline hättens denn gern? Quelle: Helene Souza / pixelio.de

Je größer die Auswahl, desto schwerer die Entscheidung, desto unglücklicher der Mensch. Das ist die Kernaussage von Barry Schwartz Buch „The Paradox of Choice“. Wer es nicht lesen will, kann sich die Theorie in diesem Video vom Autor persönlich anhören. Das Buch ist schon zehn Jahre als und wird immer aktueller. Der amerikanische Psychologe widerspricht darin der weltweiten Meinung, dass sich größere Freiheit in mehr Wahlmöglichkeiten ausdrückt, was wiederum zu größerer Zufriedenheit führt.

Die Auswahl wird in allen Lebensbereichen immer größer (er bezieht sich auf die westlichen industrialisierten Staaten, in Drittländern hingegen seien die Wahlmöglichkeiten zu gering, um glücklich zu machen). Wir stehen im Supermarkt vor einem Weinregal mit 100 Sorten, müssen uns zwischen 70 Paar Joggingschuhen entscheiden, suchen in 15 verschiedenen Geschäften nach der perfekten Jeans und auf zahlreichen Vergleichsportalen nach dem richtigen Handy.

Habe ich den richtigen Weg genommen?

Aber die Qual der Wahl macht nicht beim Konsum halt. Nach der Grundschule müssen wir entscheiden, welchen Schulabschluss wir anstreben. Studium oder Ausbildung? Praktikum oder Auslandssemester? Welchen Beruf soll ich bloß wählen? Wo bewerbe ich mich oder soll ich mich selbstständig machen? Wie lange bleibe ich in dieser Firma? Soll ich die Beförderung annehmen? Die schicken mich für ein Jahr nach China, soll ich das machen? Huch, jetzt schwirrt mir der Kopf.

Das war dann also das Berufsleben. Dann schauen wir uns mal das Privatleben an. Ist er wirklich der richtige Partner? Stören mich seine (oder ihre) Macken zu sehr oder kann ich damit leben? Sollen wir zusammenziehen? Wohin? Haus oder Wohnung? Was kaufen oder mieten? Will ich heiraten? Wann ja, wann? Und ihn oder sie? Will ich Kinder? Wie viele? Erst Karriere? Oder schon im Studium? Wie sollen wir das Kind nennen? Kindergarten oder Tagesmutter? Oder bleibe ich zuhause? Oder bleibt mein Partner/meine Partnerin zuhause?

„Wir müssen jeden Morgen entscheiden, wer wir sind.“

Neben den ganzen großen Lebensentscheidungen fällen wir jeden Tag dutzende kleine Entscheidungen. Was ziehe ich heute an? Was soll ich kochen? Soll ich lieber zunächst das erledigen oder hat das andere Priorität? Wann rufe ich am besten irgendwo an? Soll ich die Blumen mal wieder gießen? Gehe ich heute Abend zum Sport? Wann mache ich Mittagspause? Soll ich jetzt mit dem Kollegen reden oder lieber später? Noch ein Kaffee?

Barry Schwartz geht sogar so weit zu sagen: „Wir müssen jeden Morgen entscheiden, wer wir sind.“

Jede Entscheidung für etwas bedeutet eine Entscheidung gegen etwas anderes. Besonders bei den großen Lebensentscheidungen kommt man da schnell mal ins Grübeln: Hätte ich vielleicht doch besser den anderen Weg genommen? Je größer die Auswahl, desto schwieriger die Entscheidung. Wir wollen schließlich die beste Wahl treffen. Deshalb schieben wir die Entscheidung auf und sind hinterher trotzdem unzufrieden. Wir sind nämlich selber schuld, wenn eine Wahl sich im Nachhinein als nicht perfekt herausstellt. Mit der Auswahl wachsen nämlich auch unsere Erwartungen an das Ergebnis. Barry Schwartz Fazit klingt vielleicht etwas übertrieben: „Das Geheimnis des Glücks sind niedrige Erwartungen.“ Trotzdem hat er im Grunde Recht.

Tja, und was kann man nun tun, um die Auswahl zu beschränken, die Erwartungen an seine Entscheidung zu senken und damit zufriedener zu sein? Wie wäre es damit:

  • Sich einer Religionsgemeinschaft anschließen (Vorschlag von Mr Schwartz persönlich): Diese gibt moralische Werte vor, an die man sich nur noch zu halten braucht. Fragt doch mal den Papst, welche Ratschläge seine Kirche für den ganzen Partner-Ehe-Kinder-Bereich gibt.
  • Sich schnell entscheiden: Im selben Interview spricht Schwartz von „Maximizern“ und „Satisficern“. Erstere versuchen die perfekte Entscheidung zu treffen, indem sie sich vorher alle möglichen Informationen besorgt und alle Wahlmöglichkeiten im Kopf durchspielt. Die zweite Gruppe entscheidet sich einfach für das Erstbeste und denkt dann nicht weiter über das „was wäre, wenn“ nach. Werdet also zu Satisficern: Entscheidet euch zügig und steht dann zu dieser Wahl.
  • Keine Vergleichsportale lesen: Je kleiner und günstiger das Produkt, desto besser ist es, wenn ihr wenig darüber wisst. Wollt ihr wirklich eure Zeit damit verschwenden, Testberichte von Zahnpasten zu durchforsten, nur um die perfekte Creme zu finden? Sauber machen sie schließlich alle. Und ob das Brot von der einen Marke nun besser ist als das andere – satt machen beide. Wenn ihr das Risiko nicht scheut, könnt ihr so auch bei größeren Anschaffungen verfahren. Nehmt das erste Handy, das euch gefällt, statt tagelang Funktionen und Akkulaufzeiten zu vergleichen. Nehmt den erstbesten Fernseher. Kauft das erste Auto, das euch interessiert. Wer nicht lange nachdenkt, entdeckt viel leichter günstige Gelegenheiten.
  • Das Positive an einer Entscheidung sehen: Vielleicht hätte das andere Handy schönere Fotos gemacht, aber das, für das ihr euch entschieden habt, ist schneller im Internet. Think positive!
  • Kleine Geschäfte: Bevorzugt Läden mit wenig Auswahl. Wenn es dort nur eine Honigmarke gibt, dann nehmt ihr eben die. Basta.
  • Andere entscheiden lassen: Es gibt ganze Branchen, deren Erfolg darauf beruht, dass sie Menschen ihre Entscheidungen abnehmen. Personal Trainer etwa. Jeder weiß ja, dass 30 Situps besser sind als 10, aber wir raffen uns leichter dazu auf, wenn jemand neben uns steht und uns bei unseren Übungen anschreit. Es ist also gar nichts schlimmes dabei, andere für sich entscheiden zu lassen (natürlich nur bei halbwegs unwichtigen Sachen, lasst euch bloß nicht verheiraten oder einen Job aufs Auge drücken, den ihr nicht wollt!). Ihr kennt jemanden, der ein Experte im Bereich Multimedia-Entertainment-Gedöns ist? Dann fragt ihn doch, welchen Fernseher er euch empfehlen würde, und nehmt den. Lasst euch Dinge schenken, etwa zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Lasst euer Reisebüro euren Urlaub auswählen (vorher Strand oder Berge und Budget angeben). So schlagt ihr zwei Fliegen mit einer Klappe: Ihr müsst euch selber weniger Mühe machen und werdet außerdem noch überrascht.
  • Limits setzen: Beschränkt eure Auswahl, indem ihr euch selbst Limits setzt. Ihr wollt einen Wein kaufen. Dann legt vorher fest, dass er nicht mehr als fünf Euro kosten darf, weiß, trocken und aus Spanien sein soll. Ihr werdet keine fünf Minuten brauchen, um unter 100 Sorten den richtigen Wein zu finden. Ihr wollt umziehen. Entscheidet euch zunächst für eine Stadt, für die Art der Behausung (Dreizimmerwohnung oder Haus mit Garten oder was dazwischen), setzt euch ein Kostenlimit und ein Zeitlimit. Dann stellt diese Parameter in allen Suchmaschinen ein und lasst alle anderen Angebote außen vor.

Gute Vorsätze: Projekt 12 in 2014

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Gute Vorsätze sind ja bekanntlich ein zweischneidiges Schwert: In den ersten Tagen eines neuen Jahres nimmt man sich so viele Veränderungen vor, dass man spätestens Ende Januar damit scheitert, die Vorsätze in die Tat umzusetzen. An diesem Punkt denkt man sich dann: „Ich habe es nicht geschafft, ich werde es auch nicht schaffen, dann kann ich es auch ganz sein lassen.“ So ganz ohne gute Vorsätze in ein neues Jahr zu starten, finde ich allerdings auch blöd. Wenn ich mich oder etwas in meinem Leben verändern bzw. verbessern möchte, dann brauche ich Ziele. Nur wie mache ich das? Da kam zum richtigen Zeitpunkt dieser Post von Inka. Das „Projekt 12 in 2014“ ist wirklich eine geniale Idee. Jeden Monat wird ein Fazit gezogen, was geklappt hat und was nicht. Ich gelobe hiermit, bei jedem Fazit absolut und brutal ehrlich zu sein.

Meine 12 Vorsätze für die nächsten 12 Monate sind:

1. 12 Kilo abnehmen: Jeden Monat einen Kilo zu verlieren müsste möglich sein. Das sind 250 Gramm in einer Woche. Um das zu schaffen werde ich mir noch einen ausgeklügelten Plan ausdenken, der auf Gewohnheitsänderungen basiert. Oder weniger Schokolade essen…
2. Nichts kaufen: Keine Konsumgüter wie Klamotten, Bücher, Elektronikartikel, Krimskrams usw. Es gibt zwei Ausnahmen. Eine werde ich wohl für eine Skihose einlösen, die ich für den passenden Urlaub brauchen werde. Weitere Ausnahmen sind auch Gegenstände, die ich für die Arbeit brauche. Geht meine Kamera also kaputt, darf ich mir eine neue besorgen. Die Idee zu der Challenge findet ihr hier.
3. Mich jeden Tag mindestens 30 Minuten bewegen: Schreibtischtäter wissen, was ich meine…
4. Einen Yoga-Kurs machen.
5. Nicht mehr rauchen: Adé Partykippe!
6. 5 Bücher schreiben, darunter mindestens einen Roman.
7. Weiter ausmisten.
8. Weniger Fernsehen und planlos im Internet surfen: Ich habe entdeckt, oder mir wohl eher eingestanden, dass das meine größten Zeitfresser sind. Wenn ich Punkt 6 schaffen will, muss ich mich in dieser Hinsicht zusammenreißen.
9. Meditieren: Gegen das Chaos im Kopf. Oder einfach, um das Gewese darum zu verstehen.
10. Jede Woche 2 Blogartikel schreiben.
11. Jeden Monat eine ungewöhnliche neue Sache ausprobieren.
12. Alle wichtigen Dinge des Tages bis Mittags erledigt haben: Jeden Morgen nehme ich mir drei wichtige Aufgaben vor, dich ich als erstes abarbeite. Möglicherweise muss ich dafür früher aufstehen. Puh, das wird schwer.

E-Book: Minimalismus im Kleiderschrank – Entrümpeln und den eigenen Stil finden

KleiderschrankCover2Bisher war mein Kleiderschrank für mich die größte Herausforderung beim Entrümpeln. Darin bewahrte ich so viele Kleidungsstücke auf, die mir nicht passten, Lustkäufe, die ich nie trug, Lieblingsstücke, die abgewetzt und nicht mehr zu retten waren. Und immer wieder beschäftigte mich die Frage: Was davon kann ich aussortieren, was soll ich behalten? Ich besaß von allem zuviel und doch nicht das Richtige.

Dann stieß ich auf Blogs von Menschen, die ihre Garderobe radikal reduziert haben. Immer passend gekleidet sein, und dass nur mit 30 Kleidungsstücken? Drei Wochen Urlaub nur mit einem Rucksack? Das geht. Und ich dachte mir: Wie machen die das bloß?

Auf dem Weg zur Antwort habe ich mittlerweile mehr als 70 Kilo Klamotten, Schuhe, Taschen und Accessoires aussortiert und komme meiner perfekten minimalistischen Garderobe so immer näher. Meine Erkenntnisse aus vielen Stunden Recherche und anschließenden Selbstversuchen habe ich zusammengefasst und in ein E-Book verwandelt, das es jetzt direkt hier auf dem Blog, bei Amazon und in vielen anderen E-Book-Shops zu kaufen gibt.

Ich freue mich über jegliche Tipps und Anregungen von dir. Wenn dich etwas stört, sag es mir! Fehlt dir etwas? Gefällt dir vielleicht sogar, was ich geschrieben habe? Dann schreib es mir (oder schreib einen Rezension bei Amazon). Ich hoffe, du hast Spaß beim Lesen und fühlst dich anschließend gerüstet genug, um die Entrümpelung deines eigenen Kleiderschrankes in Angriff zu nehmen.

Zu Weihnachten Zeit statt Zeug verschenken

Totensonntag ist der Stichtag, sagt zumindest der Volksmund: Ab da beginnt die Vorweihnachtszeit. Ab kommendem Sonntag dürfen wir also unsere Wohnungen weihnachtlich schmücken, Spekulatius und Dominosteine futtern, Glühwein schlürfen, Wunschlisten schreiben, „Jingle Bells“ summen, Kunstschnee streuen, Grußkarten schreiben, Adventskalender bestücken und uns darüber den Kopf zerbrechen, wem wir was schenken. Ein Graus, zumindest das Letzte (obwohl ich Kunstschnee auch nicht so prickelnd finde, schlimmer ist nur Lametta). Zum Glück hat meine Familie im letzten Jahr entschieden, dass wir nur noch wichteln: Jeder zieht den Namen eines anderen und dann muss man nur dieser Person etwas besorgen. Also bekommt jeder ein Geschenk zu einem abgemachten Preis. Das erleichtert das Weihnachts-Wahnsinns-Shopping wirklich ungemein. Noch schöner wäre es allerdings, wenn man gar nichts kaufen müsste. Warum nicht mal etwas Nicht-Materielles verschenken? Beispiele dafür gibt es auf der Seite „Zeit statt Zeug„: Fotos gucken statt Kamera, Zoobesuch statt Kuscheltiere….tolle Ideen, wie man seinen Lieben gemeinsame Zeit schenken kann. Aber es gibt ja noch so viel mehr Möglichkeiten, jemandem eine Freude zu machen, ohne tief ins Portemonnaie zu greifen.

Hilfe im Haushalt: Der Klassiker aus der Kindheit. Zum Muttertag wurde schnell ein Gutschein über einmal Spülmaschine ausräumen und einmal Staubsaugen geschrieben, dann war die Sache gegessen. Meine Mutter hat sich trotzdem immer über so etwas gefreut, sagt sie zumindest (wahrscheinlich nur, wenn wir den Gutschein dann auch eingelöst haben).
Was man aus dieser Kategorie noch verschenken könnte: Fenster putzen, Auto waschen, Keller oder Dachboden ausmisten, das Silberbesteck polieren, den Briefkasten lackieren, Fahrrad reparieren, beim Umstellen der Möbel helfen, Dachrinnen reinigen (nur für Schwindelfreie), Hecken schneiden, Beete umgraben, Rasenmähen, eine Woche mit dem Hund Gassi gehen…

Jemandem etwas beibringen: Wissen zu vermitteln ist ein tolles Geschenk. Der Schüler profitiert davon und man verbringt Zeit zusammen.
Wie wäre es mit: Fremdsprachen, Kochtechniken (Brot backen, Marmelade einmachen, Crème brûlée flambieren), Handarbeitstechniken (Stricken, Häkeln, Klöppeln, weiß der Kuckuck), etwas reparieren (Hilfe zur Selbsthilfe), Fotografieren, Sporttechniken (Skifahren, Tore schießen, Atemtechniken beim Yoga)…

Erlebnisse: Ein unvergesslicher Tag ist mehr Wert als jeder Satz Bettwäsche und jeder Parfüm-Gutschein. Natürlich sollte die Aktivität auch dem Geschmack des Beschenkten entsprechen. Wem in der Achterbahn schlecht wird, der freut sich nicht über einen Tag im Freizeitpark.
Aber vielleicht darüber: Eine gemeinsame Wanderung mit Picknick, einen Kinobesuch, eine Einladung zum Essen (selbst gekocht natürlich), eine Shoppingberatung, ein Kickerturnier (oder Darts), einen Museumsbesuch (vorher ein paar Infos im Internet suchen und aufschreiben, dann ist die Privatführung inklusive), einen Tag in der Sauna oder im Schwimmbad, einen Zoobesuch, ein paar Stunden im Klettergarten…..

Puh, jetzt fällt mir erstmal nichts mehr ein. Habt ihr noch Ideen, wie man diese Liste ergänzen könnte?

P.S. Natürlich gibt es immer Menschen, die überschlagen bei jedem Geschenk, das sie bekommen, was es wohl gekostet hat und ob sie selber mehr ausgegeben haben. Solche Menschen wissen ein Geschenk aus der obigen Liste nicht zu würdigen. Wenn ihr keinen Streit an Heiligabend riskieren wollt, dann kauft ihnen lieber einen Gutschein.

Generationenmanifest: Weg von „Nach mir die Sintflut!“

Die Gesellschaft hat ein Problem. Nicht nur eines, Hunderte! Probleme, über die man sich in Gesprächen müde diskutiert, über die man sich aufregt, wenn man von ihnen in den Medien liest. Probleme, die meistens mit dem Gedanken einhergehen, dass wir zwar in einer bewundernswerten Demokratie leben, aber die Leute da oben, die Politiker, nicht immer wissen, was sie tun. Oder bewusst Entscheidungen treffen, die wir nicht unterstützen wollen. Bald will der Staat von mir als mündigem Bürger wieder ein Kreuzchen haben: Am 22. September steht die nächste Bundestagswahl an. Meistens bin ich mir nicht ganz sicher, wen ich wählen soll. Im Grunde ähneln sich die Wahlprogramm der großen Parteien doch stark. Und so einseitig orientierte Parteien wie die Anti-Euro-Partei kann ich nicht ernst nehmen. Im Zweifel setze ich mein Kreuzchen also irgendwo in der Mitte. Ob sich dadurch etwas in meinem Sinne verändert? Ich bezweifle es ….

Meine letzte politische Handlung ist noch keine zwei Stunden alt. Ich habe meine Unterschrift unter eine Liste von Forderungen gesetzt, die den Gewinnern der nächsten Bundestagswahl eine Richtung vorgeben sollen. Diese Liste nennt sich Generationenmanifest. Die darin enthaltenen Forderungen beschäftigen sich mit Themen wie: Klimawandel, Energiewende, Staatsverschuldungen, die Macht der Finanzindustrie, die Ausbeutung von Drittländern, Änderungen im Bildungssystem, politische Mitsprache, soziale Chancengleichheit (insbesondere den Mindestlohn) und den mehr als hinfälligen Generationenvertrag. Im Grunde geht es darum, unseren Kindern eine gesunde Umwelt und eine funktionierende Gesellschaft zu hinterlassen, anstatt alles ohne Rücksicht auf die Zukunft an uns zu reißen und zu verbrauchen. „Ja!“ habe ich innerlich bei jedem dieser Punkte geschrien. Das schreiben die Initiatoren selber zu ihrer Aktion:

„Wir fordern eine Strategie des Wandels für Deutschland, Europa und die Welt. Zukunftsfähigkeit erfordert mehr als ein paar kosmetische Korrekturen. Und sie braucht den Schulterschluss mit den Schwellen- und Entwicklungsländern, die aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung eine besondere Bedeutung für alle Themen der Nachhaltigkeit haben. Wir müssen mit langem Atem und konsequent auf eine ökologisch und sozial gerechtere Gesellschaft hinarbeiten. Wir fordern alle Politiker auf, sich in ihren Entscheidungen nicht abhängig von kurzzeitigen Wahlprognosen, Machtverschiebungen oder Lobbyinteressen zu machen. Wir fordern sie auf, ihre Kraft uneingeschränkt dem Wohle der heutigen und zukünftigen Generationen zu widmen, ihren Nutzen zu mehren und Schaden von ihnen abzuwenden.“

 

Ins Leben gerufen wurde diese Initiative von einigen Prominenten, wobei unter diesen Begriff sowohl Künstler als auch Wissenschaftler, Autoren, Unternehmer und Politiker fallen. Eben fast alles Menschen, von denen man irgendwo schon einmal gelesen oder gehört hat. Das Ziel steht fest: Bis zur Bundestagswahl sollen 100.000 Unterschriften zusammenkommen. 35.000 gibt es bereits. Wenn jeder von diesen Unterzeichnern — so die Idee — nur 10 weitere Menschen dazu bekommt, es ihnen nachzumachen, müsste das zu schaffen sein. Wenn ihr also einer von meinen 10 angeworbenen Unterzeichnern sein wollt, dann gebt doch einfach hier eure Stimme ab.

Letztlich ist es doch so: Der Einzelne kann sich anstrengen und ein vorbildliches Leben führen, wenig Müll produzieren und Energie verschwenden, wenig und bewusst konsumieren, seinen Mitmenschen helfen und sich allgemein Gedanken um sein Verhalten machen. Wirklich etwas an der Situation ändern kann aber nur Politik, indem sie Gesetze ermöglicht, die zwar ungemütlich sind, aber die Menschen (die doch gerne gemütlich sind) dazu zwingen, sich anders zu verhalten. Ein Beispiel: Eine Abgabe auf Plastiktüten. Bei fast jedem Einkauf bekommt man die Dinger ungefragt in die Hand gedrückt, dann werden sie im Durchschnitt aber nur 25 Minuten lang benutzt, bevor sie im Müll landen. Eine Plastiktüte benötigt 500 Jahre um zu verrotten! In Irland wurde bereits 2002 eine Steuer auf Plastiktüten erhoben, seitdem hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch drastisch verringert. Es wäre also ein Kinderspiel, den Verbrauch dieser unnützen Werbeflächen auch hier zu senken, was dem Staat sogar noch einen satten Batzen Geld einbringen würde. Warum also lehnen unsere Politiker solche Maßnahmen ab? Ich komme da einfach nicht mehr mit. Die Lobbyisten der deutschen Einzelhändler allerdings schon.

Genug aufgeregt für heute. Und nicht vergessen: Unterschreiben!

„Und davon kann man leben?“

Beim Thema bewusst und minimalistisch leben kommt meiner Meinung ein Aspekt immer zu kurz: Die Arbeit und das liebe Geld. Also möchte werde ich jetzt hier ein paar Gedanken verlieren zum schnöden Mammon im Allgemeinen und zur Selbstständigkeit im Besonderen.

Über Geld redet man nicht, noch weniger als über Details des Sexlebens. So ist das hier in Deutschland. Höchstens der Glaube wird als noch privater empfunden als der Kontostand oder die Gehaltsabrechnung. Ich finde das — gelinde gesagt — total bescheuert. Wie viele Angestellte werden ungerecht bezahlt, weil sie nicht wissen, was ihre Kollegen verdienen? Wie viele Selbstständige ziehen in Verhandlungen den Kürzeren weil sie nicht wissen, was ihre Konkurrenz verlangt? Kurz gesagt: Wir kleinen Leute schießen uns mit dieser Haltung selber ins Knie, während die Chefs dieses Landes sich ins Fäustchen lachen.

Minimalismus bedeutet weniger Geld auszugeben für unnötige Dinge. Wer etwas nicht kauft muss das Geld dafür nicht erst verdienen, kann also weniger arbeiten und hat daher mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Ich finde diese Logik so unglaublich einfach und zutreffend, dass ich nicht verstehe wie viele Leute immer mehr arbeiten oder Schulden aufnehmen um immer mehr unnötigen Besitz anzuhäufen. Oder wie der US-amerikanische Humorist Will Rogers (1879-1935) sagte:

“Zu viele Leute geben Geld aus, das sie nicht verdient haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen.”

 

Er hat sowas von Recht!

Arbeiten müssen wir trotzdem, wenn wir nicht gerade ein Leben als selbstversorgende Einsiedler anstreben, die von dem zehren, was ihre Ziegen an Brauchbarem abwerfen. Und da ist dann der Haken an der Sache: Wer eine feste Vollzeitstelle hat kann sein Arbeitspensum und daher sein Einkommen nur schwer an seinen momentanen Geldbedarf anpassen. Jeder Personalchef würde entsetzt mit dem Kopf schütteln, wenn man in diesem Monat 40 Stunden in der Woche arbeiten möchte und im kommenden wieder nur 20. Diesen Luxus genießen nur die Selbstständigen, und nicht einmal davon alle (wer 10 Angestellte hat kann nicht plötzlich das Arbeiten einstellen). Daher finde ich auch viele Ratgeber wie beispielsweise „Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ von Timothy Ferriss, die von solch flexiblen Arbeitsmodellen ausgehen, realitätsfern für die meisten seiner Leser.

Ich habe das Glück, über meine Arbeitszeit selbst entscheiden zu  können. Seit jetzt 1,5 Jahren bin ich Freiberuflerin, und ich habe noch keinen einzigen Tag bereut. Es ist für mich ein Luxus, dass ich mir freinehmen kann, wann ich will, dass ich nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit aufstehen muss, dass ich Aufträge auch mal ablehnen kann. Auch wenn das bedeutet, dass ich weniger verdiene als ich es womöglich als Festangestellte täte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass viele Angestellte insgeheim von der Selbstständigkeit träumen. Ich frage mich, ob das dieselben Leute sind, mit denen ich manchmal solche Gespräche führe:

„Und wo arbeitest du?“
„Ich bin selbstständig.“
„Ah… und als was?“
„Ich bin freie Journalistin, ich schreibe.“
„Und davon kann man leben?“

Dass die Produktion eines Textes echtes Geld wert ist, können einige Menschen nicht verstehen. Ich nehme es ihnen auch gar nicht übel, schließlich gibt es viele Verlage, die ähnlich denken (ich sage nur: 13 Cent pro Zeile). Noch besser bringt es folgender Dialog auf den Punkt, den es wirklich gegeben hat:

„… und dann habe ich mich direkt nach dem Volontariat selbstständig gemacht.“
„Oh, hast du keinen Job gefunden?“
„Ich habe gar nicht gesucht, ich wollte das so.“

Selbstständigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Arbeitslosigkeit, auch wenn davon offenbar viele Nicht-Selbstständige überzeugt sind. Auch nicht mit Faulheit. Ich glaube nicht, dass alle Angestellten ihren vorgeschriebenen 8-Stunden-Tag auch mit acht Stunden Arbeit füllen. Mir ist es auch schon oft passiert, dass ich für einen Arbeitstag in einer Redaktion gebucht wurde und ab drei Uhr die Zeit totgeschlagen habe, weil es einfach nichts mehr zu tun gab. Wenn ich in meinem kleinen Heimbüro arbeite, dann beeile ich mich mit meinen Aufgaben. Je schneller und konzentrierter ich mich dem Projekt widme, desto eher bin ich fertig und desto mehr Freizeit habe ich. Kein Chef kann mir vorschreiben, dass ich noch länger an meinem Schreibtisch sitzen bleiben muss.

Geld bedeutet für mich Freiheit und Unabhängigkeit. Ich brauche ein gewisses Polster, um beruhigt einschlafen zu können. Das finanzielle Risiko, das viele Menschen an der Selbstständigkeit abschreckt, empfinde ich nicht als belastend. Eine freie PR-Beraterin hat kürzlich in einem Seminar über ihren Start in den Selbstständigkeit erzählt und den schönen Satz gesagt: „Das Leben trägt einen.“ Ihr gegenüber saßen 20 Journalisten der Westfälischen Rundschau, die gerade genauso wie 100 ihrer Kollegen ihren festen Job verloren hatten und nun zitternd vor der Möglichkeit der Selbstständigkeit standen. Jeder von ihnen hatte damit gerechnet, seine Arbeitsstelle bis zur Rente zu behalten. Und dann wurde die Zeitung einfach dicht gemacht. Wo bitte ist da die Sicherheit? Sicherheit habe ich, wenn ich mir ein Unternehmen aufbaue, dessen Entwicklung ich selbst bestimmen kann. So denke ich, aber die Sicherheitsfrage ist eine sehr subjektive. Ich erinnere mich lieber an diesen Satz der PR-Beraterin und denke nicht an all die Schrecken, die einem vielleicht passieren könnten.

Kürzlich tat sich für mich die Chance auf eine Festanstellung (ich muss beim Wort immer an das Lied von den Ärzten denken) auf. Gut bezahlt sei der Job, so wurde mir gesagt. Ein guter Verdienst bedeutet für viele Menschen in meiner Umgebung leider noch immer ein Status-Upgrade: Mehr Geld gleich Eigenheim und/oder teure neue Küche, Sommerurlaub in der DomRep, Skiurlaub und ein spritfressener Neuwagen mit allem technischen Schnickschnack, den es so gibt. Oder einen Mercedes. Ich komme da nicht mit. „Hast du schon gehört, XY hat sich jetzt den neuen YX gekauft.“ höre ich oft. Was bitte sagt es aus, wenn mir jemand erzählt, dass sich irgendwer, den ich kaum kenne, ein Auto gekauft hat, das ich noch weniger kenne? Was haben alle immer mit diesen Autos? Autos sind nervig, sie sind teuer und gehen ständig kaputt und leider ist man hier auf dem hügeligen Land auf sie angewiesen, weil sie einen von A nach B bringen. Was der Bus nur drei Mal am Tag schafft. Das fällt mir spontan dazu ein. Meiner Meinung nach ist man auch kein Versager, wenn man mit 35 noch in einer Mietwohnung lebt. Wofür man sein Geld ausgibt oder auch nicht, ist eine persönliche Entscheidung, in die einem niemand reinzureden hat.

Also versuchte ich mich in diese Situation einer Festangestellten hineinzuversetzen. Die Aufgabe: Interessant, aber nicht gerade mein Traumjob. Mein Alltag: Im besten Fall Gleitzeit, trotzdem Kernarbeitszeiten und 40-Stunden-Woche, Überstunden möglich, 30 Tage Urlaub im Jahr. Der Lohn: Mehr Geld. Aber weniger Zeit. Fazit: Wozu das Ganze? Ich habe jetzt das, wovon angeblich viele Angestellte träumen, nämlich einen Job, in dem ich mein eigener Chef bin, und soll es wieder aufgeben? Es wäre kein guter Tausch. Nicht Geld macht glücklich, sondern die Freiheiten, die es einem ermöglicht. Und wo sind meine Freiheiten hin, wenn ich den Großteil meiner wachen Zeit für jemand anderen arbeite?

Ich hoffe, dass sich für die Stelle jemand findet, der nicht von der Selbstständigkeit träumt. Jeder soll so arbeiten, wie es zu ihm oder ihr passt. Und den anderen ihren eigenen Weg zugestehen.