Konsumverzicht, Geld, Lebenszeit, Kaufkraft

Konsumverzicht: Warum du nicht Geld, sondern Lebenszeit sparst

Zeit ist Geld, das weiß ja wohl jeder! Dass Geld auch Zeit ist, vergisst man dabei schnell. Jeder Euro, den du besitzt, hast du dir vorher erarbeiten müssen (es sei denn du hast geerbt oder im Lotto gewonnen). Für jeden Euro hast du also einen Teil deiner Lebenszeit abgeben müssen. Und das solltest du dir öfter bewusst machen. Dann fällt dir Konsumverzicht gar nicht mehr so schwer. Continue reading…

Hallo Generation Y, du faules Stück!

Generation Y, wer hat dir eigentlich diesen bekloppten Namen gegeben? Willst dich nicht für deinen Chef abrackern sondern lieber deine eigenen Träume verwirklichen und dabei noch genug Zeit für Freunde, Familie und dich selbst haben! Du hast unser Wirtschaftswachstum auf dem Gewissen und brauchst dich gar nicht wundern, warum du keinen Job auf Lebenszeit findest! Und komm mir bloß nicht mit deinen dämlichen Idealen! So läuft das nämlich nicht im Kapitalismus. Angebot und Nachfrage, klar? Und dich will keiner. Continue reading…

Traumberuf oder Brotjob?

Job

Quelle: picjumbo.com

Vor einigen Wochen habe ich eine Frage gehört, die mich seitdem beschäftigt: „Wenn ihr es euch aussuchen könntet, würdet ihr einen Job annehmen, der euch keinen Spaß macht, aber gut bezahlt wird? Oder würdet ihr lieber einen Job annehmen, der euch Spaß macht, aber schlecht bezahlt wird?“ Spontan hätte ich mich sofort für die zweite Möglichkeit gemeldet. Aber so einfach ist das nicht. Continue reading…

„Und davon kann man leben?“

Beim Thema bewusst und minimalistisch leben kommt meiner Meinung ein Aspekt immer zu kurz: Die Arbeit und das liebe Geld. Also möchte werde ich jetzt hier ein paar Gedanken verlieren zum schnöden Mammon im Allgemeinen und zur Selbstständigkeit im Besonderen.

Über Geld redet man nicht, noch weniger als über Details des Sexlebens. So ist das hier in Deutschland. Höchstens der Glaube wird als noch privater empfunden als der Kontostand oder die Gehaltsabrechnung. Ich finde das — gelinde gesagt — total bescheuert. Wie viele Angestellte werden ungerecht bezahlt, weil sie nicht wissen, was ihre Kollegen verdienen? Wie viele Selbstständige ziehen in Verhandlungen den Kürzeren weil sie nicht wissen, was ihre Konkurrenz verlangt? Kurz gesagt: Wir kleinen Leute schießen uns mit dieser Haltung selber ins Knie, während die Chefs dieses Landes sich ins Fäustchen lachen.

Minimalismus bedeutet weniger Geld auszugeben für unnötige Dinge. Wer etwas nicht kauft muss das Geld dafür nicht erst verdienen, kann also weniger arbeiten und hat daher mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Ich finde diese Logik so unglaublich einfach und zutreffend, dass ich nicht verstehe wie viele Leute immer mehr arbeiten oder Schulden aufnehmen um immer mehr unnötigen Besitz anzuhäufen. Oder wie der US-amerikanische Humorist Will Rogers (1879-1935) sagte:

“Zu viele Leute geben Geld aus, das sie nicht verdient haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen.”

 

Er hat sowas von Recht!

Arbeiten müssen wir trotzdem, wenn wir nicht gerade ein Leben als selbstversorgende Einsiedler anstreben, die von dem zehren, was ihre Ziegen an Brauchbarem abwerfen. Und da ist dann der Haken an der Sache: Wer eine feste Vollzeitstelle hat kann sein Arbeitspensum und daher sein Einkommen nur schwer an seinen momentanen Geldbedarf anpassen. Jeder Personalchef würde entsetzt mit dem Kopf schütteln, wenn man in diesem Monat 40 Stunden in der Woche arbeiten möchte und im kommenden wieder nur 20. Diesen Luxus genießen nur die Selbstständigen, und nicht einmal davon alle (wer 10 Angestellte hat kann nicht plötzlich das Arbeiten einstellen). Daher finde ich auch viele Ratgeber wie beispielsweise „Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ von Timothy Ferriss, die von solch flexiblen Arbeitsmodellen ausgehen, realitätsfern für die meisten seiner Leser.

Ich habe das Glück, über meine Arbeitszeit selbst entscheiden zu  können. Seit jetzt 1,5 Jahren bin ich Freiberuflerin, und ich habe noch keinen einzigen Tag bereut. Es ist für mich ein Luxus, dass ich mir freinehmen kann, wann ich will, dass ich nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit aufstehen muss, dass ich Aufträge auch mal ablehnen kann. Auch wenn das bedeutet, dass ich weniger verdiene als ich es womöglich als Festangestellte täte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass viele Angestellte insgeheim von der Selbstständigkeit träumen. Ich frage mich, ob das dieselben Leute sind, mit denen ich manchmal solche Gespräche führe:

„Und wo arbeitest du?“
„Ich bin selbstständig.“
„Ah… und als was?“
„Ich bin freie Journalistin, ich schreibe.“
„Und davon kann man leben?“

Dass die Produktion eines Textes echtes Geld wert ist, können einige Menschen nicht verstehen. Ich nehme es ihnen auch gar nicht übel, schließlich gibt es viele Verlage, die ähnlich denken (ich sage nur: 13 Cent pro Zeile). Noch besser bringt es folgender Dialog auf den Punkt, den es wirklich gegeben hat:

„… und dann habe ich mich direkt nach dem Volontariat selbstständig gemacht.“
„Oh, hast du keinen Job gefunden?“
„Ich habe gar nicht gesucht, ich wollte das so.“

Selbstständigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Arbeitslosigkeit, auch wenn davon offenbar viele Nicht-Selbstständige überzeugt sind. Auch nicht mit Faulheit. Ich glaube nicht, dass alle Angestellten ihren vorgeschriebenen 8-Stunden-Tag auch mit acht Stunden Arbeit füllen. Mir ist es auch schon oft passiert, dass ich für einen Arbeitstag in einer Redaktion gebucht wurde und ab drei Uhr die Zeit totgeschlagen habe, weil es einfach nichts mehr zu tun gab. Wenn ich in meinem kleinen Heimbüro arbeite, dann beeile ich mich mit meinen Aufgaben. Je schneller und konzentrierter ich mich dem Projekt widme, desto eher bin ich fertig und desto mehr Freizeit habe ich. Kein Chef kann mir vorschreiben, dass ich noch länger an meinem Schreibtisch sitzen bleiben muss.

Geld bedeutet für mich Freiheit und Unabhängigkeit. Ich brauche ein gewisses Polster, um beruhigt einschlafen zu können. Das finanzielle Risiko, das viele Menschen an der Selbstständigkeit abschreckt, empfinde ich nicht als belastend. Eine freie PR-Beraterin hat kürzlich in einem Seminar über ihren Start in den Selbstständigkeit erzählt und den schönen Satz gesagt: „Das Leben trägt einen.“ Ihr gegenüber saßen 20 Journalisten der Westfälischen Rundschau, die gerade genauso wie 100 ihrer Kollegen ihren festen Job verloren hatten und nun zitternd vor der Möglichkeit der Selbstständigkeit standen. Jeder von ihnen hatte damit gerechnet, seine Arbeitsstelle bis zur Rente zu behalten. Und dann wurde die Zeitung einfach dicht gemacht. Wo bitte ist da die Sicherheit? Sicherheit habe ich, wenn ich mir ein Unternehmen aufbaue, dessen Entwicklung ich selbst bestimmen kann. So denke ich, aber die Sicherheitsfrage ist eine sehr subjektive. Ich erinnere mich lieber an diesen Satz der PR-Beraterin und denke nicht an all die Schrecken, die einem vielleicht passieren könnten.

Kürzlich tat sich für mich die Chance auf eine Festanstellung (ich muss beim Wort immer an das Lied von den Ärzten denken) auf. Gut bezahlt sei der Job, so wurde mir gesagt. Ein guter Verdienst bedeutet für viele Menschen in meiner Umgebung leider noch immer ein Status-Upgrade: Mehr Geld gleich Eigenheim und/oder teure neue Küche, Sommerurlaub in der DomRep, Skiurlaub und ein spritfressener Neuwagen mit allem technischen Schnickschnack, den es so gibt. Oder einen Mercedes. Ich komme da nicht mit. „Hast du schon gehört, XY hat sich jetzt den neuen YX gekauft.“ höre ich oft. Was bitte sagt es aus, wenn mir jemand erzählt, dass sich irgendwer, den ich kaum kenne, ein Auto gekauft hat, das ich noch weniger kenne? Was haben alle immer mit diesen Autos? Autos sind nervig, sie sind teuer und gehen ständig kaputt und leider ist man hier auf dem hügeligen Land auf sie angewiesen, weil sie einen von A nach B bringen. Was der Bus nur drei Mal am Tag schafft. Das fällt mir spontan dazu ein. Meiner Meinung nach ist man auch kein Versager, wenn man mit 35 noch in einer Mietwohnung lebt. Wofür man sein Geld ausgibt oder auch nicht, ist eine persönliche Entscheidung, in die einem niemand reinzureden hat.

Also versuchte ich mich in diese Situation einer Festangestellten hineinzuversetzen. Die Aufgabe: Interessant, aber nicht gerade mein Traumjob. Mein Alltag: Im besten Fall Gleitzeit, trotzdem Kernarbeitszeiten und 40-Stunden-Woche, Überstunden möglich, 30 Tage Urlaub im Jahr. Der Lohn: Mehr Geld. Aber weniger Zeit. Fazit: Wozu das Ganze? Ich habe jetzt das, wovon angeblich viele Angestellte träumen, nämlich einen Job, in dem ich mein eigener Chef bin, und soll es wieder aufgeben? Es wäre kein guter Tausch. Nicht Geld macht glücklich, sondern die Freiheiten, die es einem ermöglicht. Und wo sind meine Freiheiten hin, wenn ich den Großteil meiner wachen Zeit für jemand anderen arbeite?

Ich hoffe, dass sich für die Stelle jemand findet, der nicht von der Selbstständigkeit träumt. Jeder soll so arbeiten, wie es zu ihm oder ihr passt. Und den anderen ihren eigenen Weg zugestehen.